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Kfz-Gewerbe wächst bei Handel und Service (FOTO)

16.02.2017 - 11:31:24

Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe / Kfz-Gewerbe wächst bei ...

Berlin -

Mehr Fahrzeugverkäufe und Werkstattaufträge ließen den Umsatz im

Kfz-Gewerbe 2016 um 9,9 Prozent auf knapp 172 Milliarden Euro wachsen

(Vorjahr 156,5 Mrd. Euro). "Wenn sich die Umsatzrendite ähnlich

entwickelt hätte, wäre die Freude noch etwas größer", sagte

ZDK-Präsident Jürgen Karpinski auf der Jahrespressekonferenz in

Berlin. Die vorläufige Durchschnittsrendite komme mit 1,6 bis 1,9

Prozent nicht wirklich von der Stelle (Vorjahr: 1,6 Prozent). "Wer

den Autohandel als unverzichtbare Schnittstelle zum Kunden erhalten

will, muss ihm auch Luft zum Atmen lassen. Und die fängt bei drei

Prozent Mindestrendite an."

Rund 145 600 mehr verkaufte Neuwagen ließen den Umsatz in diesem

Geschäftsfeld um 4,9 Prozent auf 61 Milliarden Euro steigen (2015:

58,2 Mrd. Euro). Besonders erfreulich: Der Anteil der Privatkunden am

Neuwagengeschäft betrug 35 Prozent und ist erstmals seit langem

wieder gewachsen (Vorjahr: 34,2 Prozent).

Auch das Gebrauchtwagengeschäft hat noch einmal angezogen, und

zwar um ein Prozent auf etwas über 7,4 Millionen Einheiten (7,33

Millionen in 2015). Daran hatte das Kfz-Gewerbe einen Anteil von 68

Prozent (Vorjahr 61 Prozent). Das ergibt einen Umsatz von 67,6

Milliarden Euro, eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zu 2015

(57,8 Mrd. Euro).

Weiter verbessert zeigte sich auch das Werkstattgeschäft. Die

Umsätze stiegen um 5,6 Prozent auf knapp 32 Milliarden Euro (2015:

30,3 Milliarden Euro). Im Durchschnitt waren die Werkstätten im

vergangenen Jahr mit 85 Prozent ausgelastet, das sind zwei

Prozentpunkte mehr als in 2015.

2017 wird Jahr des Übergangs bei Elektromobilität

Nach Einschätzung des ZDK wird sich der Automobilmarkt in

Deutschland auch im laufenden Jahr stabil zeigen. So geht der

Branchenverband im Service-Sektor von einer stabilen Nachfrage bei

Wartungs- und Reparaturarbeiten auf dem Niveau des Vorjahres aus. Auf

dem Gebrauchtwagenmarkt sind 7,3 bis 7,4 Millionen

Besitzumschreibungen zu erwarten. Bei den Neuzulassungen rechnet das

Kfz-Gewerbe mit einem leichten Rückgang auf 3,2 Millionen Einheiten.

Ein Grund sei die zunehmende Verunsicherung der Verbraucher etwa

durch die Diskussion um drohende Fahrverbote und blaue Plaketten.

Bezogen auf die Elektromobilität sieht Karpinski 2017 als ein

weiteres Jahr des Übergangs, und zwar aufgrund des nach wie vor

übersichtlichen Angebots an Fahrzeugen, die durch ein akzeptables

Preis-Leistungs-Verhältnis sowie praxisgerechte Reichweite beim

Endverbraucher punkten könnten. Daher rechnet der ZDK für dieses Jahr

mit einem Absatz von rund 15 000 rein batteriebetriebenen Fahrzeugen

sowie mit zirka 55 000 Hybridfahrzeugen, darunter etwa 22 000

Plug-in-Hybride.

Kfz-Betriebe stellen 4,6 Prozent mehr Auszubildende ein

Unverändert große Bedeutung hat das Kfz-Gewerbe auf dem

Ausbildungssektor. So haben die Betriebe im vergangenen Jahr 4,6

Prozent mehr Auszubildende eingestellt als im Jahr 2015. Bis zum 30.

September 2016 wurden insgesamt 28 905 Ausbildungsverträge und damit

1 266 mehr abgeschlossen als im Jahr 2015.

Die Anzahl der Betriebe ging im vergangenen Jahr um 660 auf

insgesamt 37 740 zurück. Davon waren 16 800 fabrikatsgebundene

Betriebe und 20 940 freie Werkstätten. Diese Veränderungen fanden

fast ausschließlich im Fabrikatshandel statt (minus 650). Die Gründe

liegen hauptsächlich im weiter fortschreitenden Konzentrationsprozess

und der Bereinigung der Händlernetze durch Hersteller und Importeure.

