Kolummne, Deutschland

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Spaltung der Lager: Während die Profis auf die Short-Seite wechseln - und dadurch nach unten eine Stütze verheißen, versuchen private Anleger mit kurzfristigen Aktionen etwas aus der Seitwärtsbewegung herauszuholen.

08.03.2017 - 18:05:25

Börse Frankfurt-News: Schnelle Stimmungswechsel in ruhigem Marktumfeld

Zusammenfassung

Der DAX hängt weiter um 12.000 Punkte, bewegt sich nicht wirklich von der Stelle. Anders die hiesigen Anleger: Haben in der Vorwoche noch etliche institutionelle Investoren ihre Short-Engagements geschlossen und die Gewinne daraus mitgenommen, sind diesmal 8 Prozent aus DAX-Aktien heraus gegangen, während das Bärenlager um 9 Prozent der Befragten angewachsen ist. Der Sentiment-Index dieser Anleger steht jedenfalls mit -10 Punkten weit im Pessimismus.

Nach Ansicht von Joachim Goldberg sind nicht mehr die Range-Trader mit kurzfristigen Gewinnmitnahmen stimmungsprägend gewesen, sondern abtrünnige Optimisten direkt auf die Pessimistenseite gewechselt. Der Verhaltensökonom vermutet, dass diese Anleger ungeduldiger werden, was fiskalpolitische Impulse aus den USA angeht und die übrigen konjunkturpolitischen Ereignisse seien schon eingepreist.

Die privaten Anleger zeigen eine andere Marktauffassung. 5 Prozent sind in Aktien eingestiegen, 7 Prozent haben ihre Short-Positionen glatt gestellt. Der Sentiment-Index dieser Anleger steht bei +8 Prozent deutlich über dem der Profis. Für Goldberg sind hier jetzt "kurstechnisch" motivierte Trader "mit schnellen Positionswechseln auf engstem Raum" tonangebend.

In der Summe sieht Goldberg deutsche Aktien weiter in einer guten Ausgangsposition. Es gehe zwar Angst vor einer deutlichen Korrektur am Aktienmarkt um, aber sollte es tatsächlich dazu kommen, würden Rückkäufe und die Auflösung von Absicherungen der Institutionellen den Markt stützen. Nach oben könnte kaum erwarteter "Angriff auf das Allzeithoch" die Bären in eine Short-Squeeze drängen.

8. März 2017. Obgleich der DAX seit der vergangenen Stimmungserhebung auf der Stelle getreten ist und während dieser fünf Handelstage gerade einmal ein Band von etwas mehr als 1,3 Prozent produziert hat, ist es trotzdem zu einem beachtlichen Stimmungswechsel gekommen.

Dies gilt zum einen für die institutionellen Anleger, deren Erwartungen sich deutlich verschlechtert haben. Ablesbar ist das am Börse Frankfurt Sentiment-Index, der um 17 Punkte gefallen ist und sich nun auf einem Stand von -10 Punkten befindet.

Dieser jähe Umschwung in einem ansonsten ruhigen Marktumfeld mag auf den ersten Blick irritierend wirken. Aber vermutlich war es dieses Mal eine andere Gruppierung innerhalb des Panels als in der Vorwoche, von der diese Veränderung ausging. Denn obwohl sich der Stimmungsindikator am vergangenen Mittwoch noch in positivem Terrain bewegte, hatten wir bereits zu diesem Zeitpunkt festgestellt, dass sich der Anteil der Optimisten kaum mehr verändert hatte. Nun ist, vermutlich nach dem neuerlichen Überschreiten der 12.000er Marke, sogar ein größerer Teil der Optimisten von den bullishen Ambitionen abgekommen und fast vollständig direkt ins Bärenlager übergelaufen.

Sicherlich könnte man für diesen Rückzug Konjunkturdaten, wie den unerwartet starken Einbruch der industriellen Auftragseingänge im Januar, verantwortlich machen, aber ökonomische Daten haben die Investoren seit einigen Monaten eigentlich selten und, wenn überhaupt, dann nur kurzfristig interessiert. Auch dass der am kommenden Mittwoch tagende Offenmarktausschuss der US-Notenbank höchstwahrscheinlich die Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte beschließen wird, dürfte derzeit kein Verkaufsargument für Aktien darstellen. In diese Richtung weist auch der jüngste Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), in dem festgestellt wird, dass die Geldpolitik der US-Notenbank in den vergangenen Wochen in den Hintergrund getreten ist. Drei Zinserhöhungen der Fed im Jahr 2017 scheinen programmiert. Stattdessen bewegt die Akteure vor allen Dingen die Fiskalpolitik der USA, wobei die Hoffnung auf positive wirtschaftliche Impulse durch steuerliche Veränderungen und andere Maßnahmen nach wie vor das Bild bestimmt.

Privatanleger gegen den Strom Während also bei den institutionellen Akteuren Pessimismus vorherrscht, stellen wir bei den Privatanlegern eine entgegengesetzte Entwicklung fest. So hat sich in dieser Anlegergruppe der Börse Frankfurt Sentiment-Index um 12 Punkte auf einen Stand von +8 Punkte befestigt. Dabei lässt sich beobachten, dass eine Gruppe von etwa 5 Prozent der Befragten zum wiederholten Male sehr kurzfristig, wenn auch kurstechnisch auf engstem Raum, mit schnellen Positionswechseln agiert.

Letztlich bleibt die stimmungsbezogene Ausgangsposition für den DAX günstig und hat sich gegenüber der Vorwoche sogar noch leicht verbessert. Dafür sorgen in erster Linie die institutionellen Akteure, die sich sowohl absolut als auch im mehrmonatigen Vergleich inmitten eines stabilen Marktumfelds pessimistisch zeigen. Ihre möglichen Motive: Warten auf konkrete fiskalpolitische Impulse aus den USA, was mit zunehmender Dauer jedoch als Unsicherheitsfaktor wahrgenommen wird. Aber auch die Angst vor einer größeren Korrektur am Aktienmarkt geht um, wie sich zunehmend an der Tendenz in den einschlägigen Kommentierungen nachlesen lässt.

Sollte es tatsächlich zu größeren Kursrückgängen kommen, würden Rückkäufe und die Auflösung von Absicherungen durch die institutionellen Marktteilnehmer dem DAX eine Stütze sein. Viel interessanter wäre jedoch ein derzeit vielerorts nicht erwarteter Angriff auf das Allzeithoch des DAX, der die Pessimisten von heute in Bedrängnis bringen und daher zu einer veritablen Short-Squeeze führen könnte.

von: Joachim Goldberg

8. März 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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