Innogy, DE000A2AADD2

RWE bleibt auf Talfahrt - Atomfonds belastet bereits

14.11.2016 - 11:46:24

bleibt auch nach dem erfolgreichen Börsengang der Ökostromtochter Innogy in schwerem Fahrwasser. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sackte der um Sondereffekte bereinigte Überschuss um fast 60 Prozent auf 227 Millionen Euro ab, wie die im Dax notierte Gesellschaft am Montag in Essen mitteilte. Dabei machten dem Unternehmen die niedrigen Strompreise im Großhandel weiter zu schaffen.

Auf dem Weg zu seinen Prognosen für das Gesamtjahr sieht sich RWE aber auf Kurs. Finanzvorstand Markus Krebber stellte in Aussicht, das obere Ende der Prognose-Bandbreiten zu erreichen. RWE hat für das Gesamtjahr einen bereinigten Überschuss von 500 bis 700 Millionen Euro in Aussicht gestellt, 2015 erwirtschaftete der Konzern noch gut 1,1 Milliarden Euro.

RWE-Aktien setzten am Montagvormittag dennoch ihre Talfahrt der vergangenen Tage fort. Zur Dividendenpolitik hielt sich RWE bedeckt. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern seinen Aktionären die Ausschüttung praktisch komplett gestrichen.

SCHWACHE FINANZERGEBNIS

Erste Vorboten der von der Bundesregierung geplanten Neuregelung der Atommüll-Entsorgung hinterließen bereits Spuren in der Neunmonats-Bilanz. RWE muss voraussichtlich rund 6,8 Milliarden Euro in den neuen staatlichen Atomfonds einzahlen. Um sich darauf vorzubereiten, schichtete der Konzern bereits bei seinen Finanzanlagen um und ersetzte längerfristige Wertpapiere durch kürzer laufende. Das habe angesichts des Niedrigzinsumfelds auf das Finanzergebnis gedrückt.

Der Energiehandelsbereich konnte zudem seine Verluste aus dem zweiten Quartal nicht wettmachen. Die neue Großtochter Innogy, in der RWE sein sogenanntes Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt hat, hatte bereits am Freitag einen Gewinnrückgang für die ersten neun Monate gemeldet. Die Zahlen werden weiter voll bei RWE einbezogen, da der Konzern auch nach dem Börsengang noch 76,8 Prozent der Innogy-Anteile hält und dauerhaft Mehrheitseigentümer bleiben will.

KRAFTWERKE LAUFEN ETWAS BESSER

Im Mutterkonzern geblieben sind von den operativen Geschäften neben dem Energiehandel nur die angeschlagenen Großkraftwerke. Hier lief es zuletzt aber besser als erwartet. So konnten niedrige Rohstoffkosten den Rückgang der Verkaufspreise etwas ausgleichen. Zudem machten sich einige Sondererträge positiv bemerkbar, so dass die Sparte statt bislang mit einem deutlichen Gewinnrückgang nun mit einem stabilen Ergebnis in diesem Jahr rechnet.

Die Kohle-, Gas, und Atomanlagen stecken wegen des Booms der erneuerbaren Energien in der Krise. Strom aus erneuerbaren Energien wird vorrangig in die Netze eingespeist und verdrängt deshalb die Produktion aus den konventionellen Kraftwerken. Die Folge ist ein Preisverfall, der sich bei RWE nach einiger Verzögerung immer stärker in die Ergebnisse frisst. Der Konzern verkauft einen Großteil seiner Stromproduktion Jahre im voraus.

KONZERN WILL PREISANSTIEG NICHT ÜBERBEWERTEN

Zuletzt deutete sich aber zumindest wieder eine leichte Erholung der Preise an. Das liegt an wieder gestiegenen Kohlepreisen, zum anderen gibt es in Frankreich Warnungen von Engpässen wegen des Ausfalls einiger Atomkraftwerke im Winter. Es sei aber noch zu früh, Entwarnung zu geben, sagte Finanzvorstand Krebber.

Inklusive aller Sondereffekte wies RWE in den ersten neun Monaten unter dem Strich einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro aus. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Überschuss von 1,9 Milliarden Euro, was vor allem an einem milliardenschweren Sondergewinn aus dem Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea lag.

SCHNELLE ÜBERWEISUNG AN ATOMFONDS

Krebber betonte, dass er den Konzernanteil für den Atomfonds möglichst schnell zahlen wolle. Für rund 35 Prozent des geforderten Betrags hat RWE aber noch keine Rücklagen gebildet. Dabei handelt es sich um die sogenannte Risikoprämie, mit der sich der Staat für mögliche Kostensteigerungen bei der Atommüllentsorgung wappnen möchte. Spielräume hat der Konzern durch den Innogy-Börsengang gewonnen, der allein RWE rund 2,6 Milliarden Euro in die Kassen brachte.

Die Erlöse hatte der Konzern dringend nötig. Ende September, also noch ohne die Einnahmen aus dem Börsengang, saß er auf einem Schuldenberg von 27,4 Milliarden Euro. Das waren wieder rund zwei Milliarden mehr als Ende 2015. Grund sind höhere Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen wegen der niedrigen Zinsen. Rechnerisch entfallen aber nur noch rund 8,7 Milliarden Euro der Verbindlichkeiten auf RWE, der Rest ist der Tochter Innogy zugeordnet worden.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatte zuletzt in einem Interview des "Handelsblatts" eine neue Offensive angekündigt. Chancen sehe er etwa im europäischen Ausland. Der Konzern arbeite an einer neuen Strategie, die im Frühjahr stehen soll. Dann soll auch Klarheit über die künftige Dividende herrschen.

@ dpa.de

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