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Jährlich 170.000 Existenzgründungen durch Migranten

04.04.2017 - 10:06:24

KfW / Jährlich 170.000 Existenzgründungen durch Migranten

Frankfurt am Main -

- Migranten in Deutschland überdurchschnittlich gründungsaktiv

- Besonders hohe Gründerquote bei Migranten mit Hochschulabschluss

- Migranten gehen Gründungsprojekte meist offensiver an

Jährlich gibt es in Deutschland rund 170.000 Existenzgründungen

durch Migranten. Jeder fünfte Gründer ist demnach Ausländer oder

eingebürgert. Dem Gründeranteil von 20 % steht ein Bevölkerungsanteil

von 18 % gegenüber - Migranten sind also überdurchschnittlich

gründungsaktiv. Ihre Gründerquote liegt mit 1,77 % (im mehrjährigen

Durchschnitt) deutlich über der Gesamtquote von 1,60 %. Dies sind

Ergebnisse einer Sonderauswertung des KfW-Gründungsmonitors, der

repräsentativen Befragung zum Gründungsgeschehen in Deutschland.

"Migranten wagen überdurchschnittlich oft den Schritt in die

Selbstständigkeit und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum

Gründungsgeschehen. Spannend ist, dass wir unter Migranten eine

besonders hohe Gründungsneigung von Akademikern sehen", sagt Dr. Jörg

Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Insgesamt liegt die

Gründerquote von Akademikern im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2015

bei 2,3 %, die von akademisch gebildeten Migranten hingegen bei 3,1

%. "Ein Hochschulabschluss geht bei Migranten außerdem mit einer

geringeren Abbruchwahrscheinlichkeit einher. Bildung zahlt sich aus",

ergänzt Zeuner.

Migranten gründen nicht nur häufiger, sondern auch größer: Erstens

starten Migranten ihre Selbständigkeit häufiger im Vollerwerb. Im

Durchschnitt des betrachteten Zeitraums sind 42 % aller Gründungen in

Deutschland Vollerwerbsgründungen, unter Migranten sind es hingegen

47 %. Zweitens investieren sie mehr Zeit in ihre Gründungsprojekte

als ein Durchschnittsgründer - 3,2 Wochenstunden bzw. 11 % mehr.

Drittens gründen Migranten seltener allein: Knapp die Hälfte gründet

mit Mitarbeitern und/oder Teampartnern (48 % vs. 37 % bei allen

Gründungen).

Bei der Analyse der Finanzierungsituation sind vergleichsweise

wenig Unterschiede zwischen Migranten und der Gruppe aller Gründer zu

erkennen: Der Anteil von Gründern mit externem Kapitalbedarf ist (mit

23 %) ebenso durchschnittlich wie die Größenordnung der

Finanzierungsbeträge. Besonderheiten zeigen sich jedoch bei den

verwendeten Finanzierungsquellen: Zum einen nutzen Migranten deutlich

häufiger Mittel aus dem persönlichen Umfeld, beispielweise Geld von

Familienmitgliedern oder Freunden. Zum anderen verwenden Migranten

viel häufiger Dispositionskredite (29 % vs. 16 %) und im Gegenzug

seltener Bankdarlehen (31 % vs. 38 %). "Die Tendenz zu teureren

Überziehungskrediten kann ein Hinweis auf beschränkten Kreditzugang

sein, zum Beispiel weil Sprachprobleme die Informationsbeschaffung

oder die Kreditverhandlung erschweren", sagt Dr. Zeuner.

Kehrseite der hohen Gründerquote von Migranten ist eine ebenfalls

höhere Abbruchsquote. In den ersten zwei Jahren brechen 22 % der

Gründer in Deutschland ihr Projekt wieder ab, unter den Migranten

sind es 30 %. "Für das Abbruchrisiko von Existenzgründungen ist nicht

die Staatsangehörigkeit der entscheidende Faktor", sagt Dr. Zeuner.

"Die Gründungsaktivitäten von Migranten sind noch stärker als ohnehin

vom Arbeitsmarkt abhängig. Migranten gründen häufiger aus Mangel an

Erwerbsalternativen - und brechen ihr Projekt dann eher wieder ab,

wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten."

Hinweis: Den Fokus "Migranten gründen häufiger und größer" finden

Sie unter: www.kfw.de/fokus, Pressematerial (u. a. Grafiken, Fotos)

zum Thema ist abrufbar unter www.kfw.de/gruendungen-durch-migranten.

OTS: KfW

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