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14.12.2016 - 07:08:25

Mercator Institute for China Studies / MERICS-Studie zu Chinas .... MERICS-Studie zu Chinas Hightech-Strategie: Industriestaaten droht

harte Konkurrenz aus Fernost

Berlin - Chinas Hightech-Revolution ist im vollen Gange: Mit

dem Masterplan "Made in China 2025" und Investitionen in

Milliardenhöhe geht Beijing industriepolitisch in die Offensive.

Spätestens 2049 will China zu den führenden Industriemächten gehören.

Eine Analyse des Mercator Instituts für China-Studien zeigt, dass die

ehrgeizige Strategie erste Früchte trägt - und Industriestaaten wie

Deutschland und die USA dringend eine Antwort darauf formulieren

müssen.

2015 wurde "Made in China 2025" von der chinesischen Führung unter

Präsident Xi Jinping beschlossen. Bis 2025 soll der Anteil

chinesischer Hersteller von fortschrittlicher Produktionstechnik und

wichtigen Werkstoffen auf dem einheimischen Markt auf 70 Prozent

ansteigen. China will nicht mehr nur die "Werkbank der Welt" sein,

sondern strebt mit seiner breit angelegten Industriestrategie

Marktführerschaft in Bereichen an, auf denen heute das Wachstum

vieler Industrieländer beruht. Informationstechnologie,

computergesteuerte Maschinen, Roboter, energiesparende Fahrzeuge und

medizinische Geräte gehören ebenso dazu wie Hightech-Ausrüstung für

Raumfahrt, See- und Schienenverkehr.

"Made in China 2025": Sprung ins Zeitalter der intelligenten

Fabrik

China will seine Industrie direkt in das Zeitalter des Smart

Manufacturing und der vernetzten Fabrik versetzen. Vorbilder sind das

deutsche Konzept der "Industrie 4.0" und das in den USA geprägte

"Industrial Internet". Beim Blick auf den geringen Grad der

Automatisierung in China mag dies unrealistisch erscheinen. Denn im

Schnitt kommen bislang auf 10.000 Arbeiter nur 19 Industrieroboter.

In Deutschland sind dies nach Angaben des Weltroboterverbands (IFR)

301 Roboter, in Südkorea sogar 531.

Doch China steckt enorme finanzielle Ressourcen in seine

ehrgeizige Vision. Der kürzlich begründete "Investitionsfonds für

intelligente Fertigung" ist mit 20 Milliarden Yuan (2,6 Milliarden

Euro) ausgestattet. Der "Investitionsfonds für die

Halbleiterindustrie" verfügt über 139 Milliarden Yuan (19 Milliarden

Euro). Zum Vergleich: ungefähr 200 Millionen Euro hat die

Bundesregierung bislang in Forschung zur Industrie 4.0 investiert.

China nimmt nicht nur Geld in die Hand: Aufstrebende einheimische

Hightech-Produzenten werden durch staatliche Eingriffe vor

ausländischer Konkurrenz geschützt. Dass dies funktionieren kann,

zeigen die sozialen Medien. Facebook, Twitter und Google sind in

China gesperrt, deshalb haben sich chinesische Pendants wie Baidu,

Sina Weibo und Wechat bereits fest etabliert. Was Hightech-Bereiche

betrifft, ist China noch nicht soweit: Bei im Land gefertigten

Industrierobotern machen importierte Komponenten drei Viertel der

Kosten aus.

Technologielücke schließen durch Einkaufstour im Ausland

Um die Technologielücke zu schließen, investieren chinesische

Firmen in jüngster Zeit massiv im industrialisierten Ausland: Von

Januar bis September beliefen sich chinesische Investitionen in

EU-Staaten auf mehr als 15 Milliarden Euro, bis Ende 2016 könnten es

fast 19 Milliarden Euro sein. In den USA investierten chinesische

Firmen im ersten Halbjahr dieses Jahres umgerechnet mehr als 17

Milliarden Euro. Viele Investitionen fließen in Bereiche wie

Immobilien und Dienstleistungen - hier gibt es positive Erfahrungen

in der Zusammenarbeit. Doch vermehrte Übernahmeangebote an

Hochtechnologiefirmen sorgten hierzulande für heftige Diskussionen,

wie der Fall des Roboterherstellers Kuka, des Spezialmaschinenbauers

Aixtron und des Leuchtmittelproduzenten Osram. Es tauchte die Frage

auf, inwieweit der chinesische Staat hinter den Deals steht.

