Internet, Software

LÜNEBURG - Ermittlern aus 39 Staaten ist ein internationaler Schlag gegen Datendiebstahl und Internet-Betrug gelungen.

01.12.2016 - 18:34:24

Internationales Netzwerk für Phishing und Betrug aufgedeckt. Mit "Avalanche" sei die wohl weltweit größte Infrastruktur zum Betrieb sogenannter Botnetze aufgedeckt worden, teilten die Staatsanwaltschaft Verden und die Zentrale Kriminalinspektion der Polizeidirektion Lüneburg in der Hansestadt mit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière bezeichnete den Erfolg am Donnerstag in Berlin als "Kampfansage an die internationale Kriminalität im Cyber-Raum". Eine solche Aktion in dieser Größenordnung sei "einmalig".

"Seit gestern Abend 20 Uhr ist die Infrastruktur Avalanche nicht mehr existent", sagte Stefan Mayer, Leiter der Zentralen Kriminalinspektion Lüneburg. Die entstandenen Schäden würden auf mehrere hundert Millionen Euro weltweit geschätzt, es gebe Geschädigte in rund 180 Ländern. Auch das FBI und andere US-Behörden seien daran beteiligt gewesen. Zuletzt habe der Schwerpunkt der Kriminellen darin gelegen, Online-Banking-Kunden zu schädigen, hieß es.

Allein aus der Führungsebene des kriminellen Netzwerks haben die Ermittler in einer international koordinierten Aktion demnach 16 Beschuldigte identifiziert. Gegen sieben Tatverdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Drei Männer aus der Ukraine, einer aus Aserbaidschan sowie ein Ukrainer aus dem Großraum Berlin seien verhaftet worden. Bei einer der Festnahmen sei in der Ukraine durch die Tür mit einer Kalaschnikow auf die eingesetzten Beamten geschossen worden, verletzt wurde aber niemand.

In zehn Ländern gab es zeitgleich Durchsuchungen, Festnehmen, Beschlagnahmungen von Servern und Domains. Die Tatverdächtigen sollen aus zehn verschiedenen Ländern kommen. "Das war ein wichtiger und erfolgreicher Schlag gegen die internationale Cybermafia", sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Die Aktion sei unter niedersächsischer Federführung gemeinsam mit zahlreichen Sicherheitsbehörden, darunter dem FBI und Europol koordiniert worden.

Wöchentlich seien seit mindestens 2009 mehr als eine Million Spam- oder Phishing-Mails mit schädigendem Anhang oder Link verschickt worden. Durch Anklicken wurde der Computer infiziert und Teil von "Avalanche". So konnten die Angreifer zeitgleich mehr als 50 000 Rechner kontrollieren und ausspionieren sowie für Attacken nutzen.

Allein das Abschalten eines einzelnen Botnetzes reiche nicht aus, um die kriminellen Angriffe zu unterbinden, sagte Oberstaatsanwalt Frank Lange. "Die Aufgaben der entdeckten und unschädlich gemachten Server werden schlagartig von Servern der anderen Botnetze übernommen, bis ein neues, weiteres Botnetz aufgebaut wird."

Rund zwanzig verschiedene Typen schädlicher Software wurden verwendet, sagte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Es sei wie der Kampf gegen eine elektronische Hydra gewesen. Die meisten infizierten Rechner stünden in Russland und den USA, am drittstärksten sei Deutschland betroffen. "Allein bei der Staatsanwaltschaft Verden sind mehr als 27 000 Strafanzeigen eingegangen", sagte er.

Um so wichtiger war eine konzertierte Aktion, um das Netz auszuheben. Die Ermittler haben demnach die Strukturen analysiert und einzelne Server auf Führungsebene ermittelt. Damit sei der Grundstein für die gestrige Zerschlagung der Infrastruktur gelegt gewesen, hieß es. Die Zerschlagung der Infrastruktur wird aktuell vom BSI mit dem nationalen Cyber-Abwehrzentrum koordiniert.

