Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) e. V., Unternehmensmitteilungen

Immobilienpreise: Pfandbriefbanken sehen keine Gefahr für

24.04.2017 - 11:05:25

Verband deutscher Pfandbriefbanken e. V. / Immobilienpreise: ...

Finanzstabilität

Frankfurt/Berlin -

- Neugeschäft der Pfandbriefbanken in der Immobilienfinanzierung

wächst erneut, bei deutlich abflachender Dynamik

- Verbandspräsident Dr. Louis Hagen: "Trotz starker Nachfrage und

steigenden Preisen am Immobilienmarkt setzen Finanzierer wie

Kreditnehmer weiter auf Sicherheit"

- Pfandbrief bleibt wichtiger Teil im Refinanzierungsmix

Aus Sicht des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) stellt der

anhaltende Preisauftrieb auf dem heimischen Markt für Wohnimmobilien

derzeit keine Gefahr für die Finanzstabilität dar. "Auch wenn in

einzelnen Teilmärkten durchaus Übertreibungen zu beobachten sind,

drohen aus kreditwirtschaftlicher Sicht keine Verwerfungen. Weder bei

Kreditnehmern noch bei den finanzierenden Instituten ist eine

systematisch gestiegene Risikoneigung zu beobachten", sagte Dr. Louis

Hagen, Präsident des vdp und Vorsitzender des Vorstandes der

Münchener Hypothekenbank.

Nach Daten der Analysegesellschaft vdpResearch stiegen die Preise

am deutschen Immobilienmarkt zuletzt sowohl bei Wohn- als auch bei

Gewerbeimmobilien unvermindert an. Hinsichtlich der Höhe des Anstiegs

ist jedoch eine starke regionale Differenzierung nach der

sozio-ökonomischen Attraktivität des Standorts auszumachen. Auf dem

Wohnungsmarkt wirken neben den niedrigen Zinsen derzeit unverändert

die positive demografische Entwicklung, der anhaltende

Urbanisierungstrend, ein erhöhter Beschäftigungsgrad sowie steigende

Einkommen als Treiber der Nachfrage. Insbesondere in Metropolregionen

und attraktiven Universitätsstädten, wo Einwohnerzahlen und Haushalte

zuletzt am stärksten stiegen, trifft diese jedoch auf ein sehr

begrenztes Angebot am Bestandsmarkt. Zwar lassen Genehmigungen und

Bauüberhänge eine stark steigende Neubauproduktion erwarten, dies

wird dem Markt aber aufgrund der für die Bautätigkeit typischen

Produktionsverzögerungen und hoher Kapazitätsauslastungen nur

verzögert zugutekommen. Angesichts der bestehenden Marktdynamik ist

deshalb kurzfristig mit weiteren Miet- und Preissteigerungen zu

rechnen, die sich jedoch sukzessive etwas abschwächen sollten.

Keine Lockerung der Kreditvergabestandards

Für Banken dürfte die aktuelle Entwicklung keine außergewöhnlichen

Risiken bergen, sofern die Finanzierungspraxis weiter

sicherheitsorientiert bleibt.

In Summe ist derzeit keine Lockerung der Kreditvergabestandards

seitens der finanzierenden Banken festzustellen. Vielmehr hat sich im

Zeitablauf etwa der Fremdkapitalanteil, gemessen an den

Anschaffungspreisen der beliehenen Immobilien, kaum verändert. Auch

Kreditnehmer gehen keine signifikant erhöhten Risiken ein: Während

die Zinsen in den vergangenen Jahren gesunken sind, nutzen sie die

sich daraus ergebenden Finanzierungsvorteile für längere

Zinsbindungen und höhere Anfangstilgungen. "Sowohl Kreditgeber als

auch die Kreditnehmer setzen weiterhin auf Sicherheit", so Dr. Louis

Hagen. "Darüber hinaus sollte die in Deutschland übliche

Langfristfinanzierung zum Festzins privaten wie in¬stitutionellen

Investoren ausreichend Planungssicherheit verschaffen, um diese

Risiken adäquat zu steuern."

Immobiliengeschäft setzt Wachstumskurs fort

Die aktuell positive Verfassung des Immobilienmarktes spiegelt

sich auch in den Zahlen der Pfandbriefbanken wider: Die

Darlehensneuzusagen in der Immobilienfinanzierung dominierten im

vergangenen Jahr mit vier Fünfteln das Neugeschäft und wuchsen von

131,3 Mrd. Euro im Vorjahr auf 139,4 Mrd. Euro. Dies entspricht einer

Steigerung von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach einem Plus von

rund 18 Prozent im Jahr 2015 hat damit die Dynamik des

Neugeschäftswachstums 2016 nachgelassen. Auf die

Wohnimmobilien-finanzierung entfielen 71,7 Mrd. Euro der Neuzusagen

(+6 Prozent). Das Neugeschäft bei der Finanzierung von

Gewerbeimmobilien stieg auf 67,7 Mrd. Euro (+ 6,2 Prozent).

