Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Rekord in greifbarer Nähe

03.04.2017 - 11:56:23

Börse Frankfurt-News: Rekord in greifbarer Nähe. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 3. April 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Wenige Punkte fehlen dem DAX bis zur bisherigen Rekordmarke, die nach Ansicht technisch orientierter Analysten in dieser Woche vermutlich geknackt wird. Mittelfristig lauern indes Gefahren.

Gut 2,4 Prozent gewann der deutsche Bluechip-Index in der vergangenen Handelswoche hinzu und näherte sich damit der bisherigen Bestmarke vom 10. April 2015 von 12.391 Zählern im Tagesverlauf, bzw. 12.375 Punkte auf Schlusskursbasis.

Viele Analysten rechnen damit, dass der bestehende Rekord zwar in den kommenden Tagen geknackt wird, raten aber gleichzeitig zu erhöhter Wachsamkeit. US-Aktien sind auf Basis der gängigsten Kennziffern inzwischen teurer als 2007 und nahmen bereits ein ausgesprochen positives Wachstumsszenario vorweg, wie etwa Markus Reinwand anmerkt.

"Aktien dies- und jenseits des Atlantiks haben das gegenwärtig fundamental abzuleitende Kurspotenzial ausgeschöpft", urteilt der Helaba-Analyst, der nachhaltig höhere Notierungen in den kommenden Monaten für wenig wahrscheinlich hält. Der niedrige Stand des VIX, des Volatilitätsmessers für US-amerikanische Aktien, deute zwar auf ungebrochenen Optimismus und Gelassenheit bei Aktienanlegern. Gleichzeitig sichere sich so mancher institutionelle Investor gegen größere Rückschläge ab. "Anfällig sind US-Aktien auch aufgrund eines hohen Anteils kreditfinanzierter Käufe. Wertpapierkredite haben in den vergangenen Monaten in den USA neue Höchststände erreicht."

Risiken rücken in den Hintergrund

Für Robert Halver von der Baader Bank wirkt die weiterhin üppige Liquidität hohen Aktienschwankungen entgegen. "In den vergangenen Jahrzehnten seien Aktieneinbrüche immer von restriktiver Geldpolitik eingeleitet worden." Die im März auf 1,6 Prozent gefallene hiesige Inflationsrate gebe der Europäischen Zentralbank aber ein willkommenes Alibi für einen Verbleib auf dem eingeschlagenen Kurs. Zumal eine ähnliche Bremswirkung für die Preisentwicklung im Euroraum zu erwarten sei.

Zwar steht im mittlerweile neunten Jahr des Aktienaufschwungs auch für Halver die Frage im Raum, wann denn endlich die große Trendwende kommt. Immerhin gebe es mit ergebnisoffenen Brexit-Verhandlungen, Angst vor den französischen Wahlergebnissen und einem aktuell wirtschaftspolitisch angeschlagenem Trump genügend durchaus Angriffspunkte. Vielleicht haben die Risiken nachhaltig an Drohpotenzial verloren, wie Halver in den Raum stellt.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Aus technischer Perspektive macht Franz-Georg Wenner vom Börsenbrief ?Index Radar? gleich mehrere Faktoren aus, die für eine Fortsetzung der derzeitigen DAX-Stärke sprechen. Nur noch rund 80 Punkte fehlten dem deutschen Aktienindex zum Wochenschluss bis zur Rekordmarke, die der Markt im April 2015 markierte. "Die psychologische Schwelle sollte nun sehr kurzfristig fallen, nachdem zuletzt sogar eine Trendbeschleunigung einsetzte und der DAX aus einem seit Frühjahr 2016 bestehenden Aufwärtskanal nach oben ausbrach." Auch statistisch gesehen liege der Ball bei den Bullen. Der Abstand von 2,2 Prozent zur 21-Tage-Linie signalisiere noch keine Überhitzung. "Erst ab einem Abstand von rund 4,5 Prozent nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung zu."

