Internet, Software

LÜNEBURG - Ermittlern aus 39 Staaten ist ein internationaler Schlag gegen Datendiebstahl und Internet-Betrug gelungen.

01.12.2016 - 16:53:24

Riesiges Netzwerk für Phishing und Betrug aufgedeckt. Mit "Avalanche" sei die wohl weltweit größte Infrastruktur zum Betrieb sogenannter Botnetze aufgedeckt worden, teilten die Staatsanwaltschaft Verden und die Zentrale Kriminalinspektion der Polizeidirektion Lüneburg in der Hansestadt mit. Auch das FBI und andere US-Behörden seien daran beteiligt gewesen. Zuletzt habe der Schwerpunkt der Kriminellen darin gelegen, Online-Banking-Kunden zu schädigen, hieß es.

"Das war ein wichtiger und erfolgreicher Schlag gegen die internationale Cybermafia", sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Die Aktion sei unter niedersächsischer Federführung gemeinsam mit zahlreichen Sicherheitsbehörden, darunter dem FBI und Europol koordiniert worden.

Allein aus der Führungsebene des kriminellen Netzwerks haben die Ermittler in einer international koordinierten Aktion demnach 16 Beschuldigte identifiziert. Gegen sieben Tatverdächtige wurde Haftbefehl erlassen. Sie gehören zu einem international agierenden Ring von Betrügern, die seit mindestens 2009 die Infrastruktur "Avalanche" für Phishing-, Spam-Kampagnen und Bankbetrug nutzen.

Wöchentlich seien mehr als eine Million Spam- oder Phishing-Mails mit schädigendem Anhang oder Link verschickt worden. Durch Anklicken wurde der Computer infiziert und Teil von "Avalanche". So konnten die Angreifer zeitgleich mehr als 50 000 Rechner kontrollieren und ausspionieren sowie für Attacken nutzen.

In zehn Ländern gab es zeitgleich Durchsuchungen, Festnehmen, Beschlagnahmungen von Servern und Domains. Die Tatverdächtigen sollen aus zehn verschiedenen Ländern kommen. Auf Basis der vorliegenden Anzeigen wird die Schadenssumme derzeit auf rund sechs Millionen Euro aus 1336 Taten beziffert. Der tatsächliche Schade dürfe auch in Deutschland weit höher liegen, hieß es.

Allein das Abschalten eines einzelnen Botnetzes reiche nicht aus, um die kriminellen Angriffe zu unterbinden, sagte Oberstaatsanwalt Frank Lange. "Die Aufgaben der entdeckten und unschädlich gemachten Server werden schlagartig von Servern der anderen Botnetze übernommen, bis ein neues weiteres Botnetz aufgebaut wird."

Rund zwanzig verschiedene Typen schädlicher Software wurden verwendet, sagte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden. Es sei wie der Kampf gegen eine elektronische Hydra gewesen. Die meisten infizierten Rechner stünden in Russland und den USA, am drittstärksten sei Deutschland betroffen.

Um so wichtiger war eine konzertierte Aktion, um das Netz auszuheben. Die Ermittler haben demnach die Strukturen analysiert und einzelne Server auf Führungsebene ermittelt. Damit sei der Grundstein für die gestrige Zerschlagung der Infrastruktur gelegt gewesen, hieß es. Analysen hätten ergeben, dass rund 20 verschiedene Botnetze diese Infrastruktur nutzten. Die Zerschlagung der Infrastruktur wird aktuell vom BSI mit dem nationalen Cyber-Abwehrzentrum koordiniert.

