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Börsen-Zeitung: Trump TV, Kommentar zum künftigen US-Präsidenten von

22.11.2016 - 20:59:24

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Stefan Paravicini

Frankfurt - Donald Trump hat zwei Wochen nach seiner Wahl

zum US-Präsidenten in einer Videobotschaft die Prioritäten für die

ersten hundert Tage seiner Amtszeit skizziert. Überraschungen sind

keine dabei. Sowohl der Ausstieg aus dem Ratifizierungsprozess für

das Abkommen mit Handelspartnern im Pazifik (TPP) als auch der Abbau

von Regulierungen etwa für die Energiewirtschaft waren schließlich

ebenso zentraler Bestandteil seiner Kampagne wie das Versprechen, den

"Sumpf" trockenzulegen, in dem sich die Eliten in Washington suhlen.

Viel interessanter ist denn auch, was Trump in dem etwas mehr als

zwei Minuten dauernden Videoclip nicht sagt. Keine Rede ist von einer

Mauer an der Grenze zu Mexiko, mit der Trump seine Anhänger über den

gesamten Verlauf des Wahlkampfes mobilisierte. Kein Wort über einen

einstweiligen Stop für Einreisende muslimischen Glaubens oder aus

muslimisch geprägten Herkunftsländern, mit denen der

Immobilienunternehmer noch vor wenigen Wochen Stimmung gemacht hat.

Kein Ton über die Abschaffung von "Obamacare", die Trump als erste

Amtshandlung an seinem ersten Tag im Oval Office in Aussicht gestellt

hatte.

Kassiert "The Donald", der den Auswahlprozess für sein Kabinett in

den vergangenen Tagen wie ein Casting inszeniert, die zentralen

Wahlversprechen seiner Kampagne? Den Gefallen wird er seinen

politischen Gegnern nicht tun, wie die ersten Personalentscheidungen

für das Weiße Haus, den Justiz- und Sicherheitsapparat nahelegen. Der

Unterhaltungskünstler hat aber ein Gespür dafür, dass nach den

schrillen Tönen im Wahlkampf die Zeit gekommen ist, moderatere

anzuschlagen. Die Videobotschaft richtet sich an jene Teile der

Bevölkerung, die seiner Präsidentschaft mit großer Skepsis und teils

auch mit Angst entgegensehen.

Angesprochen sind aber auch die Medien und all jene, die auf die

vierte Macht im Staate Wert legen. Dass der "President elect" keine

Pressekonferenz einberuft, um sich auch kritischen Fragen zu seinen

Plänen zu stellen, sondern via Youtube Kontakt mit der Bevölkerung

sucht, wird wohl kein Einzelfall bleiben.

Kurz zuvor hatte Trump laut Insiderberichten noch den Chefs der

wichtigsten Nachrichtensender in einer Privataudienz im Trump Tower

den Kopf gewaschen. Die Sorge, er könnte den

Nachrichtenorganisationen im Falle einer Wahlniederlage mit einem

eigenen Format Konkurrenz machen, hat nach den ersten Verlautbarungen

des gewählten Präsidenten via Youtube jedenfalls an Brisanz gewonnen.

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