In der Staatsfinanzierung setzte sich währenddessen der bereits in

den Vorjahren beobachtete Konsolidierungstrend fort: 2016 sanken die

Darlehensneuzusagen um 13,2 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro. Insgesamt ist

das Neugeschäft der Pfandbriefbanken im vergangenen Jahr um 2,3

Prozent auf 167,8 Mrd. Euro gestiegen.

Pfandbrief wichtiger Teil im Refinanzierungsmix

Über ein Drittel des Immobilienbestands der deutschen

Pfandbriefbanken befindet sich in Deckung. "Die stabile Performance

des Pfandbriefs macht ihn zur unangefochtenen Benchmark im

europäischen Covered-Bond-Universum und für Banken zu einem wichtigen

Refinanzierungsinstrument im Rahmen der Langfristfinanzierung", sagte

Dr. Louis Hagen. "Gleichzeitig hat die Politik der Europäischen

Zentralbank nach wie vor erhebliche Effekte auf den

Covered-Bond-Markt z. B. über TLTRO II und vor allem das

Covered-Bond-Ankaufprogramm. Noch ist unklar, wie ein möglicher Exit

erfolgen soll. Für Investoren und Emittenten ist es aber

entscheidend, hier möglichst frühzeitig entsprechende Signale zu

erhalten."

Emissionsgeschäft konsolidiert sich

Nach einem deutlichen Anstieg des Emissionsvolumens im Vorjahr hat

sich der Absatz von Pfandbriefen 2016 konsolidiert. So sank das

Volumen der neu emittierten Pfandbriefe von 58,1 Mrd. Euro auf 45,4

Mrd. Euro. Davon entfielen 35,1 (2015: 40,4) Mrd. Euro und damit mehr

als zwei Drittel auf Hypothekenpfandbriefe. Das Geschäftsfeld

Staatsfinanzierung verliert vor dem ökonomisch-regulativen

Hintergrund weiter an Bedeutung: Der Absatz von Öffentlichen

Pfandbriefen ging von 15,5 Mrd. Euro 2015 auf 10,3 Mrd. Euro zurück.

Schiffs- und Flugzeugpfandbriefe spielen in der aktuellen

Marktsituation weiter nur eine geringe Rolle.

Der Gesamtumlauf der Pfandbriefe hat sich per 31. Dezember 2016

auf 373,8 Mrd. Euro verringert (2015: 384,4 Mrd. Euro), was

insbesondere am anhaltenden Rückgang der öffentlichen Pfandbriefe

liegt.

Regulierung bleibt wichtiges Thema für Pfandbriefbanken

Spezialisierte Institute wie Pfandbriefbanken sind im aktuellen

Markt- und Wettbewerbsumfeld weiterhin einem erheblichen

Regulierungsdruck ausgesetzt. Die Überarbeitung der

Eigenmittelanforderungen für Kreditrisiken durch den Baseler

Ausschuss ist nach wie vor ein wichtiges Thema für die

Kreditinstitute. Hier steht ein Verhandlungsergebnis noch immer aus.

Die größte Hürde bleibt die Einführung eines Output-Floors, der aus

Sicht des Verbandes zu einem unverhältnismäßigen Anstieg der

Eigenmittelanforderungen in der Immobilienfinanzierung führen würde.

Ein zweites für den Pfandbrief und seine Emittenten wichtiges

Thema ist die von der Europäischen Kommission angestrebte stärkere

Harmonisierung der nationalen Covered-Bond-Regime in den

Mitgliedstaaten. Hier wird noch im Sommer 2017 eine Entscheidung der

Kommission erwartet. Der vdp befürwortet dieses Vorhaben

grundsätzlich, da eine Harmonisierung die Assetklasse als Ganzes in

der Wahrnehmung der Investoren weiter stärken kann. Die dadurch

entstehenden einheitlich hohen Qualitätsstandards wären zudem eine

wichtige Grundlage für die dauerhafte regulatorische Privilegierung

der erwiesenermaßen krisenresistenten Covered Bonds in der

internationalen Finanzmarktregulierung.

Subsidiaritätsprinzip beachten

Die Ende vergangenen Jahres vorgelegten Vorschläge der

Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA an die Kommission schießen

aus Sicht des Verbands jedoch teilweise deutlich über das Ziel

hinaus. Einige der Vorschläge sind aus Sicht des vdp inhaltlich zu

detailliert, so dass die Gefahr einer Überregulierung und damit einer

Schwächung des Pfandbriefes besteht. Der vdp plädiert nach wie vor

für einen prinzipienbasierten Harmonisierungsansatz, bei dem die

Verantwortung für die technische Ausgestaltung den nationalen

Gesetzgebern überlassen wird.

"Eingriffe in bestehende, erfolgreiche Märkte dürfen nur mit

Augenmaß erfolgen. Es muss sichergestellt werden, dass erfolgreichen

Covered-Bond-Regimen wie dem deutschen Pfandbriefgesetz ausreichend

Spielraum für die Berücksichtigung jahrzehntelang bewährter

nationaler Praktiken bleibt. Würde allzu großer Ehrgeiz zu einem

Scheitern des Projekts führen, wäre dies für alle Beteiligten

misslich", sagte vdp-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt.

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