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Börsen-Zeitung: Dijsselbloem am Ende, Kommentar zur Eurogruppe von

04.04.2017 - 20:52:24

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Andreas Heitker

Frankfurt - Jeroen Dijsselbloem hat in seinen vier Jahren

als Eurogruppen-Chef vieles richtig gemacht und sich eine Menge

Respekt erarbeitet. Seit seiner Klatsche bei der niederländischen

Parlamentswahl hat sein Ansehen aber kräftig gelitten. Zuerst bringt

er mit unbedachten "Schnaps und Frauen"-Äußerungen ganz Südeuropa

gegen sich auf. Und jetzt brüskiert er auch noch das EU-Parlament

durch Fernbleiben von einer Anhörung zur Griechenland-Rettung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dijsselbloem eine solche

Einladung der Abgeordneten dankend abgelehnt hat. Vielleicht war es

jetzt aber das eine Mal zu viel. Mittlerweile gibt es aus allen

Fraktionen Rücktrittsforderungen. EU-Parlamentspräsident Antonio

Tajani kündigte an, Dijsselbloem eine förmliche Protestnote zu

schicken.

Der Rückhalt für den Eurogruppen-Chef schwindet immer mehr.

Gewählt ist er eigentlich noch bis Januar 2018, und bis dahin und am

liebsten darüber hinaus würde Dijsselbloem auch gerne noch

weitermachen. Die Einführung eines hauptamtlichen Vorsitzenden steht

aktuell aber ganz und gar nicht auf der Tagesordnung der Eurogruppe.

Und die Regierungsbildung in den Niederlanden scheint auch schneller

zu verlaufen als erwartet und damit ebenfalls keine Argumente zu

liefern.

Das Problem ist: Viele geeignete Nachfolgekandidaten gibt es

nicht, müssen sie doch sowohl die richtige Nationalität als auch die

richtige Parteifarbe mitbringen. Es ist ausgemachte Sache, dass der

nächste europäische Spitzenjob an einen Sozialdemokraten geht, da

EU-Kommission, Rat und Parlament heute von Konservativen geführt

werden. Und dieser sollte dann auch noch möglichst aus Süd-,

eventuell auch aus Osteuropa kommen. Dijsselbloems konservativer

Gegenkandidat von 2015, der Spanier Luis de Guindos, dürfte damit

ausscheiden. Größere Chancen hat wohl der slowakische Sozialdemokrat

Peter Kazimir - auch wenn es weiterhin Zweifel an seiner Fähigkeit

gibt, die Eurozone durch schwierige Zeiten führen zu können.

Dijsselbloem sollte das alles nicht mehr groß tangieren. Er ist

abgewählt worden und sollte nun so schnell wie möglich seinen Platz

räumen. Er selbst war es ja, der in dem umstrittenen Interview vor

zwei Wochen die Bedeutung der Einhaltung von Regeln für die

Glaubwürdigkeit der Eurozone betont hat. Daran sollte er sich jetzt

auch selbst halten. Der Wirtschafts- und Währungsunion stehen

schwierige Weichenstellungen bevor. Eine Führungsdiskussion und eine

Lame Duck an der Spitze der Eurogruppe kann da niemand gebrauchen.

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