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"WETTBEWERB DER NARRATIVE": IST DIE OFFENE GESELLSCHAFT IN GEFAHR?

24.03.2017 - 12:00:24

BDI Bundesverband der Dt. Industrie / WETTBEWERB DER NARRATIVE: IST ...

Berlin - In einer ungewöhnlichen, aber profilstarken Allianz

thematisieren das Goethe-Institut, die Heinrich-Böll-Stiftung, der

Bundesverband der Deutschen Industrie und das Käte

Hamburger-Kolleg/Centre for Global Cooperation Research auf einer

internationalen Tagung an diesem Wochenende die gegenwärtige Krise

freiheitlicher Erzählungen und den weltweit zunehmenden Druck auf die

offenen Gesellschaften durch autoritäre Regime.

Die aktuellen Entwicklungen in den USA, das Verhältnis zwischen

der Türkei und einzelnen EU-Staaten, die Rolle Chinas wie auch die

innenpolitischen Turbulenzen in Frankreich und Deutschland im

Wahljahr 2017 stellen die freien Gesellschaften und viele ihrer

tragenden Akteure vor neue, gemeinsame Herausforderungen. Von

zentraler Bedeutung ist dabei ein mittlerweile offener Wettbewerb

zwischen liberalen Narrativen und illiberalen politischen

Erzählungen, die das globale Machtgefüge und unsere Gesellschaften

zum Teil mit unvorhersehbarer Wucht beeinflussen.

Zum Auftakt der gemeinsamen Tagung erklärte Johannes Ebert,

Generalsekretär des Goethe-Instituts: "Die aktuelle Krise liberaler

Erzählungen ist gekennzeichnet durch eine weltweite Kritik am Ideal

einer weltoffenen Gesellschaft. Tagtäglich werden wir mit Narrativen

konfrontiert - in Debatten um internationale Handelsabkommen, im

französischen Wahlkampf oder im Streit um das Präsidialsystem in der

Türkei. Bei den Diskussionen heute und morgen möchten wir ein

Schwarz-Weiß-Denken vermeiden und herausfinden, wie liberale und

illiberale Erzählungen unserer Gesellschaften aussehen und wie diese

Menschen und Staaten beeinflussen."

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: "Narrative

sind ein zentrales Instrument dafür, dass Repressionen Erfolg haben:

weltweit werden die Handlungsspielräume von Zivilgesellschaft

eingeschränkt, Journalisten verfolgt, zivilgesellschaftliche

Organisationen verboten und damit gerechtfertigt, dass die

Menschenrechte relativiert und ihre Universalität in Frage gestellt

wird. Narrative sind aber auch zentral dafür, illiberalen Trends

entschieden entgegenzutreten und Rechte zu verteidigen. Wie wir

konsequent den Narrativ der Universalität der Menschenrechte

verteidigen können, wollen wir bei dieser Tagung diskutieren." Markus

Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen

Industrie: "In einem immer gefährlicheren internationalen Umfeld muss

die Politik in Deutschland und Europa die politische Freiheit

fortwährend konsequent aufrechterhalten. Es geht darum,

wirtschaftlichen Fortschritt stets aufs Neue zu erarbeiten. Dies

gelingt nur in offenen Gesellschaften. Technischer Fortschritt durch

digitale Transformation und radikale Innovationen in der Wissenschaft

bietet die historisch einzigartige Gelegenheit, die wirtschaftliche

und soziale Lage breiter Schichten der Bevölkerung zu verbessern, und

zwar spürbar wie dauerhaft. Das Narrativ, das mich am meisten

überzeugt, erklärt: Freiheit und Offenheit bringen Wohlstand und

Arbeitsplätze, Teilhabe, Einkommens- und Aufstiegschancen - also:

inklusives Wachstum." Markus Böckenförde, Wissenschaftlicher

Geschäftsführer des Käte Hamburger Kollegs/Centre for Global

Cooperation Research: "Die Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen

globaler Kooperation im 21. Jahrhundert lässt sich aus

wissenschaftlicher Perspektive nur erfassen, wenn die Forschung zu

Narrativen mit einbezogen wird. Deren Einsatz und Wirkung ist im

Bereich der Politikwissenschaften lange stiefmütterlich behandelt

worden, obwohl bekannt ist, dass politische Narrative für die

kollektive Verständigung eine wichtige Rolle spielen. Es gibt zwar

Konfliktpotentiale, wenn unterschiedliche Weltsichten aufeinander

treffen. Doch können Narrative, etwa durch geteilte Metaphern,

affektive Bindungen und kooperative Wirkungen erzeugen. Deshalb lohnt

sich auch zum besseren Verständnis globaler Prozesse der genaue Blick

auf die erzählerische Dimension politischer Sprache."

Internationaler Diskurs

Den Eröffnungsvortrag zum Thema "Populisten und Liberale" hält der

Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke. Außerdem sprechen unter

anderen die russische Politikwissenschaftlerin Ekaterina Schulmann,

der Ökonom Chandran Nair aus Hongkong, die amerikanische Juristin

Michele Goodwin, der Kulturjournalist Ranjit Hoskote aus Indien, der

französische Politikwissenschaftler Ariel Colonomos und der

chinesische Philosoph Tongdong Bai über erfolgreiche Erzählungen in

ihren Ländern. Performative Elemente von Poetry Slammern wie dem

Nigerianer Efe Paul Azino ergänzen die Beiträge. Das Publikum ist

nach den Impulsen der Rednerinnen und Redner zum Mitdiskutieren

aufgerufen.

Die Tagung wird als Livestream übertragen: www.boell.de/narrative.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/narrative. Der

Hashtag zur Konferenz lautet #competingnarratives.

Internationale Tagung

"Wettbewerb der Narrative: Zur globalen Krise liberaler

Erzählungen" Termin: Eröffnung 24. März, 18.00 Uhr; 25. März 2017,

10.00 Uhr bis 19.00 Uhr Ort: Berlin-Brandenburgische Akademie der

Wissenschaften, Markgrafenstraße 38 (Gendarmenmarkt), 10117 Berlin

Sprache: Simultanübersetzung Deutsch/Englisch.

Alle Presseinformationen finden Sie unter www.goethe.de/presse und

www.artefakt-berlin.de

Die Tagung "Wettbewerb der Narrative: Zur globalen Krise liberaler

Erzählungen" ist eine gemeinsame Veranstaltung des Goethe-Instituts,

der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundesverbands der Deutschen

Industrie und des Käte Hamburger Kollegs/Centre for Global

Cooperation Research

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