Lebensmittelhandel, Pharmahandel

STUTTGART - Im Bankrottprozess gegen Anton Schlecker haben die beiden mit angeklagten Wirtschaftspr├╝fer am Montag vor dem Landgericht Stuttgart die gegen sie erhobenen Vorw├╝rfe zur├╝ckgewiesen.

20.03.2017 - 16:50:24

Schleckers Wirtschaftspr├╝fer wehren sich gegen Vorw├╝rfe. Ihnen wird unter anderem zur Last gelegt, Bilanzen f├╝r die Jahre 2009 und 2010 trotz Unstimmigkeiten abgenickt zu haben. Mitarbeiter der Wirtschaftspr├╝fungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hatten die B├╝cher von Schlecker seit 1991 gepr├╝ft.

Der 42 Jahre alte damalige Pr├╝fungsleiter forderte am Montag die Abtrennung der Anklage gegen die beiden Pr├╝fer von dem Verfahren der Schlecker-Familie. W├╝rde das Gericht dem zustimmen, k├Ânnten die Wirtschaftspr├╝fer auf ein schnelleres Ende hoffen. Denn auf sie beziehen sich nur wenige der mehr als 40 Anklagepunkte im Strafprozess gegen den ehemaligen Drogeriemarktbesitzer und seine Familie. Bislang ist das Verfahren bis Oktober angesetzt - doch der Richter hatte bereits angek├╝ndigt, mehr Zeit zu ben├Âtigen.

Bei den Wirtschaftspr├╝fern geht es unter anderem um die Frage, ob eine Stille Beteiligung ├╝ber 270 Millionen Euro von Schleckers Kindern f├Ąlschlicherweise als Eigenkapital ausgewiesen worden war. Eigenkapital wird zum Beispiel dann f├╝r ein Unternehmen wichtig, wenn Verluste ausgeglichen werden m├╝ssen - wie bei Schlecker vor der Insolvenz. Mit Stillen Beteiligungen sind Anteile ohne Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen gemeint.

Ob eine Stille Beteiligungen dem Eigenkapital einer Firma zugerechnet werden kann, sei selbst unter Experten umstritten und h├Ąnge entscheidend von der Ausgestaltung des Vertrags ab, sagte einer der beiden Pr├╝fer. Anton Schlecker hatte seit 1999 St├╝ck f├╝r St├╝ck Eigenkapital an seine Kinder ├╝bertragen, um Erbschaftssteuer zu sparen und sie an das Unternehmen zu binden.

Eine weiterer Streitpunkt ist, ob ein privates Darlehen aus dem Jahre 2008 ├╝ber 50 Millionen Euro an Anton Schlecker von der Logistikfirma LDG, deren Gesellschafter seine Kinder waren, als Eigenkapital gewertet werden durfte. Schlecker f├╝hrte seinen Milliardenkonzern als eingetragener Kaufmann und haftete mit seinem Privatverm├Âgen auch f├╝r Verluste des Unternehmens.

Doch auch hier sahen die Wirtschaftspr├╝fer keine Probleme: Im Rahmen der Pr├╝fung habe es nicht den geringsten Anlass gegeben, an der bisherigen Bilanzierungspraxis zu zweifeln, sagte der damalige Pr├╝fungsleiter. Gleichzeitig r├Ąumten die Wirtschaftspr├╝fer ein, keinen vollst├Ąndigen ├ťberblick ├╝ber die privaten Verm├Âgensverh├Ąltnisse gehabt zu haben. Schlecker und seine Gesch├Ąftsf├╝hrer h├Ątten aber noch im Sommer 2011 versichert, dass der Firma aus dem Privatverm├Âgen genug Geld zugeschossen werden k├Ânnte.

In dem Prozess um die Insolvenz der Drogeriemarktkette im Jahr 2012 wirft die Anklage Anton Schlecker unter anderem vor, vors├Ątzlich Verm├Âgenswerte in H├Âhe von mehr als 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gl├Ąubiger entzogen zu haben. Nach der Insolvenz verloren Zehntausende Schlecker-Mitarbeiter ihren Job.

