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STUTTGART - Nach Kritik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an der blauen Plakette hat Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ihr vorgeworfen, nicht auf dem neuesten Stand zu sein.

08.09.2017 - 16:38:45

Debatte über blaue Plakette: Landesminister wettert gegen Merkel. "Sie ist seit ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Umweltministerin 1998 nicht mehr in allen Themen up to date, vor allem was Umwelt- und Klimaschutz angeht", sagte Hermann der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

CDU-Bundesvize und Innenminister Thomas Strobl nahm Merkel in Schutz. Als Naturwissenschaftlerin und ehemalige Umweltministerin wisse sie ganz genau, wovon sie in Sachen Klima- und Umweltschutz spreche, sagte er der "Heilbronner Stimme" und dem "Mannheimer Morgen". Die Kanzlerin setze sich schließlich dafür ein, dass künftig Autos mit geringerem Schadstoffausstoß gebaut werden. FDP-Landeschef Michael Theurer bemängelte: "Wer nicht wie die Grünen auf Verbote, Subventionen und Quoten setzt, dem wird von den Grünen einmal mehr jegliche fachliche Kompetenz abgesprochen." Dabei blende Hermann schlicht die fatalen Folgen der Blauen Plakette für Pendler, Mittelständler, Handwerker und Freiberufler aus.

In Stuttgart und Umgebung würden nach Hermanns Worten bereits jetzt etwa zwei Drittel der zugelassenen Fahrzeuge eine Blaue Plakette nach dem von Baden-Württemberg vorgeschlagenen Konzept erhalten. Fahren dürften demnach alle Diesel der Abgasnorm Euro 6 sowie alle anderen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab Euro-3-Norm. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warb ebenfalls für die Blaue Plakette. "Die Blaue Plakette wäre ein Technologietreiber und eine planbare Ansage an Industrie und Verbraucher, auf die sie sich einstellen können", sagte Kretschmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Hermann hält es für möglich, dass sich das Blatt für die Blaue Plakette nach der Bundestagswahl wendet. "Dass wäre die erste Wahl, nach der sich gar nichts ändert." Noch sei nicht ausgeschlossen, dass die Grünen künftig im Bund mitregieren können.

Der Landesverkehrsminister rügte auch das Verhalten der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Diese poche zwar zu Recht im Sinne des Gesundheitsschutzes auf Einhaltung der Grenzwerte, reite ansonsten aber ausschließlich auf Fahrverboten für Dieselfahrzeuge herum und drohe die Republik mit Prozessen zu überziehen. "Das ist nicht die richtige Antwort auf die komplexen Probleme, die wir mit dem Verkehr und der Luftreinhaltung in den Städten haben." Der FDP-Abgeordnete Jochen Haußmann begrüßte die Kritik Hermanns an der DUH: "Offenbar bereiten ihm seine einstigen Brüder im Geiste beim Kampf gegen das Auto und vor allem das Diesel-Auto mittlerweile nicht mehr nur Freude."

Die DUH hatte am Mittwoch die Landesregierung noch einmal aufgefordert, kurzfristig Fahrverbote für Diesel-Autos in Stuttgart einzuführen. Das Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart müsse akzeptiert und die Fahrverbote müssten zum 1. Januar 2018 umgesetzt werden.

Hermann betonte, die grün-schwarze Landesregierung habe sich noch nicht entschieden, wie sie mit dem Urteil umgehe. Neben den Optionen der Berufung beim Verwaltungsgerichthof in Mannheim und der Sprungrevision zum Bundesverwaltungsgericht nannte er auch die Möglichkeit, das Urteil zu akzeptieren.

Bei der Entscheidung über die von Nordrhein-Westfalen im Rechtsstreit mit der DUH beantragte Revision beim Bundesverwaltungsgericht sei er insbesondere an der Frage interessiert, ob die Länder stellvertretend handeln müssten, wenn der Bund in Sachen Emissionsschutz trotz Grenzwertüberschreitungen und Bürgerklagen untätig bleibe. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) habe die Einführung der Blauen Plakette mit den Worten vom Tisch gewischt: "Sie glauben doch nicht, dass ich mich zum Fahrverbotsminister machen lasse."

Auf die Frage, ob der Umgang mit dem Stuttgarter Richterspruch zum Zankapfel in der grün-schwarzen Koalition werden könne, antwortete Hermann: "Das halte ich nicht für ausgeschlossen." Sein Haus werde die vierwöchige Frist nach dem Eingang der seit kurzem vorliegenden Begründung des Urteils nutzen, um dieses fachlich und juristisch zu prüfen. "Wir werden nichts überstürzen", schrieb er der DUH und dem Koalitionspartner CDU ins Stammbuch. CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart hatte sich bereits für eine Berufung ausgesprochen.

Hermann warnte davor, die Diskussion auf die Frage "Fahrverbote ja oder nein" zu verengen und dabei den öffentlichen Nahverkehr, Rad- und Fußgängerverkehr aus dem Blick zu verlieren.

@ dpa.de

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