Produktion, Absatz

HÜFFENHARDT - Der Versandhändler DocMorris muss seine umstrittene Automatenapotheke in Baden-Württemberg schon nach gut 48 Stunden wieder schließen.

21.04.2017 - 16:10:42

DocMorris muss Automatenapotheke in Baden-Württemberg schließen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe habe wegen Verstößen gegen gesetzliche Auflagen so entschieden, sagte ein Behördensprecher am Freitag, ohne zunächst weitere Details zu nennen. DocMorris hatte die lang geplante Abgabestelle von Arzneimitteln in Hüffenhardt in Baden-Württemberg am Mittwochnachmittag eröffnet. Die Apotheke in dem 2000-Seelen-Dorf war 2015 geschlossen worden, weil sich kein Nachfolger fand.

DocMorris hatte die lang geplante Abgabestelle von Arzneimitteln in Hüffenhardt in Baden-Württemberg erst am Mittwochnachmittag eröffnet. Die Apotheke in dem 2000-Seelen-Dorf war 2015 geschlossen worden, weil sich kein Nachfolger fand.

Beim Regierungspräsidium hatte der Versandhändler nur ein Arzneimittellager angezeigt. Online bestellte Arzneimittel hätten in die von DocMorris gemieteten Räume geliefert werden sollen. Die Beratung sollte per Videochat erfolgen. Mehr als 8000 Arzneimittel wurden vor Ort in einem Lagerautomaten, wie er auch in Apotheken zu finden ist, deponiert. DocMorris-Personal in den Niederlanden sollte per Knopfdruck das Medikament freigeben, das dann in Hüffenhardt aus dem Automaten gefallen wäre. Vor Ort stand den Kunden allerdings kein Apotheker, sondern nur ein Mitarbeiter zur Verfügung.

DocMorris darf wegen des sogenannten Fremdbesitzverbots als Unternehmen keine Apotheken in Deutschland betreiben. Nur Pharmazeuten mit Kammerzulassung dürfen Apotheken und bis zu drei Filialen unterhalten. 2007 hatte DocMorris seine erste deutsche Filiale in Saarbrücken eröffnet. Zwei Jahre und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) später wurde die Filiale zunächst geschlossen. Nur die angestellte Apothekerin durfte das Geschäft als Markenapotheke wieder eröffnen.

Doch auch das Abgabeterminal ging dem Regierungspräsidium nun zu weit: Die Automatenabgabe verwische in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versandhandel und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke, hieß es. Letztere unterliege - sowohl was Räumlichkeiten, als auch was Ausstattung und Fachpersonal angehe - hohen gesetzlichen Anforderungen, die durch das Abgabeterminal umgangen würden. Bei der Prüfung von Rezepten für verschreibungspflichtige Arzneimittel am Terminal beispielsweise werde gegen Vorschriften der Apothekenbetriebsordnung verstoßen.

Die Landesapothekerkammer sieht sich in ihrer Rechtsauffassung gestärkt. "Das war für uns ganz klar rechtswidrig", sagte Karsten Diers, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Die Apotheker hatten unter anderem bemängelt, dass Automaten keine Wochenend- und Nachtdienste unterhalten würden. Die Arzneimittelversorgung in Hüffenhardt, das ist auch die Auffassung des Regierungspräsidiums, sei weiterhin gesichert, da die Bevölkerung eine Rezeptsammelstelle von zwei in den Nachbarorten ansässigen Apotheken nutzen könne.

DocMorris will sich unterdessen nicht sofort geschlagen geben. "Wir glauben weiterhin, dass man in Deutschland digitale Projekte zum Wohle aller umsetzen kann", sagte Geschäftsführer Olaf Heinrich.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

DocMorris lässt Apothekenautomaten vorerst wieder anlaufen. Nachdem das Regierungspräsidium den Automaten vergangene Woche nach gut 48 Stunden gestoppt hatte, hat DocMorris nun zumindest den Verkauf mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Hüffenhardt wieder anlaufen lassen. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. DocMorris habe eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe gegen die Verfügung des Regierungspräsidiums Karlsruhe eingereicht. Bis zu einem Gerichtsentscheid könnten rezeptfreie Medikamente nun wieder verkauft werden. Das bestätigte auch ein Sprecher der Behörde. HÜFFENHARDT - Der Versandhändler DocMorris hat den Verkauf über seinen umstrittenen Apothekenautomaten in Baden-Württemberg teilweise wieder aufgenommen. (Boerse, 26.04.2017 - 17:32) weiterlesen...

WDH: Gesundheitsministerium betont Finanzreserven der Krankenkassen (Chef statt Vize-Chef im 2. Absatz) (Boerse, 26.04.2017 - 17:21) weiterlesen...

Ersatzkassen-Vize rechnet mit höherem Zusatzbeitrag für Versicherte. "Ich gehe von einem Zusatzbeitrag von 1,8 bis 2 Prozent in den nächsten drei Jahren aus", sagte Klemens, der auch Verwaltungsratschef des GKV-Spitzenverbands ist, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben ungefähr vier bis fünf Milliarden Euro Zusatzkosten pro Jahr, die durch die Umsetzung des Koalitionsvertrages jetzt schon zum Tragen kommen." Als Beispiele nannte er die Gesetze zur Pflegestärkung, Veränderungen in der Arzneimittelversorgung und das Krankenhausstrukturgesetz. BERLIN - Trotz des Finanzpolsters der gesetzlichen Krankenkassen rechnet der Chef des Ersatzkassenverbands, Uwe Klemens, mit einer möglichen Mehrbelastung für die Versicherten nach dem Bundestagswahljahr. (Boerse, 26.04.2017 - 17:18) weiterlesen...

WDH/ROUNDUP: Mieterstrom wird gefördert - Branche warnt vor Ungleichbehandlung (Modul z2 statt n1) (Boerse, 26.04.2017 - 17:17) weiterlesen...

Wettbewerbszentrale beanstandet Preisauszeichnung bei Möbeln. In Angeboten dürfen sie nicht nur die Kosten für die jeweilige Basisausstattung herausstreichen. Diese Auffassung sei von Gerichten in zwei Verfahren gegen Möbelhäuser bestätigt worden, berichtete die Wettbewerbszentrale am Mittwoch in Bad Homburg. Nach Beschwerden von Konkurrenten hatte die Zentrale jeweils fehlende Gesamtpreisangaben beanstandet. BAD HOMBURG - Möbelhändler müssen bei Ausstellungsstücken den Gesamtpreis einschließlich aller Zusatzausstattungen angeben. (Boerse, 26.04.2017 - 17:15) weiterlesen...

Atomkraftwerk Philippsburg soll erst im Mai wieder ans Netz gehen. Zuletzt war der Betreiber EnBW von einem Termin noch im April ausgegangen. Jetzt soll es Mitte Mai werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte. Hintergrund seien Überprüfungen von Halterungskonstruktionen in der Anlage, die länger dauerten als geplant. Weitgehend abgeschlossen seien die Revisions- und Instandsetzungsarbeiten. KARLSRUHE/PHILIPPSBURG - Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg (Kreis Karlsruhe) kann erst später als geplant wieder ans Netz gehen. (Boerse, 26.04.2017 - 17:15) weiterlesen...