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Börsen-Zeitung: Quadratur des Kreises, Kommentar zur Börsenfusion von

16.02.2017 - 20:59:25

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Claus Döring

Frankfurt - Was denn nun? Einerseits führt die Deutsche

Börse einen "konstruktiven Dialog" mit den Verantwortlichen in Hessen

über die geplante Fusion mit der London Stock Exchange (LSE), wie

Börse-Chef Carsten Kengeter betont. Andererseits seien Aussagen zu

Gesprächsinhalten spekulativ, weil die hessische Börsenaufsicht ja

erst nach Zustimmung der EU-Kommission und in Kenntnis eventueller

Auflagen die Fusion prüfen und entscheiden könne. Ist der Holdingsitz

London, wie er unmissverständlich in dem von den Aktionären

beschlossenen Fusionsvertrag fixiert ist, unumstößlich oder gibt es

doch ein Hintertürchen und Verhandlungsspielraum? Ebenfalls eine

Frage, bei der der sonst so gern mit klarer Ansage auftretende

Kengeter in der Jahrespressekonferenz herumeierte wie ein Goggomobil

auf drei Rädern.

Der Grund: Die Fusion hängt am seidenen Faden. Vorstand und

Aufsichtsrat der Deutschen Börse dämmert längst, dass es die

Zustimmung der Börsenaufsicht für einen Holdingsitz in London in der

Nach-Brexit-Welt nicht geben kann. Dies dem Fusionspartner in London

und dessen Eigentümern zu verklickern, ohne dort als unzuverlässiger

Kantonist zu gelten, der nicht zum Fusionsvertrag steht, gleicht

rechtlich wie auch inhaltlich der Quadratur des Kreises. Denn in

London glaubt man nicht ohne Grund, es handele sich bei der Fusion

nicht nur gesellschaftsrechtlich, sondern faktisch um ein Takeover

der Deutschen Börse durch London.

Nun ein Wechsel des Holdingsitzes von London nach Frankfurt und

außerdem CEO und (nach drei Jahren) auch Chairman vom deutschen

Fusionspartner - das würde man als Reverse Takeover ansehen. Müsste

da zur Beruhigung der Gemüter in der City als Gegenleistung nicht

wenigstens der CEO-Posten offeriert werden? Auch dieser

"spekulativen" Frage wich Kengeter aus, der wegen des

Insiderhandelsverdachts und der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen

gegen ihn sichtbar unter Druck steht.

Vor der Quadratur des Kreises steht freilich auch die

Börsenaufsicht, wenn sie eine Konstruktion finden will, mit der die

Fusionsgenehmigung an einen Holdingsitz in Frankfurt geknüpft wird.

Ein schlichtes Nein wäre kein Problem und ließe sich

aufsichtsrechtlich gut begründen. Und doch wäre es den Schweiß der

Edlen wert, im Referendumsausschuss der Fusionspartner und in der

Börsenaufsicht eine rechtssichere Lösung zu suchen, die der vom

Brexit-Votum erschütterten LSE eine gesichtswahrende Fusion mit

Holdingsitz in Frankfurt ermöglicht.

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