Damit sei aber erst ein erster Schritt getan. Denn die Schadprogramme können nicht von den infizierten Rechnern gelöscht werden. Mehr als vier Millionen Betroffene seien vom BSI in den vergangenen Jahren bereits informiert worden, sagte BSI-Präsident Arne Schönbohm. Weitere würden nun von ihren Internet-Anbietern kontaktiert. Auf einer Bürger-Seite des BSI (www.bsi-fuer-buerger.de/botnetz) können Nutzer prüfen, ob ihr Rechner bereits Teil eines Botnetzes war.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Boomende Werbeerlöse treiben Facebook-Gewinn weiter in die Höhe. Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Überschuss um 71 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar (3,3 Mrd Euro) zu, wie der Internetkonzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. MENLO PARK - Sprudelnde Werbeeinnahmen dank mehr als zwei Milliarden Nutzern haben Facebook im zweiten Quartal einen weiteren Gewinnsprung beschert. (Boerse, 26.07.2017 - 22:43) weiterlesen...

Apple: Kein Kommentar zu Trumps Angaben über drei US-Fabriken. Trump hatte in einem am späten Dienstag veröffentlichten Interview mit dem "Wall Street Journal" gesagt, Apple-Chef Tim Cook habe ihm "drei große Werke versprochen - groß, groß, groß". Der Präsident machte keine Angaben dazu, wann diese "wunderschönen" Fabriken gebaut werden könnten oder was sie herstellen sollen. Apple wollte am Mittwoch auf Anfrage keine Stellung zu den Informationen nehmen. CUPERTINO - Apple will die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, der Konzern habe den Bau von drei große Fabriken in den USA zugesagt, nicht kommentieren. (Boerse, 26.07.2017 - 16:52) weiterlesen...

AKTIEN IM FOKUS: United Internet und Drillisch nähern sich Bestmarken. Auch bei den Anteilseignern von Drillisch sorgt der geplante Verkauf weiterhin für beste Laune. Drillisch-Papiere stiegen bis zum Nachmittag um 1,51 Prozent auf 57,19 Euro. Bis zur Bestmarke bei 57,87 Euro fehlte damit nicht mehr viel. Für United Internet ging es kurz bis auf 51,92 Euro hoch und zuletzt dann um 1,53 Prozent auf 51,71 Euro. Hier liegt die Bestmarke von 51,94 Euro noch näher. FRANKFURT - Die Aktien des Telekom-Konzerns United Internet haben sich einen Tag nach der Zustimmung der Aktionäre von Drillisch zur Übernahme durch das TecDax -Schwergewicht weiter ihrem Rekordhoch genähert. (Boerse, 26.07.2017 - 16:27) weiterlesen...

Verdi: IBM will entlassene Mitarbeiter nach Protest wieder einstellen. Die Unternehmensleitung hat nach Verdi-Angaben auf die Revision gegen etwa 150 erfolgreiche Kündigungsschutzklagen ehemaliger Mitarbeiter verzichtet. "Das ist ein sehr gutes Signal in Richtung Beschäftigte, das von Verdi hart erkämpft wurde", sagte der für IBM zuständige Tarifsekretär Bert Stach der Deutschen Presse-Agentur. MÜNCHEN/EHNINGEN - IBM kann seinen Stellenabbau in Deutschland wegen heftigen Widerstands der Gewerkschaft Verdi und entlassener Mitarbeiter nicht wie ursprünglich geplant umsetzen. (Boerse, 26.07.2017 - 15:25) weiterlesen...

USU veröffentlicht Praxishandbuch für die Nutzung von Wissensdatenbanken im Service. USU veröffentlicht Praxishandbuch für die Nutzung von Wissensdatenbanken im Service USU veröffentlicht Praxishandbuch für die Nutzung von Wissensdatenbanken im Service (Boerse, 26.07.2017 - 14:01) weiterlesen...

Bechtle AG. Bechtle AG: Veröffentlichung der Gesamtzahl der Stimmrechte nach § 26a WpHG mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung Bechtle AG (Boerse, 26.07.2017 - 10:15) weiterlesen...