Medizin, Gesundheit, Neurologie

Dass Patienten mit Metabolischem Syndrom öfter und stärker unter kognitiven Problemen leiden, wird schon länger vermutet.

27.06.2017 - 09:02:19

Metabolisches Syndrom erhöht Risiko für kognitive Störungen. Grund dafür könnten chronische Entzündungsprozesse sein, die zu neuroinflammatorischen und neurodegenerativen Veränderungen führen können. Noch wenig untersucht ist dagegen, ob auch Personen, die ohne Vorliegen von Faktoren wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Albuminausscheidung im Urin, eine Adipositas entwickelt haben, ein erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen haben.

Amsterdam (pts010/27.06.2017/09:00) - Dass Patienten mit Metabolischem Syndrom öfter und stärker unter kognitiven Problemen leiden, wird schon länger vermutet. Grund dafür könnten chronische Entzündungsprozesse sein, die zu neuroinflammatorischen und neurodegenerativen Veränderungen führen können. Noch wenig untersucht ist dagegen, ob auch Personen, die ohne Vorliegen von Faktoren wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder Albuminausscheidung im Urin, eine Adipositas entwickelt haben, ein erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen haben.

Um die Zusammenhänge genauer zu erforschen, teilten Israelische Forscher 60 fettleibige Erwachsene mit einem Body Mass Index über 30 in zwei Gruppen ein: Die Mitglieder der ersten wiesen höchstens ein Merkmal des Metabolischen Syndroms auf, die der zweiten Gruppe mehr als zwei. Ob und in welcher Ausprägung eine kognitive Dysfunktion vorlag, wurde mit dem Montreal Cognitive Assessment Score (MOCA) erhoben.

Adipositas allein kein Riskofaktor für kognitive Störungen

Das auf dem 3. Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Amsterdam vorgestellte Ergebnis zeigt deutlich, dass die kognitive Leistungsfähigkeit nicht vom Übergewicht an sich, wohl aber von den damit verbundenen Risikofaktoren abhängt: "Bei fettleibigen Personen besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen metabolischen Risikofaktoren und kognitiven Beeinträchtigungen", fasst Studienautor Dr. Alaa Abu Saleh vom Ziv Medical Centre in Safed, Israel, zusammen. Von den 30 Patienten mit mehreren Komponenten eines Metabolischen Syndroms litten 13 Prozent an einer Demenz, 51 Prozent an milderen Formen einer kognitiven Störung und 36 Prozent zeigten keine Anzeichen einer kognitiven Dysfunktion. In der Vergleichsgruppe ohne metabolische Risikofaktoren waren aber 90 Prozent ohne kognitive Probleme, nur sieben Prozent zeigten leichte Anzeichen und weitere drei Prozent hatten bereits eine Demenz entwickelt.

Alter und Bauchumfang als größte Risikofaktoren

Wie die Detailauswertung zeigte, stellten sich ein großer Bauchumfang und das Alter als die größten Risikofaktoren heraus. Starke Zusammenhänge gab es aber auch beim Auftreten von Bluthochdruck oder Lebersteifigkeit. "Nun sollen weitere Studien zeigen, ob die Behandlung der einzelnen Faktoren eines Metabolischen Syndroms die kognitiven Funktionen verbessern kann", so Dr. Alaa Abu Saleh.

Demenz bei Diabetes-Patienten schlechter behandelt

Eine ebenfalls auf dem EAN-Kongress in Amsterdam vorgestellte Studie untersuchte eine andere Korrelation. Eine Forschergruppe des Karolinska Instituts in Stockholm wollte herausfinden, in welcher Ausprägung Diabetes mellitus in einer großen Kohorte von Demenzpatienten auftritt. Die Studie, die von Prof. Dorota Religa und Dr. Juraj Secnik durchgeführt wurde, analysierte Daten von insgesamt 29.630 Patienten mit kognitiven Störungen, darunter 4.881 mit ebenfalls diagnostiziertem Diabetes mellitus.

Dabei zeigte sich, dass die Patienten, die früher ihre Demenz-Diagnose erhalten hatten häufiger an Diabetes litten. Zudem waren Männer öfter betroffen als Frauen. Vaskuläre Demenz oder einer Mischform aus Vaskulärer und Alzheimer-Demenz kamen bei Diabetes-Patienten häufiger vor als andere Demenzformen. Andererseits traten Lewy-Körper-Demenz sowie Parkinson-Demenz bei Diabetes-Patienten seltener auf.

Was zudem auffiel: Patienten mit Diabetes erhielten nicht nur seltener Antidepressiva verschrieben sondern auch deutlich weniger Alzheimer-Medikamente. "Das könnte darauf hinweisen, dass deren Demenzstörungen weniger optimal behandelt werden als bei anderen Patienten", so Prof. Dorota Religa, die empfiehlt, diesen Aspekt in weiteren Studien zu beleuchten. "Die Studie erscheint im Journal Diabetes Care, der offiziellen Publikation der Amaerican Diabetes Association."

Quellen: 3rd EAN Congress Amsterdam 2017, Abstract Abu Saleh, et al. Cognitive dysfunction in obese individuals with or without metabolic risk factors; Abstract: Religa, et al. Diabetes mellitus in a large dementia cohort. A study of clinical characteristics and treatment from the Swedish Dementia Registry.

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