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Börsen-Zeitung: Schmerzlicher Abschied, Kommentar zum Oetker-Konzern

01.12.2016 - 20:38:25

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von Carsten Steevens

Frankfurt - Der Oetker-Konzern zieht sich nach acht

Jahrzehnten aus der Schifffahrt zurück. Der geplante Verkauf der

Containerreederei Hamburg Süd an den dänischen Weltmarktführer Maersk

Line stellt eine Zäsur dar für das Bielefelder Familienunternehmen,

das sich nun von fast der Hälfte seiner Umsatzerlöse trennt. Mit

Hamburg Süd gibt Oetker eine der besten Marken in der Schifffahrt

auf. Es lässt sich nachvollziehen, wenn dieser Abschied in

Ostwestfalen nicht leicht fällt.

Die Familie beugt sich einem desaströsen Wettbewerb. Der Verkauf

von Hamburg Süd verfestigt zugleich die zunehmende Oligopolstruktur

in der Containerschifffahrt. Bereits mit der geplanten Übernahme des

Branchenzehnten UASC aus Dubai durch die größte deutsche Reederei

Hapag-Lloyd werden in Kürze mehr als die Hälfte der weltweiten

Stellplatzkapazitäten auf die fünf führenden

Linienschifffahrtsgesellschaften entfallen. Die Wettbewerbshüter

nicht zuletzt in Südamerika werden die Übernahme der Oetker-Reederei,

die zu den Führenden auf den Nord-Süd-Routen gehört, genau prüfen.

Die Überkapazitäten und der ruinöse Preiskampf haben die

Bereinigung in der Containerschifffahrt in diesem Jahr beschleunigt.

Mit der südkoreanischen Hanjin ging die einstige Nummer 7 der Branche

gar in die Insolvenz. Weltweit suchen die Reedereien ihr Heil immer

mehr in Übernahmen und Zusammenschlüssen, um ihre Ergebnisse zu

verbessern.

Um in diesem Größenwettlauf mitzuhalten, hätte der Oetker-Konzern

als Konsolidierer mehr Kapital aufbringen müssen. Dazu war er nicht

mehr bereit. Trug der Streit innerhalb der Familie 2013 noch zum

Scheitern eines Zusammenschlusses mit Hapag-Lloyd bei, so führte der

desaströse Ergebnistrend in der Schifffahrt nun offenbar zu einer

gemeinsamen Bewertung: Mit einer baldigen Entspannung der Ertragslage

in der Branche, mit einer Trendwende bei den Frachtraten, ist in

absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Maersk Line, in den vergangene zwei Jahrzehnten durch Übernahmen

von Sealand (USA) sowie Smit-Wijsmüller und Royal P&O Nedloyd (beide

Niederlande) stark gewachsen, baut die Marktführerschaft aus und

feiert die Übernahme von Hamburg Süd als Meilenstein. Die Reederei,

die zwei Verlustquartale in Folge hinter sich hat, wird von Synergien

profitieren. Doch löst auch diese Akquisition nicht das Problem der

Überkapazitäten in der Schifffahrt. Dafür müssten große

Frachtkapazitäten vom Markt verschwinden. Auf diese Einsicht wartet

man nicht nur in der Branche der Containerreeder schon seit langem.

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