Übertragen auf die aktuelle Ausgangslage besteht Wenner zufolge somit bereits Spielraum bis knapp 12.600 Punkte. "Zudem steht mit dem April einer der saisonal stärksten Monate bevor: Auf Basis der vergangenen 20 Jahre liegt die Durchschnittsperformance bei rund 3,2 Prozent bei einer Gewinnquote von 70 Prozent."

Der Weg über dem Rekordhoch werde aber trotz fehlender technischer Barrieren schwierig werden. "Im Dunstfeld der Rekordmarke werden Anleger verstärkt Gewinne realisieren und eine abwartende Haltung einnehmen." Der DAX stehe bereits rund 12 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt und sei auf der mittel- bis langfristigen Achse leicht überkauft. "Atempausen sind daher einzuplanen." Unterstützungen macht Wenner bei 12.090, um 11.850 und 11.700 Punkten aus.

Das Fundament stimmt

"Die 12.400 Punkte-Marke und damit das Allzeithoch wird wohl in dieser Woche geknackt werden", urteilt auch Gregor Bauer. "Erfahrungsgemäß wird es aber nach einem schnellen Durchbruch, der durchaus bis in den Bereich von 12.500 bis 12.600 Punkte laufen kann, zu einem Rücksetzer auf das Ausbruchsniveau kommen."

Kursziele nach oben sind für den unabhängigen technischen Analysten schwer zu bestimmen, da es sich um Neuland handele. Allerdings müssten Anleger mit einer erhöhten Volatilität rund um den Bereich einer solch markanten Chart-Marke rechnen. Die Schwankungen nähmen allein schon deshalb zu, weil zunächst vermehrt kurzfristig agierende Anleger für Bewegung sorgen würden, bevor die weitere Richtung bestimmt werde. "Zurzeit sieht es dabei aber nicht nach einer Trendwende nach unten aus, die fundamentalen Daten stimmen."

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Freitag, 7. April

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Februar. Die kommende Woche ist durch Stimmungsindikatoren aus dem Dienstleistungssektor der Eurozone geprägt, die nach Ansicht der HSBC das bislang konstruktive Konjunkturbild stützen werde. Spannend sei, ob die zuletzt durchweg gute Einschätzung zur Situation in der deutschen Industrie durch harte Daten unterfüttert werde. Die Analysten der Großbank sind zuversichtlich, dass sich das Verarbeitende Gewerbe weiter erholt und rechnen sowohl beim Auftragseingang der Industrie als auch der Industrieproduktion mit Monatszuwächsen von 4 bzw. 0,4 Prozent.

Freitag 7. April

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote März. Die Zeit verfliegt, der gute Eindruck bleibt, fassen die HSBC Analysten die aktuelle Bestformform des einstigen Sorgenkindes der USA zusammen. Die Arbeitslosenquote habe bei tendenziell überdurchschnittlich vielen neuen Stellen mit 4,7 Prozent im Zielbereich der Vollbeschäftigung gelegen. Der Blick auf die Vorlaufindikatoren zur US-Konjunktur ließe wenig Grund erkennen, warum die Unternehmen vom Expansionsgrad abrücken sollten. Der ISM Index für den Dienstleistungssektor als auch das Verarbeitende Gewerbe lägen mit zuletzt 57,6 bzw. 57,7 Punkten deutlich im Wachstumsbereich und würden auch im März kein deutlich trüberes Bild zeichnen. Die aktuelle Beschäftigungssituation würde für die Federal Reserve hinsichtlich der Fortsetzung der eingeschlagenen Geldpolitik deshalb kein "Game Changer" sein. Ein abermals positiver Arbeitsmarktbericht stärke aber das Urteil derjenigen Währungshüter, die sich zuletzt für mehr als drei Zinserhöhungen im laufenden Jahr ausgesprochen hätten.

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Von: Iris Merker

3. April 2017, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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