Innogy, DE000A2AADD2

ESSEN - Die Talfahrt des Energiekonzerns RWE geht auch nach dem Börsengang der Ökostromtochter Innogy weiter.

14.11.2016 - 09:05:24

RWE-Abwärtstrend hält an - Atomfonds belastet bereits. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sackte der um Sondereffekte bereinigte Überschuss um fast 60 Prozent auf 227 Millionen Euro ab, wie die im Dax notierte Gesellschaft am Montag in Essen mitteilte. Dabei machten dem Unternehmen die sinkenden Strompreise im Großhandel weiter zu schaffen. Analysten hatten mit einem geringeren Gewinnrückgang gerechnet. Kurz nach Börsenöffnung legten RWE-Aktien knapp zweieinhalb Prozent zu, sie hatten allerdings in der Vorwoche auch elf Prozent eingebüßt.

Erste Vorboten der von der Bundesregierung geplanten Neuregelung der Atommüll-Entsorgung hinterließen bereits Spuren in der Bilanz. RWE muss voraussichtlich rund 6,8 Milliarden Euro in den neuen staatlichen Atomfonds einzahlen. Um sich darauf vorzubereiten, schichtete der Konzern bereits bei seinen Finanzanlagen um und ersetzte längerfristige Wertpapiere durch kürzerlaufende. Das habe angesichts des Niedrigzinsumfelds auf das Finanzergebnis gedrückt.

KRAFTWERKE LAUFEN ETWAS BESSER

Der Energiehandelsbereich konnte zudem seine Verluste aus dem zweiten Quartal nicht wettmachen. Die neue Großtochter Innogy, in der RWE sein sogenanntes Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt hat, hatte bereits am Freitag einen Gewinnrückgang für die ersten neun Monate gemeldet. Die Zahlen werden weiter voll bei RWE einbezogen, da der Konzern auch nach dem Börsengang noch 76,8 Prozent der Innogy-Anteile hält und dauerhaft Mehrheitseigentümer bleiben will.

Im Mutterkonzern geblieben sind von den operativen Geschäften neben dem Energiehandel nur die angeschlagenen Großkraftwerke. Hier lief es zuletzt aber besser als erwartet. So konnten niedrige Rohstoffkosten den Rückgang der Verkaufspreise etwas ausgleichen. Zudem machten sich einige Sondererträge positiv bemerkbar, so dass die Sparte statt bislang mit einem deutlichen Gewinnrückgang nun mit einem stabilen Ergebnis in diesem Jahr rechnet.

MINI-GEWINN UNTER DEM STRICH

Die Kohle-, Gas, und Atomanlagen stecken wegen des Booms der erneuerbaren Energien in der Krise. Strom aus erneuerbaren Energien wird vorrangig in die Netze eingespeist und verdrängt deshalb die Produktion aus den konventionellen Kraftwerken. Die Folge ist ein Preisverfall, der sich bei RWE nach einiger Verzögerung immer stärker in die Ergebnisse frisst. Der Konzern verkauft einen Großteil seiner Stromproduktion Jahre im Voraus. So sind etwa bereits gut 90 Prozent des Stroms für 2018 zu Preisen von gut 25 Euro je Megawattstunde verkauft. Für dieses Jahr kassiert RWE noch rund 35 Euro, vor wenigen Jahren waren es sogar noch weit über 50 Euro.

Inklusive aller Sondereffekte wies RWE in den ersten neun Monaten unter dem Strich einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro aus. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Überschuss von 1,9 Milliarden Euro, was vor allem an einem milliardenschweren Sondergewinn aus dem Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea lag. An den Prognosen für das Gesamtjahr hielt der Vorstand fest. So soll der bereinigte Überschuss von 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 500 bis 700 Millionen Euro sinken.

SCHNELLE ÜBERWEISUNG AN ATOMFONDS

RWE-Finanzchef Markus Krebber betonte, dass er den Konzernanteil für den Atomfonds möglichst schnell zahlen wolle. Für rund 35 Prozent des geforderten Betrags hat RWE aber noch keine Rücklagen gebildet. Dabei handelt es sich um die sogenannte Risikoprämie, mit der sich der Staat für mögliche Kostensteigerungen bei der Atommüllentsorgung wappnen möchte. Wie RWE das finanziert, werde derzeit geprüft, erklärte Krebber. Spielräume hat der Konzern durch den Innogy-Börsengang gewonnen, der allein RWE rund 2,6 Milliarden Euro in die Kassen brachte.

Die Erlöse hatte der Konzern dringend nötig. Ende September, also noch ohne die Einnahmen aus dem Börsengang, saß er auf einem Schuldenberg von 27,4 Milliarden Euro. Das waren wieder rund zwei Milliarden mehr als Ende 2015. Das lag vor allem als höheren Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen wegen der niedrigen Zinsen. Rechnerisch entfallen aber nur noch rund 8,7 Milliarden Euro der Verbindlichkeiten auf RWE, der Rest ist der Tochter Innogy zugeordnet worden.

RWE SIEHT WIEDER WACHSTUMSCHANCEN

"Wir haben jetzt in einem sehr herausfordernden Umfeld eine solide Basis, um die Zukunft unseres Unternehmens zu gestalten", sagte Krebber. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatte zuletzt in einem Interview des "Handelsblatts" eine neue Offensive angekündigt. Der Konzern arbeite an einer neuen Strategie, die im Frühjahr stehen soll. Chancen sehe er etwa im europäischen Ausland.

@ dpa.de

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