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Roland Berger / Zentralbanken am Scheideweg: Globalisierung, ...

16.02.2017 - 09:29:24

Roland Berger / Zentralbanken am Scheideweg: Globalisierung, .... Zentralbanken am Scheideweg: Globalisierung, Transparenzanforderungen

und technische Innovationen setzen Institute unter Druck

Zürich/München -

- Studienserie von Roland Berger "New realities in central banking"

beleuchtet verändertes Umfeld und Rolle der Zentralbanken

- Globalisierung, technologische Innovationen und hohe

Geschwindigkeit an den internationalen Finanzmärkten zwingen

Zentralbanken, ihre Organisation neu zu gestalten

- Digitale Währungen werden sich in den kommenden Jahren als

Parallelwährung zum Bargeld breit etablieren

- Unterschiedliche Technologien und Ansätze in verschiedenen Ländern

stellen Zentralbanken vor neue Herausforderungen

Vor der Finanzkrise agierten Zentralbanken hinter den Kulissen als

hoch effektive und mächtige unabhängige Institutionen. Sie sorgten

für Preisstabilität und waren das Rückgrat eines nationalen

Finanzsystems. Doch als Folge der weltweiten Finanzkrise und der

internationalen Staatsschuldenkrise sehen sich Zentralbanken heute

weltweit einem wachsenden öffentlichen Interesse ausgesetzt. Hinzu

kommen neue Herausforderungen: strengere Regulierung der Finanzmärkte

und Institutionen, wachsende Globalisierung und komplexere

Organisationen, digitale Innovationen und zunehmender Kampf um

Talente. Diese Entwicklungen analysieren die Finanzexperten von

Roland Berger in ihrer neuen Studienserie "New realities in central

banking".

"Zentralbanken stehen vor einer großen Transformation", sagt

Adrian Weber, Partner von Roland Berger. "Dabei ist eine umfassende

organisatorische Professionalisierung der Zentralbanken in den

hochentwickelten Volkswirtschaften unabdingbar. Denn vor allem der

Sparzwang der öffentlichen Hand, die hohen Anforderungen an

Transparenz und die anhaltende Niedrigzinspolitik setzen

Zentralbanken immer stärker unter Druck."

Vier Säulen für eine erfolgreiche Transformation

Damit Zentralbanken für das Finanzsystem der Zukunft und die

Einführung einer digitalen Währung gerüstet sind, sollten sie deshalb

ihre Organisation weiterentwickeln. "Da jede Zentralbank historisch

anders aufgestellt ist, gibt es allerdings keine Universallösung",

warnt Roland Berger-Partner Markus Strietzel. "Allerdings basiert

eine erfolgreiche Transformation grundsätzlich auf vier Säulen:

Reorganisation, effektive Führung, operative Effizienz und eine

zukunftsorientierte Personalpolitik."

Wichtig ist insbesondere, schlanke und effiziente Strukturen zu

schaffen. Eine optimierte Führungsstruktur ermöglicht effiziente

Entscheidungsprozesse; Support-Funktionen sollten so weit wie möglich

zentralisiert bzw. ausgelagert werden. Die Kostenbasis aktiv zu

steuern ermöglicht außerdem weitere Einsparungen; dadurch können

Zentralbanken mehr Kapital in neue strategische Prioritäten

reinvestieren.

In Zeiten des Kampfs um die besten Talente stehen Zentralbanken

zudem im Wettbewerb mit weiteren Finanzinstituten. "Die

Mitarbeiterführung und -entwicklung spielen daher bei der

Umgestaltung der Organisation eine sehr wichtige Rolle", sagt Adrian

Weber. "Dabei werden auch Mitarbeiterprofile, die bislang nicht im

Fokus standen, etwa in der IT, an Bedeutung gewinnen. Nur so können

wichtige Innovationen in der hierarchisch strukturierten Organisation

einer Zentralbank besser evaluiert, vorangetrieben und implementiert

werden."

Digitale Währungen bringen neue Hürden

Zu den Innovationen, die auch für Zentralbanken besonders relevant

sind, gehört auch die Einführung einer digitalen Währung als Pendant

zum Bargeld. Solche Währungen werden analog zu Banknoten und Münzen

in einer digitalen Brieftasche gespeichert. "Gedruckt" oder

herausgegeben wird auch diese Währung von einer Zentralbank.

"Aktuell ist es aber noch zu früh, auf eine bestimmte Technologie

zu setzen, da sich gerade verschiedene Ansätze gleichzeitig

entwickeln", sagt Markus Strietzel. Während manche Anbieter auf die

dezentralisierte Blockchain-Technologie setzen, haben sich andere für

die Einbindung von digitalen Intermediären entschieden.

"Zentralbanken müssen im Einzelfall die Stärken und Schwächen der

jeweiligen Technologien prüfen und die richtige Entscheidung

treffen", so Strietzel. "Allerdings fehlt vielen Instituten noch das

nötige Know-how und die Agilität, um mit dem rasanten Tempo der

technologischen Entwicklungen umzugehen."

Digitale Währungen bringen große Vorteile mit sich: Sie können die

Kosten für Banknotendruck, Münzprägung, Bargeldaufbewahrung und

-transport sowie Geldwäschebekämpfung deutlich reduzieren. Zudem

beschleunigen sie die finanzielle Integration aufstrebender Märkte.

"Wir sind davon überzeugt, dass digitale Währungen in Zukunft eine

wichtige Rolle spielen werden", sagt Adrian Weber. "Es gibt bereits

erste vielversprechende Pilotprojekte und die weitere Einführung wird

komplementär zum bestehenden Bargeld vorangetrieben."

Daraus ergibt sich allerdings ein großer Handlungsbedarf für

Zentralbanken: "Um diese Entwicklung des Finanzmarkts aktiv

mitgestalten zu können, benötigen sie effektive

Organisationsstrukturen, technische Fähigkeiten und eine große

Flexibilität", betont Weber.

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