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Börsen-Zeitung: Bitte hinten anstellen, Kommentar zu Bankaktionären

29.08.2016 - 20:48:24

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von Björn Godenrath

Frankfurt - Von Investoren nahezu unbemerkt vollzieht sich

derzeit ein regulatorischer Regimewechsel, der weitreichende

Konsequenzen für die Bankenkapitalisierung haben kann. Denn in ihrem

Bestreben, die zum Erliegen gekommene Emission von bail-in-fähigen

Anleihen (AT1) wieder in Schwung zu bringen, wollen die EU-Aufseher

dieser Anlageklasse einen privilegierten Status zubilligen. Konkret

geht es darum, dass eine Rangfolge für die ausschüttungsfähigen

Mittel (MDA) aufgestellt wird, derzufolge Aktiendividenden erst

ausgezahlt werden dürfen, nachdem AT1-Kupons vollständig bedient

wurden - bislang sind Aktien, Kupons und Mitarbeiter-Boni im

Regelwerk pari passu gestellt.

Für Bankaktionäre heißt das, dass sie sich künftig hinten

anstellen müssten und im Zweifel leer ausgingen, wenn die MDA knapp

werden. Das ist ein Nackenschlag für all jene Investoren, die sich an

der Rekapitalisierung von Europas Banken beteiligt und darauf

vertraut haben, dass mit Erholung des Sektors attraktive

Ausschüttungen aufgenommen werden. Wie aber soll eine Bank noch für

die Aufnahme harten Kernkapitals werben, wenn Aktien als

Kanonenfutter herhalten müssen?

Immerhin haben die Bankenaufseher mit ihrer sogenannten

Pillar2Guidance dafür gesorgt, dass grundsätzlich mehr Raum für

Ausschüttungen besteht - aber das soll zuvorderst die Emission von

Hybridpapieren wie AT1 befördern.

Und das hat gewirkt. In den vergangenen Wochen haben die

Emissionen hybriden Bankkapitals spürbar angezogen, neue Papiere von

Barclays und Standard Chartered waren zehnfach überzeichnet.

Investoren vertrauen offenbar darauf, dass die Entwürfe zur

Privilegierung von AT1-Bonds so umgesetzt werden. Noch im Februar

waren Schockwellen durch den Markt gegangen, als Anleger auf einen

Ausfall der AT1-Kuponzahlungen bei der Deutschen Bank spekuliert

hatten - ein Kalkül, das nicht aufging.

Im Markt wird indes fleißig weiter gegen die Bank gewettet. Die

auf dem Markt für Kreditausfallderivate verlangte Prämie ist die

höchste unter den von S&P Capital beurteilten 30 Banken. Das lässt

bei manchem Marktteilnehmer die Alarmglocken schrillen. Allerdings

ist der Handel in diesem Markt recht dünn, so dass seine Aussagekraft

beschränkt ist - als Gegenpartei wird die Deutsche Bank im

Kapitalmarkt jedenfalls nicht in Frage gestellt. Sollte die Bank aber

noch einmal gezwungen sein, die Aktionäre anzuzapfen, wird eine

Privilegierung von AT1-Papieren auf dem Ausgabepreis lasten.

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