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'FAS': Opel-Chef Neumann geht nicht mit zum PSA-Konzern

12.06.2017 - 07:58:35

'FAS': Opel-Chef Neumann geht nicht mit zum PSA-Konzern. FRANKFURT/RÜSSELSHEIM - Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will einem Zeitungsbericht zufolge den Autobauer verlassen, wenn dieser endgültig an den Peugeot-Mutterkonzern PSA übergeht. Der Automanager wolle nur noch so lange an der Opel-Spitze bleiben, bis der Verkauf der bisherigen GM-Tochter umgesetzt sei, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ohne Angaben von Quellen. Neumann wolle den Aufsichtsrat am 22. Juni über seine Pläne informieren. Ein Opel-Sprecher sagte am Samstag lediglich, das Unternehmen kommentiere grundsätzlich keine Personalspekulationen.

Laut "FAS" wollen die Franzosen an diesem Termin auch ihre neue Führungsmannschaft vorstellen. Der neue Opel-Chef solle aus den Reihen des bisherigen Vorstands kommen. Gehandelt würden Vertriebschef Peter Küspert, Finanzmann Michael Lohscheller und Marketing-Chefin Tina Müller.

PSA-Konzernchef Carlos Tavares äußerte sich dazu nur indirekt. Jeder müsse seine persönliche Entscheidung treffen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ, Montagausgabe). Neumann habe die Qualitäten, es sei ihm bislang aber leider nicht gelungen, Opel nachhaltig in die Gewinnzone zu führen. Doch auch die Wende von Peugeot-Citroen sei mit nahezu der vorhandenen Mannschaft gelungen.

Tavares forderte vom Opel-Management daher einen raschen Restrukturierungsplan. 100 Tage Zeit soll die Opel-Spitze dafür erhalten. "Wir werden kein vorgekochtes Rezept vorlegen, sondern von der Unternehmensleitung und den Führungskräften in Schlüsselpositionen die Ausarbeitung eines Plans verlangen, wie Opel aus der Verlustzone herauskommen und seine Performance verbessern kann." Es seien alle Führungskräfte eingeladen, mit ihm diesen Weg zu gehen, so Tavares. "Sie müssen nur wissen, dass es so wie bisher nicht bleiben kann. "Wir können nicht den Status quo in einem Unternehmen verteidigen, das Verluste macht. Das wird eine große Herausforderung. Wenn es leicht wäre, hätte es längst geklappt, sagte der Manager der Zeitung.

Dabei soll auch weiter ein Vorsitzender Opel führen, der sich allein um die Rüsselsheimer Marke kümmern soll. Die Marke werde zwar juristisch den PSA-Konzern eingegliedert, soll aber ansonsten ihre Eigenständigkeit bewahren und deutsche Tugenden in den Vordergrund spielen. Bis 2020 müsse Opel rentabel sein.

Die Übernahme von Opel durch den PSA-Konzern soll in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen, der 31. Juli sei der frühest mögliche Zeitpunkt, sagte ein Opel-Sprecher vor wenigen Tagen. Bis dahin müssten aber alle Voraussetzungen erfüllt sein, besonders die Freigabe durch die Kartellbehörden. Als Wunschtermin gilt laut der "FAZ" der 12. September, dann könne der Vollzug auf der Automesse IAA in Frankfurt vermeldet werden.

Neumann hatte die Übernahme durch PSA stets als richtigen Schritt bezeichnet. Möglicherweise sind bei den Franzosen aber seine hochfliegenden Pläne zur Elektromobilität nicht gut angekommen. Die von Neumann geplante Komplettumstellung der Marke Opel bis 2030 sei unrealistisch, erklärte am Sonntag der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen. Man dürfe bei einer Volumenmarke wie Opel die konventionellen Antriebe nicht so stark vernachlässigen, weil sie zu dem Zeitpunkt noch das weitaus größere Geschäftsfeld sein könnten.

Der frühere VW -Manager Neumann hat in Rüsselsheim eine Menge bewirkt, es aber nicht geschafft, die GM-Tochter aus der Verlustzone zu fahren. Seit 2013 stand er an der Spitze des traditionsreichen Autobauers, der in den Jahren davor etliche Chefwechsel und dramatische Momente erlebt hatte. Der Ingenieur Neumann hat gemeinsam mit der Marketing-Fachfrau Müller vor allem das Image von Opel wieder auf Vordermann gebracht und die Produkte technisch verbessert. Mehrere Modelle wurden bereits mit PSA gemeinsam entwickelt. Das wichtigste Modell Astra war im vergangenen Jahr Europas "Auto des Jahres".

Der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz bedauerte im Gespräch mit der "Automobilwoche" bereits den möglichen Rückzug Neumanns. "Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten", sagte er am Samstag der Fachzeitung. Auch Dudenhöffer erwartet eine zentralistische Führung aus Paris, das nun mal sehr viel näher sei als die GM-Zentrale in Detroit.

PSA will den deutschen Konkurrenten kostengünstiger organisieren und im dann zweitgrößten Auto-Konzern Europas mit gemeinsamer Entwicklung und Produktion Mengenvorteile heben. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

Auf die Frage, ob er Garantien für Arbeitsplätze oder Standorte für die Zeit nach den bis Ende 2018 gegebenen Zusagen geben könne, sagte Tavares, es müsse allen klar sein, dass es für niemanden Garantien auf eine sichere Zukunft geben könne, wenn die seit Jahren auflaufenden Verluste weiter geschrieben würden.

Die Beschäftigten in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag nur bis Ende 2018 vor Entlassungen sicher. Heikel scheint die Lage insbesondere im Entwicklungszentrum am Stammsitz Rüsselsheim, wo fast 8000 Ingenieure arbeiten. Hier wie in anderen Zentralfunktionen gibt es Überschneidungen mit französischen Konzernteilen. Opel soll den PSA-Vorgaben zufolge spätestens 2020 wieder Gewinne machen.

@ dpa.de

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