Roland Berger, Unternehmensmitteilungen

Automobilindustrie in den USA: Geplante Einfuhrzölle könnten Gewinne

08.03.2017 - 09:01:25

Roland Berger / Automobilindustrie in den USA: Geplante Einfuhrzölle ...

und Jobs vernichten, statt sie zu schützen

München -

- Roland Berger analysiert Folgen der angekündigten

protektionistischen Maßnahmen in den USA

- Herstellungskosten würden im Schnitt um 3.300 Dollar pro Fahrzeug

steigen

- Sinkende Margen und Verkaufszahlen: Der amerikanische Markt

entwickelt sich voraussichtlich zur Verlustzone für fast alle

Hersteller - auch für amerikanische OEMs

- Die Folge: Mittel- und langfristig würden Hersteller und Zulieferer

Jobs in den USA abbauen

Setzt die amerikanische Regierung ihre Ankündigung um, hohe

Einfuhrzölle auf Fahrzeugimporte in die USA zu erheben, würde diese

genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich

beabsichtigt: Amerikanische Verbraucher müssten Zusatzkosten tragen,

die Gewinnspanne der Hersteller würde schrumpfen, ihre Verkaufszahlen

zurückgehen. Die Folge: sinkende Einnahmen sowohl bei den

Automobilherstellern (OEMs) als auch bei den Zulieferern. Am Ende

könnten viele Arbeitsplätze auf dem amerikanischen Markt verloren

gehen. Das ist das zentrale Ergebnis der neuen Roland Berger-Studie

"New US tax/tariff proposals and their impact on the US automotive

industry". Darin analysieren die Roland Berger-Experten die möglichen

Konsequenzen der Zölle auf die gesamte Autoindustrie in den USA sowie

auf Importeure aus Europa und Asien.

"Im besten Fall werden die angekündigten Zölle zum

Nullsummenspiel", sagt Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger.

"Wahrscheinlicher sind jedoch ein massiver Druck auf die Margen der

Hersteller, sinkende Verkaufszahlen und dadurch ein langfristiger

Stellenabbau in der amerikanischen Autoindustrie." Denn sollten die

Zölle tatsächlich eingeführt werden, würden die Herstellungskosten

für in den USA verkaufte Fahrzeuge im Schnitt um 3.300 Dollar

steigen. "Selbst bei Modellen der amerikanischen Hersteller würde der

hohe Anteil importierter Komponenten Mehrkosten von durchschnittlich

1.500 Dollar verursachen", erläutert Bernhart. Bei asiatischen

Fahrzeugen wären es 2.000 Dollar, bei europäischen Modellen 5.300

Dollar und bei reinen Importeuren würden die Kosten sogar um 6.400

Dollar pro Fahrzeug steigen.

Amerikanischer Markt: Verlust für fast alle Autohersteller

Die Roland Berger-Experten haben die Folgen der Einfuhrzölle für

die Autoindustrie auf Basis der Geschäftszahlen von 2015

durchgerechnet. Ergebnis: "Durch die zusätzlichen Herstellungskosten

würden fast alle OEMs auf dem amerikanischen Markt Verluste

verbuchen", prognostiziert Wolfgang Bernhart. "Selbst amerikanische

Hersteller würden in ihrem wichtigen Heimatmarkt so viel Gewinn

verlieren, dass sie global gesehen in die Verlustzone abrutschen

würden." Die Produktion in die USA zu verlagern, löst das

Kostenproblem auch nicht: Abgesehen von den hohen Kosten für den

Aufbau der Produktionskapazitäten, können kleine und

Mittelklasse-Fahrzeuge in den USA schon heute nicht kostendeckend

produziert werden.

Auch die Hoffnung, dass die geplante Senkung der Einkommensteuer

in den USA die Kauflust der Endkunden ankurbeln könnte, ist

trügerisch: Die höheren Preise für die Fahrzeuge würden die

Steuervorteile eines amerikanischen Durchschnittshaushalts fast

komplett auffressen. Insgesamt erwarten die Roland Berger-Experten in

ihrer Studie daher negative Auswirkungen auf die Autoindustrie durch

die Einfuhrzölle: Sinkende Absatzzahlen und Margen sowie in der Folge

Arbeitsplatzverluste, zunächst bei den Zulieferern, mittel- und

langfristig auch bei den Herstellern.

Großer Stellenabbau in den USA befürchtet

Die geplanten protektionistischen Maßnahmen würden somit genau das

Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich bezweckt wird, und damit

die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre zerstören: "Die

amerikanische Automobilproduktion hat nach langer Durststrecke wieder

ihren Höchststand von Anfang der 2000er Jahre erreicht", erklärt

Bernhart. "Alle großen Hersteller produzieren heute den überwiegenden

Teil ihrer Fahrzeuge für den nordamerikanischen Markt in den USA und

haben dort viel mehr investiert als in Mexiko oder Kanada." In

manchen Fällen, vor allem bei Kleinwagen, sei jedoch eine Produktion

in den USA schlicht nicht kostendeckend und daher eine

Produktionsverlagerung zum Beispiel nach Mexiko unvermeidlich.

Seit der Wirtschaftskrise 2009 wächst auch die Zahl der Jobs in

der amerikanischen Autoindustrie wieder. Dass in den neun Jahren

vorher (2000-2009) rund 600.000 Arbeitsplätze verlorengegangen sind,

hat wenig mit den Verlagerungen nach Mexiko zu tun: Dort entstanden

in derselben Zeit nur rund 100.000 neue Jobs. Den Hauptgrund für den

Arbeitsplatzabbau sieht Roland Berger-Experte Bernhart vielmehr in

einem Strukturwandel: "Wie in anderen Ländern und Branchen gehen auch

in der amerikanischen Automobilindustrie Jobs verloren, weil der Grad

der Automation und damit die Produktivität steigt. Daran ändern die

geplanten Einfuhrzölle nichts - im Gegenteil: Sie belasten die

Unternehmen und Verbraucher in den USA mit zusätzlichen Kosten. Die

Folge werden sinkende Fahrzeugverkaufszahlen, niedrigere Einnahmen

und ein erneuter Stellenabbau in der lokalen Automobilindustrie

sein."

Die Studie können Sie herunterladen unter:

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