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BRÜSSEL / KIEL / SCHWERIN - Der Vorschlag der EU-Kommission, den Aalfang in der Ostsee zu verbieten, hat zu gemischten Reaktionen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern geführt.

29.08.2017 - 16:55:24

Geteilte Reaktionen auf EU-Vorschlag für Aalfang-Verbot in der Ostsee. Nach Ansicht der Brüsseler Behörde ist ein solches Verbot notwendig, da die Bestände aus ihrer Sicht zu niedrig sind. Das Verbot sollte im kommenden Jahr für Berufs- und Freizeitfischer gelten, teilte die EU-Kommission am Dienstag mit. Unbeabsichtigt gefangene Aale müssten demnach ebenfalls unverzüglich wieder freigelassen werden. Der Vorschlag der EU-Kommission basiert auf wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES).

Schleswig-Holsteins Fischerei- und Umweltminister, Robert Habeck (Grüne), nannte den Vorstoß folgerichtig, da es um den Aalbestand in Europa schon lange schlecht bestellt sei. Seiner Ansicht nach sollte die EU-Kommission das Verbot auf den gesamten marinen Lebensraum des Aals im Hoheitsgebiet der EU, insbesondere den Atlantik, ausweiten. "Das wäre ökologisch sinnvoll - es geht schließlich um einen einzigen großen Aalbestand in Europa. Außerdem wäre es auch ein Gebot der Fairness für alle Fischer."

Die Landesfischereiverbände in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern reagierten verärgert auf den Vorstoß aus Brüssel. "Ich kann einen totalen Fangstopp im Moment nicht nachvollziehen", sagte der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Landesverbandes, Lorenz Marckwardt. Er wies darauf hin, dass die Fischer im Land seit acht Jahren verstärkt Jungaale aussetzten, um den Bestand zu erhöhen. Erste Erfolge seien da.

Ähnlich äußerte sich sein Kollege aus Mecklenburg-Vorpommern. "Wir haben junge Aale wie gefordert in Größenordnungen ausgesetzt, damit sich die Bestände erholen können", sagte Verbandspräsident Norbert Kahlfuss. Der Fischerei- und der Anglerverband würden gegen die Pläne vorgehen, kündigte er an. Der Aal ist nach seinen Worten für Binnenfischer, Angler und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern gleichermaßen bedeutend.

Die Umweltschutzorganisationen WWF und BUND hingegen begrüßten den avisierten Fangstopp, über den die zuständigen EU-Minister voraussichtlich am 9. und 10. Oktober entscheiden. "Wir sehen dem Aal seit Jahren beim Aussterben zu, es ist höchste Zeit, die Fischerei auf diese bedrohte Art einzustellen", sagt der Fischereiexperte beim WWF Deutschland, Philipp Kanstinger.

Die seit 2007 EU-weit verordneten Aalmanagementpläne hätten bisher nicht zu einem entscheidenden Erfolg geführt, findet auch der BUND. Wissenschaftler hätten wiederholt drastischere Maßnahmen gefordert "Wir riskieren es, diese Fischart direkt vor unseren Augen zu verlieren, wenn wir den Rat der Wissenschaftler weiter ignorieren", sagte die Meeresschutzexpertin beim BUND Schleswig-Holstein, Stefanie Sudhaus. Sie forderte darüber hinaus weitergehende Maßnahmen: "Es gibt nur einen einzigen Bestand des Europäischen Aals und egal, wo und wie, jeder Aalfang muss gestoppt werden, bis der Bestand Anzeichen einer Erholung zeigt."

Es sei bedauerlich, dass dieser Schritt die Fischereiwirtschaft zunächst beeinträchtigen werde, ergänzte Elke Körner, Meeresschutzreferentin beim BUND Mecklenburg-Vorpommern. "Aber er ist bereits Jahre überfällig, zumal es nicht sinnvoll ist, ein Geschäft auf Kosten einer bedrohten Art aufzubauen." Für eine erfolgreiche Bestandserholung ist nach Ansicht der Umweltschützer neben dem Fangstopp die Durchgängigkeit von Gewässern während der Migrationsphase der Aale zwingend notwendig.

@ dpa.de

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