Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Tragfähigkeit auf die Probe gestellt

03.07.2017 - 14:54:24

Börse Frankfurt-News: Tragfähigkeit auf die Probe gestellt. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 3. Juli 2017. Sind es die Vorboten eines kräftigeren Einbruchs oder liegen die Verluste am Aktienmarkt im Rahmen einer üblichen Korrektur? "Mit dem Kursrutsch dürften sich die Aktienmärkte auf das Sommerloch eingestimmt haben", meint Chris-Oliver Schickentanz. Der Commerzbank-Analyst sieht allerdings noch Luft nach unten. "Wir gehen eher davon aus, dass größere Umschichtungen auf Branchenebene anstehen, als dass Anleger verstärkt Liquidität aus dem Aktienmarkt abziehen."

Mit Blick auf das eindrucksvolle erste Halbjahr am Aktienmarkt wundert sich Schickentanz über die aktuelle Bewegung auf dem erreichten hohen Niveau kaum. "Schließlich gibt es normalerweise durchschnittlich drei 5 Prozent-Korrekturen innerhalb eines Jahres." Solange die globale Konjunktur rund laufe und die Unternehmensgewinne sprudelten stimme die mittelfristige Perspektive für Aktien.

Nach dem die Europäische Zentralbank die Möglichkeit einer früher als erwarteten Rückführung der ultralockeren Geldpolitik im Euroraum in Aussicht gestellt hat, verlor der Aktienindex vergangene Woche rund 3,2 Prozent und verabschiedete sich mit 12.325 Punkten aus dem Handel. Für den Juni steht ein Minus von 2,2 Prozent zu Buche.

Angeschlagenes Fundament

Aus technischer Perspektive spricht nach Ansicht von Christian Schmidt vieles für eine Eintrübung. Mittels einer langen Abwärtskerze habe der DAX am Freitag eine Reihe wichtiger Unterstützungen durchbrochen und gleichzeitig die seit Ende April etablierte Handelsspanne verlassen. Den tertiären Trend mit Blick auf die kommenden zwei Wochen bewertet Schmidt negativ. Im mittelfristigen Zeitfenster stehe ein Richtungswechsel auf der Agenda. "Von den DAX-Werten notieren bereits mehr als 66 Prozent unter der 55-Tagelinie", gibt der technische Analyst zu Bedenken. Beachtenswerte Unterstützungen finde der hiesige Bluechip-Index bei 12.345 bzw. 12.337 Zählern.

EZB-Schleusen schließen im Zeitlupentempo

Die Helaba geht im Übrigen nicht von einer schnelleren und stärkeren Rückführung des geldpolitischen Expansionsgrades im europäischen Währungsraum aus. "Wir rechnen weiterhin damit, dass im Herbst zunächst über das Auslaufen des Anleihekaufprogramms befunden wird", bemerkt Claudia Windt. Eine Zinsanhebung rücke erst 2018 auf die Agenda. Zwar sei das Wirtschaftswachstum im Euroraum derzeit ausgesprochen solide, dennoch gebe es noch einige politische Stolpersteine. "Dazu gehören die ungeklärten innereuropäischen Fragen wie zur Fiskalunion und nach der Rettung zweier Regionalbanken in Italien auch zur Bankenunion."

Das sieht Rober Halver von der Baader Bank ähnlich. Die Federal Reserve und Europäische Zentralbank kämen aufgrund der verbesserten Konjunktursituation und zur Aufrechterhaltung ihrer Glaubwürdigkeit zwar an einer restriktiveren Geldpolitik nicht vorbei. "Von Hochkonjunktur kann aber nicht die Rede sein." Ein Europa, das seine Reformhausaufgaben nicht ordentlich erledige, werde nur schwer nachhaltiges Wirtschaftswachstum erreichen. Die mit Frankreichs neuem Staatspräsidenten einhergehende Reformeuphorie müsse sich erst noch bewahrheiten. Draghi habe betont, dass eine weniger üppige Zins- und Liquiditätspolitik nur stattfindet, wenn die Erholung von Konjunktur und Preisen hinreichend sicher sei. "Mit diesem Gummiparagraphen erkauft er sich viel Zeit."

Geldpoltische Normalität keine Option

"Ja, die Notenbanken werden restriktiver agieren.", betont Robert Halver. In den USA werde die Federal Reserve womöglich ab September auslaufende Anleihen im Besitz der Notenbank nicht wieder vollständig neu anlegen. Wie lange dieser Entzug dauert und welche Größenordnung er annimmt sei indes ungewiss. Mario Draghi habe zudem erklärt, bei einer sich fortsetzenden Konjunkturerholung könne die EZB ihre Maßnahmen etwas zurückfahren, ohne die Geldpolitik dadurch restriktiver zu machen. Der EZB-Chef wolle mit einer nur graduellen Anpassung eine Überreaktion der Finanzmärkte vermeiden. Federal Reserve und Europäische Zentralbank verhielten sich mit ihrer vorgetäuschten Entzugstherapie wie wahre Politiker. "Die Notenbanker wissen, dass sie nie mehr zur guten alten Zeit einer normalen Geldpolitik zurückkehren können", urteilt Halver.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Freitag, 7. Juli

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Mai. Nach sehr schwachen Auftragseingängen im April - aufgrund mangelnder Großaufträge - sieht die DekaBank im Mai einen kräftigen Anstieg der Industrieproduktion. Damit werde der Sektor seine gefällige Serie von vier Anstiegen in Folge fortsetzen. Das seien durchaus erfreuliche Werte. Dennoch bleibe der Wert unter den Erwartungen der Einkaufsmanager. Diese hätten einen zehnprozentigen Anstieg im Vorjahresvergleich nahegelegt. Zusammen mit der Bauproduktion und der Energieerzeugung werde es im Produzierenden Gewerbe zu einem Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gekommen sein.

14.30 Uhr. USA: Arbeitsmarktbericht Juni. Nach einem etwas enttäuschenden Vormonat deuten die vorliegenden Frühindikatoren für den amerikanischen Arbeitsmarktbericht im Juni laut DekaBank eine relativ gute Dynamik an. Mit einem Anstieg von 200.000 Beschäftigten erreiche der Jobaufbau nahezu den Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Die Arbeitslosenquote sei in den letzten vier Monaten stets gesunken und habe mit 4,3 Prozent im Mai ein für US-Verhältnisse ungewöhnlich tiefes Niveau erreicht. Die Indikatoren deuteten im Juni auf eine unveränderte Rate. Eher durchwachsen ausgefallen sei die Lohndynamik. Die Jahresrate dürfte nach Einschätzung der DekaBank-Analysten im Juni nur leicht auf 2,6 Prozent angestiegen sein.

Von: Iris Merker 3. Juli 2017,

© Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de

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