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Börsen-Zeitung: Türöffner Saudi-Arabien, Kommentar zum Anleihemarkt

19.10.2016 - 19:32:24

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von Kai Johanssen

Frankfurt - So langsam kann man sich schon die Frage

stellen, wann das Rekordfieber an den Bondmärkten rund um den Globus

vielleicht mal ein wenig abklingt, oder ob das noch lange so

weitergeht. In diesem Jahr vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht

irgendwo in Sachen Zins & Co. ein neuer Meilenstein gesetzt wird.

Da sind zunächst einmal die immer weiter ins Bodenlose

abstürzenden Renditen in den diversen Anleihesegmenten, die den

Emittenten eine Verschuldung entlang der Kurve zu geradezu lachhaft

niedrigen Zinsen oder sogar zu negativen Sätzen ermöglichen.

Andauernd lässt sich hier ein neues historisches Tief vermelden, und

mancher Akteur reibt sich verwundert die Augen, wie tief ins Negative

die Zinsen doch fallen können. Dann gibt es ehemalige Pleiteländer

wie Irland - dem vor wenigen Jahren niemand mehr auch nur ein paar

Cent leihen wollte und die vor dem Kollaps gerettet werden mussten -,

die heute tatsächlich 100-jährige Anleihe emittieren können und dabei

Zinsen zahlen, die Otto Normalverbraucher vor ein paar Jahren noch

auf seinem Sparbuch sah. Des Weiteren kommen Staaten außerhalb des

Euroraums - wie in dieser Woche Polen - und feiern mit sehr langen

und ultralangen Laufzeiten ihre Anleihe-Debüts im Euro.

Und Saudi-Arabien setzt gleich beim Debüt mit dem größten

Bond-Deals eines Schwellenlandes noch einen oben drauf, womit der

ebenfalls in diesem Jahr aufgestellte Rekord Argentiniens in den

Schatten gestellt wird. Mit 17,5 Mrd. Dollar Bond-Volumen wird der

Argentinien-Deal um 1 Mrd. Dollar übertroffen; bei der Nachfrage

lagen die Saudis mit 67 Mrd. Dollar nur 2 Mrd. Dollar unter dem

Order- Volumen Argentiniens.

Der seit Monaten erwartete Deal Saudi-Arabiens ist wegweisend für

eine bestimmte Schar von Emissionsadressen. Der gesamte Club der

Ölstaaten des Mittleren Ostens wird ihn genau verfolgt haben, und sie

werden feststellen: Saudi-Arabien hat für diese Länder den Türöffner

gespielt, und die Saudis haben die Tür mit dieser Rekordtransaktion

und dem immensen Ordervolumen für weitere Emissionen sehr weit

aufgestoßen. Man darf gespannt sein, wer als nächstes kommt. Denn

Bedarf haben viele Adressen aufgrund der Haushaltslöcher, die der

Ölpreis aufgerissen hat. Eine Zeit lang werden sie wohl jetzt erst

mal im Dollar auftreten. Aber dabei wird es nicht bleiben. Danach

werden sie auch den Bondmarkt im Euro testen. Dafür werden ihnen die

Konditionen schlichtweg zu attraktiv sein. Bleibt nur die Frage, ob

Saudi-Arabien auch in der Gemeinschaftswährung den Türöffner spielen

wird. Denkbar ist das allemal.

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