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Börsen-Zeitung: Nicht ganz auf Kurs, Kommentar zur Fondsbranche von

21.02.2017 - 20:33:23

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Bernd Wittkowski

Frankfurt - Binnen zwölf Jahren hat sich das von den

deutschen Assetmanagern verwaltete Vermögen auf 2,8 Bill. Euro mehr

als verdoppelt. Doch trotz dieses neuerlichen Rekordes: So ganz "auf

Kurs" geblieben, wie der Fondsverband BVI insinuiert, ist die Branche

nicht. Der Einbruch des Neugeschäfts mit Publikumsfonds um 91 Prozent

auf bescheidene 6,5 Mrd. Euro ist - auch wenn 2015 hier ein Ausreißer

war - eine herbe Enttäuschung.

Was läuft da schief? Sicher: Wachstumssorgen mit Blick auf China,

der Brexit, Trump, Italien - dieser Cocktail ist geeignet, Anlegern

auf den Magen zu schlagen. Aber das reicht als Erklärung nicht aus,

zumal wenn die Börsen jeden tatsächlichen oder vermeintlichen Schock

abschütteln, als wäre nichts gewesen. Vermutlich muss die

Verbesserung der Finanzbildung, die der BVI und Bankenverbände seit

Jahr und Tag fordern und über ein Schulfach "Wirtschaft" erreichen

wollen, zuerst bei den Beratern in Banken und Sparkassen ansetzen.

Sogar BVI-Präsident Tobias Pross macht kein Hehl daraus, dass es bei

der Beratung respektive im Vertrieb gewisse Defizite gibt. Wie sollen

dann erst die Kunden verstehen, wie sie "richtig" anlegen?

Doch die Fondsanbieter müssen sich auch an die eigene Nase fassen.

Publikumsbeschimpfung ("Der Deutsche investiert und spart falsch.

Ende der Durchsage.") wird ihnen so wenig helfen wie zwangsweise

Umerziehung der Kunden in Form von Garantieverboten bei der

betrieblichen Altersvorsorge oder beim Riestern. Das mit dem

Betriebsrentenstärkungsgesetz geplante Opting-out ist in der Tat eine

sinnvolle Weiterentwicklung. Ge- und Verbote dagegen haben wenig mit

dem Leitbild des mündigen Verbrauchers zu tun, das der BVI zu Recht

anmahnt. Wenn die Deutschen nun mal derart auf Sicherheit fixiert

sind, dass sie ihr Anlageverhalten selbst bei Niedrig-, Null- und

Negativzinsen nicht radikal verändern, muss man sie eben besser

aufklären, ihnen die für das Umdenken nötige Zeit lassen und ihnen

vor allem die gewünschten, auch zu ihrem Gefühlsleben passenden

Produkte anbieten.

Wenn es um die Sicherung einer auskömmlichen Altersvorsorge und

des Wohlstands überhaupt durch das Wertpapier- und namentlich das

Fondssparen geht, sind aber nicht zuletzt auch Politik und Regulierer

in der Verantwortung. Das ständige Gerede über eine Systemrelevanz

der Fondsbranche ist ebenso kontraproduktiv wie etwa die ewigen, in

ihrer Absurdität kaum noch zu toppenden Debatten über die

"Abschaffung" der Abgeltungsteuer oder über eine neue

Finanztransaktionssteuer. Das sind obendrein Förderprogramme für

andere Finanzplätze.

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