Kardiologengesellschaft, ESC

Wer einem Herzinfarkt mit Ausdauersport vorbeugen möchte, muss sich mehr anstrengen als vielfach angenommen.

29.08.2017 - 11:26:40

Sport gegen Herzinfarkt: Mindestens drei Mal pro Woche eine Stunde. Herz-CT-Untersuchungen zeigen: Erst ab einem Ausdauersport von drei bis fünf Mal pro Woche und einer Trainingsdauer von mindestens einer Stunde konnten positive Effekte auf die Herzkranz-Gefäße gemessen werden, im Sinne einer abnehmenden Atherosklerose-Last und einer geringen Anzahl an Hochrisiko-Gefäßablagerungen.

Innsbruck/Barcelona (pts033/29.08.2017/11:25) - Wer einem Herzinfarkt mit Ausdauersport vorbeugen möchte, muss sich mehr anstrengen als vielfach angenommen. Herz-CT-Untersuchungen zeigen: Erst ab einem Ausdauersport von drei bis fünf Mal pro Woche und einer Trainingsdauer von mindestens einer Stunde konnten positive Effekte auf die Herzkranz-Gefäße gemessen werden, im Sinne einer abnehmenden Atherosklerose-Last und einer geringen Anzahl an Hochrisiko-Gefäßablagerungen.

Wer einem Herzinfarkt mit Ausdauersport wie Laufen, Radfahren, Skitouren oder Langlaufen gezielt vorbeugen möchte, wird sich etwas mehr anstrengen müssen, als vielfach angenommen. "Erst ab einem Ausdauersport von 3- bis 5mal pro Woche und einer Trainingsdauer von mindestens einer Stunde konnten direkte positive Effekte auf die Herzkranz-Gefäße gemessen werden, im Sinne des Gesamtausmaßes der Atherosklerose-Last sowie einer geringen Anzahl an Hochrisiko-Gefäßablagerungen. Das Training muss regelmäßig sein, um Effekte zu erzielen, wobei mit steigendem Trainingslevel eine Abnahme der Atheroskleroselast beobachtet wurde", berichtet Univ.-Prof. Dr. Gudrun Feuchtner (Univ.-Klinik für Radiologie, Innsbruck; Vorstand Prof. Jaschke), auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC). Dafür wurde moderne High-tech-Techology, der 128-dual source computed tomography (DSCT) verwendet. "Auch wenn es viele epidemiologisiche Studien über einen positiven Effekt von Bewegung auf das Herzinfarktrisiko gibt, existieren noch wenige Studien, die mit der CT die genaueste quantitative Vermessung der Atheroskleroselast bieten, und insbesondere die Identifikation von 'Hochrisikoplaques'", so Prof. Feuchtner.

"Wir kennen aus epidemiologischen Studien eine 'U'-Shape Relationship, also die Abnahme des Risikos für Myocardinfarkt, jedoch in Wettkampfathleten (Master Athletes) wieder eine Zunahme von Koronargefäß-Kalzifikationen", so Prof. Feuchtner. (Merghani et al Circulation 2017). "Für uns stellte sich die Frage: Wie wieviel Sport ist gesund? Ab wann ist Training zu viel und ungesund? Wieviel muss jemand trainieren um überhaupt einen direkten protektiven Effekt zur Herzinfarktprävention zu erzielen?"

Die Forschergruppe hatte bei 290 Patienten mit - gemäß den Ergebnissen von Vortests - niedriger bis mittlerer Wahrscheinlichkeit einer Koronaren-Herzerkrankung (KHK) eine Herz-CT-Untersuchung durchgeführt. Gleichzeitig wurden der individuelle Trainingslevel, die Trainings-Intensität und die Anzahl der Trainingsjahre sowie die Art der sportlichen Betätigung rückblickend bestimmt und die Studienteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt: Die Trainingslevel wurde als gering (20 bis 40 Minuten), moderat (1 Stunde) oder hoch (1 bis 3 Stunden) eingestuft, die Intensität als gering (bis zu 3mal pro Woche) moderate (3- bis 5mal) oder hoch (5mal und mehr). Diese Gruppen wurden mit einer Kontrollgruppe von Nicht-Sportler verglichen. Der Schweregrad der KHK wurde eingeschätzt mittels der Messung des Verengungsgrades der Herzkranzgefäße ("Stenosen") und der Atherosklserose-Gesamtlast, der Typisierung der Gefäßablagerungen ("Plaque") in nicht-verkalkt bzw. verkalkt sowie nach neuen Diagnosekriterien wie "Hochrisikoplaques" (z. B. lipidreiche Plaques), die auf ein höheres Herzinfarktrisiko hinweisen.

Fazit: Die Anzahl an Hochrisikoplaques war deutlich geringer bei Sportlern mit mittlerem bis hohem Ausdauersporttrainings-Level. Mit steigendem Level sank die Atherosklerose-Gesamtlast linear. Kein Unterschied war beim Herzkrankgefäß-Stenosegrad-Score erkennbar, beobachtet wurde jedoch bei steigendem Trainingslevel ein Trend zu einem geringerem Stenosegrad. Die Häufigkeit der KHK war in der "moderate-to-high" Gruppe signifikant geringer (63 % versus 72 %) als in der Gruppe der Nicht-Sportler, ebenso der koronare Calcium Score (CCS) (57,3 vs 83), ein Prädiktor für das Herz-Kreislauf-Risiko.

Die kardiale Computer Tomographie (Herz-CT) ist eine nicht-eingreifende Methode zur Früherkennung der KHK. Sie ermöglicht die Diagnostik von relevanten Verengungen der Herzkranzgefäße und atherosklerotischen Ablagerungen ("Plaques") bereits im Frühstadium, einschließlich deren Charakterisierung als verkalkt oder nicht-verkalkt. Die diagnostische Treffsicherheit beträgt 90 bis 99 Prozent. Die CT ermöglicht die Empfehlung spezifischer Trainings und Wettkampfempfehlungen bzw. die frühzeitige Entscheidung zu weiterführender Diagnostik wie eine Herzkatheter-Untersuchung, um spätere Herzinfarkte zu verhindern.

Die Innsbrucker Studie wurde in Kooperation mit der Universitätsklinik für Kardiologie Innsbruck durchgeführt und wurde ermöglicht durch die Zusammenarbeit des Teams um Christian Langer (cand med), Christoph Beyer (cand med), Dr. Fabian Plank, Prof. Guy Friedrich (Fellow of ESC) und dem Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (Dr. Benito Baldauf).

Quelle: ESC Abstract 2017 P1544 Feuchtner et al: The influence of endurance sport exercise level on atherosclerotic coronary plaque burden: a coronary computed tomography study; European Heart Journal (2017) 38 (Supplement) 710

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Innsbruck/Barcelona (pts033/29.08.2017/11:25)

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