Börsen-Zeitung, Unternehmensmitteilungen

Börsen-Zeitung: Uff!, Kommentar zur Frankreich-Wahl von Detlef

24.04.2017 - 20:34:27

Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Uff!, Kommentar zur Frankreich-Wahl von ...

Fechtner

Frankfurt - Ganz so tiefenentspannt, wie man den Eindruck

gewinnen konnte, sind die Anleger an den Finanzmärkten wohl doch

nicht gewesen. Angesichts geringer Volatilität hatte sich

zwischenzeitlich die Vermutung aufgedrängt, die Investoren ließen

sich von augenfälligen politischen Risiken nicht beeindrucken. Am

Montag jedoch, dem Tag nach dem ersten Wahlgang in Frankreich,

dokumentierte die Kursrally, wie groß die Erleichterung ist, dass

nicht Rechtsaußen Marine Le Pen und Linksaußen Jean-Luc Mélenchon das

Präsidentschaftsfinale untereinander ausmachen werden. Dass Emmanuel

Macron als klarer Favorit in die zweite Runde geht, sorgte an den

Kapitalmärkten für ein kollektives Aufatmen - uff!

Aus Sicht der Anleger mag diese Erleichterung sogar

nachvollziehbar sein. Investoren sind schließlich keine Leitartikler.

Ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen bringen nicht ihre politischen

Überzeugungen und Wünsche zum Ausdruck, sondern bewerten Risiken und

Chancen konkreter Ereignisse. Und in der Tat ist nach dem ersten

Wahlgang die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass Frankreich die EU

verlässt oder die Eurozone auseinanderbricht.

Es wäre jedoch grob fahrlässig, auf Basis des Ausgangs der ersten

Runde und der positiven Marktreaktion zu behaupten, die EU sei nun

endlich auf gutem Wege, ihre Vertrauenskrise hinter sich zu lassen -

so wie das in mancher Stellungnahme am Montag angedeutet wurde. Davon

ist die Staatengemeinschaft leider noch meilenweit entfernt.

Die vergangenen Monate haben vor Augen geführt, wie die

erstarkenden antieuropäischen Kräfte in den Niederlanden, in

Österreich oder in Frankreich die Tagesarbeit in der EU

verkomplizieren. Selbst wenn die Wilders und Hofers bisher noch nicht

die obersten politischen Ämter in ihren Heimatländern erobert haben -

und selbst wenn dies nun womöglich auch Le Pen nicht gelingen sollte

-, so sorgen die Rechtsaußen doch dafür, dass die

Kompromissbereitschaft der jeweiligen Regierungen spürbar sinkt. Denn

die Premiers haben zusehends Angst, EU-Partnern entgegenzukommen,

weil sie dann fürchten müssen, von den nationalen Kontrahenten vor

dem heimischen Publikum vorgeführt zu werden. Das wiederum höhlt die

Fähigkeit der EU aus, vernünftige Kompromisse zu schmieden, und

mindert die Chance, europäische Lösungen zu finden, wie sie von

Europas Bürgern zu Recht verlangt werden - letztlich ein

Teufelskreis. Insofern kann beim Blick der EU-Nachbarn auf Frankreich

derzeit von Entwarnung keine Rede sein.

OTS: Börsen-Zeitung

newsroom: http://www.presseportal.de/nr/30377

newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 0692732-0

www.boersen-zeitung.de

@ dpa.de