Dem entsprechend sank die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

um 5 300 auf 455 500 (2015: 460 800).

Verpflichtende Endrohrmessung dient dem Umweltschutz

Karpinski lobte insbesondere die ab 1. Juli 2017 geplante

Einführung der generellen Abgasmessung am Endrohr in Kombination mit

der elektronischen OBD-Prüfung bei der Abgasuntersuchung (AU) sowie

die Verschärfung der Grenzwerte. "Das ist ein großer Erfolg

intensiver Verbandsarbeit", so der ZDK-Präsident. "Die Endrohrmessung

dient dem aktiven Umweltschutz und gibt insbesondere den Autofahrern

ein Stück mehr Sicherheit. Nur auf diese Weise lässt sich verlässlich

ermitteln, welche Emissionen letztendlich hinten herauskommen."

Karpinski betonte, dass nur mit der Kompetenz der über 36 000

anerkannten AU-Betriebe die flächendeckende Umsetzung einer

modernisierten AU möglich sei.

Sicherheit für Diesel-Fahrer gefordert

Die Tendenz einer zunehmenden Verunsicherung der Verbraucher beim

Diesel hat der Verband durch eine Forsa-Umfrage bei Autofahrern

festgestellt. Auf die Frage nach der bevorzugten Antriebsart beim

Autokauf in diesem Jahr würden sich 51 Prozent für einen Benziner

entscheiden. Für 28 Prozent käme ein Diesel in Frage. Immerhin zehn

Prozent erwägen die Anschaffung eines Hybridfahrzeugs, und fünf

Prozent wollen ein Elektrofahrzeug anschaffen. Drei Prozent denken

über ein Fahrzeug mit Gasantrieb nach.

Diese Verunsicherung führt ZDK-Präsident Karpinski auf die

Diskussion um blaue oder weiße Plaketten und mögliche Fahrverbote in

Innenstädten zurück. "Bis vor kurzem war der Diesel noch die

Top-Empfehlung der Umweltschützer, weil er für gute Werte beim

CO2-Ausstoß prädestiniert ist. Ohne den Diesel ist das von der EU

festgesetzte Klimaschutzziel eines Flottenverbrauchswerts von 95

Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer ab dem Jahr 2020 wohl kaum zu

erreichen", so Karpinski.

Und bei der Feinstaubbelastung hätten die Industrieprozesse laut

dem Umweltbundesamt den Löwenanteil von rund 39 Prozent, gefolgt von

der Landwirtschaft mit etwa 22,5 Prozent. Dann erst folgten Haushalte

und Kleinverbraucher sowie der Straßenverkehr mit jeweils knapp über

14 Prozent.

"Insofern tut Aufklärung Not, denn in die Köpfe der Menschen hat

man einzig das Auto als Umweltsünder implantiert", so Karpinski. "Wir

benötigen klare Aussagen der Politik, die den Autofahrern

Rechtssicherheit für das Benutzen ihrer Fahrzeuge geben." Gefordert

sei eine Politik mit Augenmaß, die neben berechtigten Umweltanliegen

auch die Mobilitätsbedürfnisse der Steuerzahler berücksichtige und

dafür Sorge zu tragen habe, dass die nach der Immobilie höchste

private Investition, nämlich die in ein Automobil, sich nicht bereits

nach kurzer Zeit als Verlustgeschäft erweise.

Kritik an Steuerplänen für Autogas

Kritik übte der Verband an den Plänen des Bundesfinanzministers,

die Steuerbegünstigung für Autogas zu kippen, obwohl sie laut

Koalitionsvertrag fest vereinbart war. Abgesehen vom Verlust an

Glaubwürdigkeit bei immerhin rund 475 000 Fahrern von

Autogas-Fahrzeugen würden sich diese Pläne auch nachteilig auf das

Nachrüstgeschäft im Kfz-Gewerbe auswirken. Außerdem werde die

Verunsicherung der Verbraucher fortgesetzt, wie es bereits in der

Diesel-Diskussion mit blauen Plaketten und drohenden Fahrverboten

geschehe.

Karpinski kandidiert für zweite Amtszeit

Auf der Pressekonferenz in Berlin gab Jürgen Karpinski bekannt,

auf der ZDK-Mitgliederversammlung am 14. Juni 2017 in Montabaur

erneut für das Amt des ZDK-Präsidenten zu kandidieren. Nicht zuletzt

bei der Bewältigung der zahlreichen Umbrüche, die der

Automobilbranche und damit auch dem Kfz-Gewerbe bevorstünden, sei

Kontinuität an der Verbandsspitze ein wichtiger Faktor.

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Pressekontakt:

Ulrich Köster

ZDK-Pressesprecher

Tel.: 0228/ 91 27 270

E-Mail: koester@kfzgewerbe.de

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