Damit sei aber erst ein erster Schritt getan. Denn die Schadprogramme können nicht von den infizierten Rechnern gelöscht werden. Betroffene Nutzer würden von ihren Internet-Anbietern informiert. Auf einer Bürger-Seite des BSI (www.bsi-fuer-buerger.de/botnetz) können Nutzer prüfen, ob ihr Rechner betroffen ist und bereits Teil eines Botnetzes war.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Microsoft bereitet Ende des Programm-Klassikers 'Paint' vor. Der Konzern setzte den Klassiker auf die Liste veralteter Software bei seinem nächsten Update des Betriebssystems Windows 10 im Herbst. In der Microsoft-Sprachregelung bedeutet dies, dass ein Programm nicht mehr aktiv weiterentwickelt wird und in späteren Windows-Versionen weggelassen werden könnte. REDMOND - Die Zeit von Microsofts Grafik-Programm "Paint" läuft nach mehr als 30 Jahren ab. (Boerse, 24.07.2017 - 15:47) weiterlesen...

Luft- und Raumfahrtagentur DLR erweitert Forschungstätigkeit. Die Forschungseinrichtung und Raumfahrtagentur will künftig auch Lösungen zu "Bedrohungsszenarien" anbieten, wie aus einem am Montag vorgestellten DLR-Strategiepapier hervorgeht. BERLIN - Die wachsende Gefahr von Cyber-Kriminalität und die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft rufen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verstärkt auf den Plan. (Boerse, 24.07.2017 - 15:46) weiterlesen...

Studie: Süden dominiert Innovationskraft Deutschlands. Die Innovationskraft konzentriert sich demnach auf relativ wenige Wirtschaftsräume mit internationalem Spitzenniveau vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, stellen die Kölner Ökonomen in ihrem erstmals erstellten Innovationsatlas fest. Dabei liegt der Raum um Stuttgart ganz vorn, gefolgt von Heidenheim/Ostalbkreis, Ingolstadt und München. "Die Innovationskraft ist von herausgehobener Bedeutung bei der Frage, wovon wir morgen leben werden", sagte IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös am Montag in Berlin. BERLIN - Die technologisch ideenreichsten Regionen der Republik liegen nach einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Süddeutschland. (Boerse, 24.07.2017 - 12:52) weiterlesen...

Studie: So viele ausländische Top-Manager im Dax wie nie. FRANKFURT/BONN - In den Vorständen der deutschen Top-Konzerne sitzen so viele Manager aus dem Ausland wie nie. Zum ersten Mal in der fast 30-jährigen Geschichte des Deutschen Aktienindex überstieg der Anteil ausländischer Dax -Vorstände die Marke von 30 Prozent. Mit 30,8 Prozent lag der Anteil zum Stichtag 1. Juli 2017 deutlich über dem Vorjahreswert von 27,2 Prozent. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Dax-Studie des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners. Studie: So viele ausländische Top-Manager im Dax wie nie (Boerse, 23.07.2017 - 14:25) weiterlesen...

Telekom-Hacker sagt vor Gericht aus: Auftrag kam aus Liberia. Der 29-jährige Brite ließ am Freitag vor dem Kölner Landgericht über seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, in der er sich als schuldig bekannte. Mit Hilfe einer Dolmetscherin sagte er anschließend selbst aus. Die Aktion sei "der schlimmste Fehler seines Lebens" gewesen. Als Motiv nannte er Geldsorgen. KÖLN - Im Prozess um eine großangelegte Cyber-Attacke auf Router der Deutschen Telekom hat der mutmaßliche Angreifer die Tat gestanden. (Boerse, 21.07.2017 - 16:27) weiterlesen...

Jedes zweite Unternehmen Opfer von Spionage, Sabotage oder Diebstahl. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) seien bereits einmal Opfer geworden, teilte der Digitalverband Bitkom am Freitag mit. "Die Studie unterstreicht, dass wir in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 unser besonderes Augenmerk auf die Abwehr von Spionageangriffen auf die deutsche Wirtschaft richten müssen", sagte Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) bei der Vorstellung der Ergebnisse. BERLIN - Ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro pro Jahr ist deutschen Unternehmen einer Studie zufolge in den letzten beiden Jahren durch Sabotage, Spionage und Datendiebstahl entstanden. (Boerse, 21.07.2017 - 14:13) weiterlesen...