Börsen-Zeitung, Unternehmensmitteilungen

Börsen-Zeitung: Aus der Kurve geflogen, Kommentar zu Samsung von

10.10.2016 - 20:38:25

Börsen-Zeitung / Börsen-Zeitung: Aus der Kurve geflogen, Kommentar zu ...

Martin Fritz

Frankfurt - Schnelligkeit zählt zu den größten Stärken von

Samsung Electronics. Zusammen mit unbändigem Ehrgeiz und

übermenschlichem Arbeitseifer gelang den Südkoreanern so der Aufstieg

zum Weltmarktführer bei Mobiltelefonen, Speicherchips und

Flachbild-Fernsehern. Aber wegen dieser Schnelligkeit ist Samsung nun

beim Galaxy Note 7 aus der Kurve geflogen.

Nach den bisher vorliegenden Informationen zog das Top-Management

den Verkaufsstart des Flaggschiff-Modells kurzfristig vor, um sich im

Wettbewerb mit Apple einen kleinen Vorteil zu verschaffen, obwohl das

Gerät technisch äußerst anspruchsvoll ist. Das war der erste Fehler.

Den Ingenieuren blieb nicht mehr genug Zeit zum Testen. Auch dass der

Akku nicht perfekt in das Gehäuse passte, ließ sich nicht mehr

korrigieren.

Als die ersten Note 7 beim Laden in Brand gerieten, schob man das

Problem schon bald dem Zulieferer der Lithium-Akkus in die Schuhe,

startete einen Rückruf und tauschte in den Ersatzgeräten nur den Akku

aus. Das war der zweite Fehler. Denn wenn einige Note 7 auch mit

verändertem Akku in Flammen aufgehen, deutet dies auf einen anderen

technischen Fehler hin. Unter diesen Umständen blieb Samsung keine

andere Wahl, als die Produktion "vorläufig anzupassen". Mit dieser

vagen Formulierung will man sich alle Optionen offenhalten.

Aus Sicht der Aktionäre und der Kunden wäre ein Ende mit Schrecken

besser als ein Schrecken ohne Ende. Das heißt: Samsung sollte auch

die ausgetauschten Galaxy Note 7 zurückrufen und die Produktion des

Modells aufgeben. Die Kosten für das Desaster könnte man im

vergangenen Quartal komplett abschreiben. Anschließend sollte Samsung

einen Neustart der selbst kreierten Geräteklasse der Phablets wagen -

mit überraschender Technik, verblüffendem Design und womöglich einem

neuen Namen. 2017 gilt ohnehin als das Jahr, in dem die Hersteller

einen großen Modellwechsel ihrer mobilen Geräte vollziehen werden.

Auch ein zweiter Befreiungsschlag täte not. Samsung sollte den

Generationswechsel an der Spitze zu Gründerenkel Lee Jae-yong endlich

offiziell machen und zugleich die Struktur des Konglomerats

vereinfachen. Der US-Investor Elliott hat dazu bereits einige

brauchbare Ideen geliefert. Aktionäre, Manager und Mitarbeiter wollen

Klarheit darüber, unter welchem Kapitän und in welche Richtung der

Samsung-Tanker weiterfährt. Denn die selbstproduzierte Krise mit dem

missratenen Galaxy Note 7 ist auch Ausdruck der aktuellen

Führungsschwäche von Südkoreas größtem Unternehmen.

OTS: Börsen-Zeitung

newsroom: http://www.presseportal.de/nr/30377

newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 0692732-0

www.boersen-zeitung.de

@ dpa.de