"Made in China 2025" hat auch deutliche Schwächen, wie es in der

MERICS-Studie heißt. Politische Prioritäten und Bedürfnisse der

Industrie stehen oft nicht im Einklang. Die Fixierung auf

quantitative Ziele und ineffiziente Mittelzuteilung könnten dazu

beitragen, dass die breit angelegte Initiative in vielen Bereichen

verpufft. Doch in manchen Bereichen, dazu gehören Robotik und

3D-Druck, könnte China die derzeitig führenden Volkswirtschaften und

internationale Konzerne erheblich unter Druck setzen. Besonders

Deutschland und die EU-Nachbarn Ungarn, Tschechien, Irland und

Österreich, aber auch Südkorea und die USA, in denen

Hightech-Industrien einen großen Teil zum Bruttoinlandsprodukt

beisteuern, droht auf lange Sicht eine Schwächung ihres

Wirtschaftswachstums.

Industriestaaten brauchen kluge Antworten auf Chinas Offensive

Entscheider in Politik und Wirtschaft sollten sich nicht von

kurzfristigen Geschäftschancen täuschen lassen, die "Made in China

2025" für ausländische Hightech-Hersteller bereithalte, heißt es in

der Studie. Am Ende gehe es der chinesischen Führung darum,

ausländische durch chinesische Technologien zu ersetzen.

Kluge Antworten auf Chinas Strategie sind nötig. Europa empfehlen

die MERICS-Autoren eine erweiterte Palette von Instrumenten, um auf

die von staatlichen Akteuren betriebenen Aufkäufe europäischer

Hightech-Unternehmen zu reagieren. Dazu gehöre mehr Transparenz bei

Firmenübernahmen, damit eventuelle staatliche Einflussnahme

rechtzeitig erkennbar werde. Ähnlich wie in den USA müssten auch in

Europa die Bedeutung von Investitionen aus dem Ausland in

einheimische Firmen für die nationale Sicherheit entschiedener

geprüft werden. Eine weitere Option ist die Ausweitung der auf dem

EU-Binnenmarkt geltenden Wettbewerbsregeln auf Investitionen aus

Drittstaaten anzuwenden. Die Regelungen untersagen staatliche

Beihilfen, die den Wettbewerb verzerren.

Ausländischen Hightech-Unternehmen, die in China forschen und

entwickeln, empfehlen die Autoren, sich auf Bereiche zu

konzentrieren, in denen die chinesischen Partner selbst schon über

fortgeschrittene Technologien verfügen. Dazu gehören unter anderem

der Telekommunikationsstandard 5G, drahtlose Sensornetzwerke,

3D-Druck und E-Commerce-Anwendungen für die Industrie.

Auch Dialog sei wichtig: Im Bereich Cybersicherheit, so die

MERICS-Forscher, müssten die Industrieländer Chinas Interesse an

ihrer Technologie nutzen, um im Gegenzug IT-Sicherheitsstandards und

den Schutz von sensiblen Unternehmensdaten einzufordern. Wenn es um

die Festlegung von Technologie-Standards gehe, sei China noch offen,

sich an den entsprechenden Industriekonsortien zu beteiligen.

Entwickelt das Land erst seine eigenen Standards - wie beim Mobilfunk

schon der Fall - wird die Barriere, die ausländischen

Hightech-Anbietern den Weg auf Chinas Märkte versperren könnte,

vielleicht eines Tages unüberwindlich hoch.

Quelle: "Made in China 2025: The making of a high-tech superpower

and consequences for industrial countries", MERICS Paper on China Nr.

2, Dezember 2016

Entstehung der Studie: Die Dokumente zu "Made in China 2025" und

anderer Strategien wie "Internet Plus" wurden eingehend analysiert.

Die Forscher interviewten mehr als 60 Experten aus Unternehmen,

Industrieverbänden und politischen Institutionen in China,

Deutschland und anderen europäischen Staaten. Den Fortschritt der

chinesischen Innovationsstrategie maßen sie unter anderem anhand von

Analysen der Patentanmeldungen und der Subventionsflüsse. Auf Basis

von Feldstudien und Forschung in China erstellten sie Fallbeispiele,

um exemplarisch den Entwicklungsstand chinesischer Unternehmen in

Hochtechnologiebereichen zu bewerten.

Autoren: Jost Wübbeke, Mirjam Meissner, Max J. Zenglein, Jaqueline

Ives, Björn Conrad

Über MERICS: Das Mercator Institut für China Studien (MERICS) ist

ein unabhängiges Forschungsinstitut mit Sitz in Berlin. MERICS

betreibt gegenwartsbezogene und praxisorientierte China-Forschung.

MERICS vermittelt Erkenntnisse und Analysen in die Öffentlichkeit

hinein, stellt Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und

Gesellschaft China-Expertise zur Verfügung und ist Ansprechpartner

für die Medien. MERICS ist eine Initiative der Stiftung Mercator.

Link zur Studie: https://www.merics.org/index.php?id=1280

Interview mit Studienautor Jost Wübbeke: http://ots.de/Z4rJs

OTS: Mercator Institute for China Studies

newsroom: http://www.presseportal.de/nr/114160

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Claudia Wessling, Leiterin Kommunikation, claudia.wessling@merics.de

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