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Börsen-Zeitung: Machtverlust trotz Einigung, Kommentar zur Opec von

30.11.2016 - 20:39:24

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Dieter Kuckelkorn

Frankfurt - Die Opec sei immer noch die Opec, sagte der

katarische Ölminister Mohammed Bin Saleh al-Sada auf einer

Pressekonferenz des Kartells im Anschluss an die Einigung auf

Förderkürzungen. Gefragt worden war er, ob die Organisation Macht und

Einfluss eingebüßt habe. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als

habe der Minister recht. Immerhin gelang es dem Kartell am Mittwoch,

einen Ölpreissprung von mehr als 8 Prozent auszulösen und die

Brent-Notierung wieder über die Marke von 50 Dollar je Barrel zu

hieven. Wenn man allerdings berücksichtigt, wie viel Mühe die

Vereinbarung einer eher bescheidenen Kürzung um 4,5 Prozent gekostet

hat, drängt sich der Verdacht auf, dass die Opec den Zenit ihrer

Macht überschritten hat.

Das liegt unter anderem am Streit innerhalb des Kartells, der die

Organisation schwächt. Saudi-Arabien und der Iran sind zu erbitterten

Kontrahenten geworden, die im Jemen sogar einen Krieg führen, da die

Iraner die dortigen Huthi-Rebellen unterstützen. Auch in Syrien

stehen sich die beiden Länder gegenüber, indem der Iran Truppen

bereitstellt und Saudi-Arabien IS-Terroristen finanziert. Gestern hat

der Iran seine Positionen, keine Kürzungen zu akzeptieren, mit Härte

durchgesetzt. Dass trotzdem eine Einigung erfolgte, war nur möglich,

weil Saudi-Arabien - diesmal - nachgegeben hat und überproportionale

Lasten übernimmt.

Dass das Land dafür durch einen nachhaltig steigenden Ölpreis

entschädigt wird, ist indes nicht zu erwarten. Dies ist eine Folge

davon, dass sich - um den Hauptgrund für den Opec-Machtverlust zu

nennen - die Gewichte auf dem globalen Ölmarkt verschoben haben.

Ausschlaggebend sind nun die amerikanischen Schieferölproduzenten.

Ihre Entscheidungen, die Förderung zu kürzen oder hochzufahren,

bestimmen letztlich über die Höhe des Ölpreises. Aktuell darf

erwartet werden, dass im Fall einer Erholung des Ölpreises die

US-Firmen den Hahn weiter aufdrehen. Das dürfte dann ab Januar - wenn

auch der Opec-Beschluss greift - für einen Ausgleich der wegfallenden

Mengen sorgen.

Sollten sich, was bei der Opec schon öfters vorgekommen ist, die

Mitglieder nicht an das Kürzungsversprechen halten, wäre sogar mit

steigenden Angebotsmengen zu rechnen. Das würde die Perspektive der

Ausbildung eines neuen Gleichgewichts, die für 2017 erwartet wird,

weiter in die Zukunft verschieben.

Für den Ölpreis bedeutet das alles, dass trotz Opec-Beschluss

nicht mit einer ausgeprägten und nachhaltigen Erholung zu rechnen

ist.

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