Wegen Beihilfe sitzen auch Schleckers Frau Christa sowie die beiden Kinder Meike und Lars auf der Anklagebank. Den Kindern wird auch Insolvenzverschleppung des Logistikers LDG vorgeworfen, der f├╝r den Schlecker-Konzern arbeitete. Schlecker und seine Familie blieben Aussagen zu ihren aktuellen Verm├Âgensverh├Ąltnisse am Montag erneut schuldig. Der Prozess soll am 3. April mit der Vernehmung der ersten Zeugen fortgesetzt werden.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Presse: Hewlett Packard Enterprise will 5000 Mitarbeiter entlassen. Die Entlassungen sollen noch vor dem Jahresende beginnen, berichteten die Nachrichtenagentur Bloomberg und das Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal" (Freitag) unter Berufung auf Insider. HPE lie├č Anfragen zun├Ąchst unbeantwortet. PALO ALTO - Der IT-Konzern Hewlett Packard Enterprise (HPE) will seine Mitarbeiterzahl laut US-Medienberichten um rund 5000 reduzieren. (Boerse, 22.09.2017 - 18:17) weiterlesen...

M├╝ller-Aufsichtsratschef Kamps verteidigt Homann-Verlagerung. Im s├Ąchsischen Leppersdorf verf├╝ge M├╝ller ├╝ber die modernste Lebensmittelproduktion Europas - davon profitierten Homann und die Mitarbeiter, sagte er dem "Handelsblatt" (Freitag). Er sei froh, dass zahlreiche Besch├Ąftigte mit an den neuen Standort ziehen wollten. Homann als Marktf├╝hrer in Deutschland und Polen finde in Leppersdorf "ideale Bedingungen" - "sonst w├╝rden wir es ja nicht machen". D├ťSSELDORF/DISSEN - Heiner Kamps, Aufsichtsratschef des Lebensmittelkonzerns M├╝ller, hat die Verlagerung des Feinkostherstellers Homann nach Sachsen verteidigt. (Boerse, 22.09.2017 - 11:11) weiterlesen...

Presse: Ma├čnahmen-Katalog gegen Lebensmittelkrisen. Das berichtete das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Freitag unter Berufung auf ein internes Schreiben des Bundeslandwirtschaftsministeriums. BERLIN - Nach dem Fipronil-Skandal haben sich die betroffenen europ├Ąischen L├Ąnder einem Medienbericht zufolge auf einen Ma├čnahmenkatalog verst├Ąndigt, um in Zukunft Lebensmittelkrisen zu verhindern. (Boerse, 22.09.2017 - 05:47) weiterlesen...

Bundesregierung deckelt Export-B├╝rgschaften f├╝r die T├╝rkei. Die so genannten Hermes-B├╝rgschaften sollen 2017 f├╝r Waren im Wert von zusammen h├Âchstens 1,5 Milliarden Euro gew├Ąhrt werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen. BERLIN - Die Bundesregierung hat eine Deckelung der staatlichen Absicherung deutscher Exporte in die T├╝rkei beschlossen, um den wirtschaftlichen Druck auf die Regierung in Ankara zu erh├Âhen. (Wirtschaft, 21.09.2017 - 19:39) weiterlesen...

WTO hebt Prognose f├╝r Wachstum des Welthandels deutlich an. Die WTO schraubte ihre Prognose am Donnerstag in Genf von 2,4 auf 3,6 Prozent hoch. Im vergangenen Jahr waren es nur 1,3 Prozent Wachstum gewesen. China habe mit starkem Wachstum die Im- und Exporte in ganz Asien befl├╝gelt. Zudem sei der Einfuhrbedarf in den USA gestiegen. GENF - Der Welthandel w├Ąchst in diesem Jahr nach einer neuen Prognose der Welthandelsorganisation (WTO) fast dreimal so stark wie 2016 und deutlich st├Ąrker als noch im April angenommen. (Wirtschaft, 21.09.2017 - 14:25) weiterlesen...

Lebensmittelbranche vor Messe Anuga: Kunde wird zum 'Omni-Shopper'. Der anspruchsvolle Kunde der Zukunft werde als "Omni-Shopper" Online- und Offline-Einkaufskan├Ąle kombinieren, erwarte jederzeit ├╝berall einkaufen zu k├Ânnen und auch beliefert zu werden. F├╝r die Zustellung w├╝rden bereits kleine Roboterfahrzeuge in ersten Pilotverfahren getestet. "Die Digitalisierung bedeutet aber nicht das Ende des Supermarktes", sagte Rausch vor Beginn der weltgr├Â├čten Ern├Ąhrungsmesse Anuga. K├ľLN - Die Lebensmittelbranche sieht sich vor gro├čen Herausforderungen: Die Digitalisierung werde den Einzelhandel ebenso stark ver├Ąndern wie die Einf├╝hrung der Selbstbedienung ab Ende der 1950er Jahre, sagte Franz-Martin Rausch vom Handelsverband Lebensmittel (BVLH) am Donnerstag in K├Âln. (Boerse, 21.09.2017 - 13:29) weiterlesen...