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Börsen-Zeitung: Späte Einsicht, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd

18.01.2017 - 20:43:23

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Neubacher

Frankfurt - Die Deutsche Bank schrumpft nicht nur ihre

Bilanz, sondern auch ihre Bonifikationen. Blätterte sie für 2013 noch

stolze 3,2 Mrd. Euro an variabler Vergütung hin und für 2014 und 2015

rund 2,7 Mrd. beziehungsweise 2,4 Mrd. Euro, so dürften sich die

Entgelte in der anstehenden Runde auf 1,2 Mrd. Euro glatt halbieren.

Führungskräfte schauen gar komplett durch die Finger, was einen

Individualbonus angeht.

Müssen die Vice Presidents, Directors und Managing Directors nun

zahlen für den jüngsten Vergleich mit dem US-Justizministerium im

Hypothekenstreit, der zunächst mit rund 3 Mrd. Dollar zu Buche

schlägt? In diesem Fall würden die Boni dem Konzept der

Anreizstruktur gerecht wie selten zuvor, auch wenn es etwa im

Vorstand ausnahmslos Manager träfe, die noch nicht an Bord waren, als

die Bank am US-Hypothekenmarkt fingerte.

In Vorstand und Aufsichtsrat hat sich endlich die Einsicht

durchgesetzt, dass es nicht weitergeht wie 2015, als das Institut

einen Rekordverlust buchte und den Aktionären zwei Jahre

Dividendenverzicht ankündigte, an den Boni indes nur homöopathische

Abstriche machte. Die betriebswirtschaftliche Logik hat dabei kräftig

mitgeholfen, läuft die Bank doch Gefahr, nach den Zielen ihrer

Strategie 2015 auch die für 2018 formulierten Vorgaben infolge

überhöhter Kostenbasis zu verfehlen. Analysten zufolge dürfte sie für

2016 eine Kosten-Ertrags-Quote von 96 Prozent ausweisen, schon im

kommenden Jahr aber will sie bei rund 70 Prozent landen.

Nun zahlt das Institut variabel zwar noch immer zehnstellig,

während netto ein dreistelliger Millionenverlust zusammen kommen

dürfte. Der Wille, die Kosten zu senken, ist freilich unverkennbar.

Das "begrenzte langfristige Anreizsystem", welches der Vorstand

solchen Mitarbeitern verspricht, "deren Positionen ganz besonders

entscheidend für die Zukunft der Bank sind", darf man vor diesem

Hintergrund getrost als Placebo betrachten - hätte es Gewicht, hätte

sich die Bank ihre Bonuskürzung und die damit verbundene Unruhe

intern sparen können.

In den kommenden Monaten wird es spannend. Jahrelang bügelte die

Bank Kritik an ihren Boni ab mit dem Argument, sie müsse

wettbewerbsfähige Entgelte bieten, um den Verlust guter Leute zu

verhindern. Mancher Verantwortliche dürfte nun hoffen, dass die Bank

damit nur an einer Legende strickte. Auch mit der Vergütung

andernorts, welche die Bank jahrelang anführte, um die durch die

eigenen Ergebnisse nicht zu rechtfertigenden Boni zu begründen, ist

es nicht mehr so weit her. Das ist die neue Realität, der sich alle

Banker beugen müssen.

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