Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Nur Strohfeuer?

14.11.2016 - 09:36:24

Börse Frankfurt-News: Nur Strohfeuer?. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 14. November 2016. Kurzfristig rechnen Analysten mit einem Schub durch den neuen US-Präsidenten Trump. Längerfristig sehen viele aber Risiken.

Statt Crash die Rallye: Die Reaktion auf den Wahlsieg Trumps fiel ganz anders aus als erwartet, der Dow Jones kletterte am Donnerstag sogar auf ein neues Rekordhoch. "Dies ist wohl auch auf die Aussicht eines kurzfristigen Wachstumsschubs durch die von Trump im Wahlkampf ins Spiel gebrachten Maßnahmen, etwa umfangreiche Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben, zurückzuführen", kommentiert HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sollte Trump allerdings die im Wahlkampf angekündigte protektionistische Handelspolitik umsetzen, werde es mittelfristig auch spürbar negative Effekte für die deutsche Exportbranche geben. "Insbesondere ein verschärfter Handelskonflikt zwischen den USA und China würde den US-Dollar unter Druck bringen und letztlich deutsche Exportgüter für US-Abnehmer verteuern."

Der DAX hatte vergangene Woche um knapp 4 Prozent auf knapp 10.668 Punkte zugelegt, am Montagmorgen notiert der Index bei 10.785 Zählern leicht im Plus. Der Dow Jones hatte am Freitag noch etwas angezogen, blieb aber unter seinem Allzeithoch vom Donnerstag, auf Wochensicht kam der Dow auf ein Plus von über 5 Prozent.

Erst positive Effekte

Die Privatbank Merck Finck sieht den Fokus der Finanzmärkte nach dem "Trump-Schock" in den kommenden Wochen verstärkt auf der Politik. Investoren würden jede Konkretisierung von Trumps Plänen darauf abklopfen, was dies für Wallstreet, Fed & Co bedeuten könne. "Vor allem eher kurzfristig mögliche positive Effekte von Trumps Politik auf den US-Konjunkturtrend könnten nicht nur der Wallstreet zunächst Rückenwind verleihen, sondern auch dem DAX helfen, aus seinem Seitwärtstrend nach oben auszubrechen", erklärt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Während aus heutiger Sicht Trumps Pläne für die US-Wirtschaft kurzfristig eher positiv sein könnten, seien sie langfristig tendenziell eher negativ.

"Amt prägt den Menschen"

Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud hält ein Szenario "das Amt prägt den Menschen" für deutlich wahrscheinlicher als den umgekehrten Fall. Das hieße: Trump vollzieht in einigen Fragen eine 180-Grad-Wende, vergisst Wahlversprechen und wird von den "Realos" im Kongress an entscheidenden Stellen auf den Boden der Realität geholt. "Einige seiner Ansätze wird er jedoch durchziehen", glaubt Traud. So sei mit selektiven Handelsbeschränkungen und Maßnahmen gegen Einwanderung zu rechnen, in der Sozialpolitik sei die Rückabwicklung der Gesundheitsreform wahrscheinlich. "Die Haushalts- und Steuerpolitik wird eher expansiver, Bürokratie und Regulierung werden dagegen tendenziell abgebaut."

Für die Geldpolitik erwartet die Chefvolkswirtin keine großen Änderungen: Die US-Notenbank werde ihren Zinserhöhungszyklus fortführen, jedoch etwas verhaltener als bislang angenommen, die EZB werde weiter sehr expansiv bleiben. "Die Aktienmärkte werden sich nach einer Phase der Unsicherheit wieder stabilisieren, die europäischen Indizes dürften Ende 2017 sogar deutlich höher stehen als jetzt."

Technisch keine Veränderung

Christoph Geyer von der Commerzbank sieht die technische Analyse durch die vergangene Woche bestätigt: So sei der DAX am Morgen nach der Wahl zunächst kräftig eingebrochen, die Markteröffnung sei aber sehr nahe an der Unterstützungslinie erfolgt, die vier Handelstage zuvor erfolgreich getestet worden sei. "Im Tagesverlauf wurden die Verluste nicht nur komplett aufgeholt, sondern es blieb sogar ein Tagesgewinn stehen." Inzwischen sei der DAX an die obere Trendkanalbegrenzung gestiegen, unter technischen Aspekten habe sich somit keine Änderung ergeben. "Der DAX befindet sich weiterhin in einer Seitwärtsspanne. Erst ein Ausbruch in die eine oder andere Richtung wird neue Erkenntnisse bringen."

Laut Christian Schmidt von der Helaba solle sich der DAX, um die Widerstandszone von 10.800 bis 10.827 Zählern zu überwinden, zügig nach oben absetzen, da bereits erste Oszillatoren Richtung Süden drehten. "Gelingt ein Ausbruch auf der Oberseite, lassen sich die nächsten Kursziele bei 10.903 und 10.979 Punkten definieren." Auf der Unterseite biete der Bereich von 10.592/10.552/10.543 Zählern gute Unterstützung, dort verliefen eine Abwärtslinie, die 21- und die 55-Tagelinie sowie ein Retracement.

Die Berichtssaison neigt sich dem Ende zu, in den kommenden Tagen legen unter den DAX-Unternehmen nur noch RWE am Montag und die Merck KGaA am Dienstag ihre Bücher offen.

GeyerGeyer

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Montag, 14. November

Euro Finance Week in Frankfurt. Konferenz bis 18. November zum Thema "Brexit, Banking, Blasenbildung - Chancen und Risiken einer neuen Normalität"

Dienstag, 15. November

8.00 Uhr. Deutschland: BIP 3. Quartal. Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland war laut DekaBank im dritten Quartal wohl unerwartet schwach. Positive Impulse habe es vor allem vom Konsum und den Bauinvestitionen gegeben, dennoch sei der Konsum hinter den Erwartungen zurückgeblieben, von der größten Rentenerhöhung seit mehr als 20 Jahren habe man sich mehr erwartet. Prognostiziert wird ein Plus von 0,2 Prozent im Vorquartalsvergleich.

10.00 Uhr. Deutschland: ZEW Erwartungen November. HSBC Trinkaus geht davon aus, dass die durch das ZEW befragten Finanzmarktexperten deutlich geringere Anpassungen ihrer Erwartungen vorgenommen haben als nach dem Brexit-Votum. Prognostiziert werden -1 nach 6,2 Punkten im Oktober.

Donnerstag, 17. November

14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Oktober. Laut DekaBank ist das Thema an den Finanzmärkten derzeit die "Re-Inflationierung". Dies zeige sich insbesondere an den nun deutlich höher gehandelten Inflationserwartungen im längeren Laufzeitenbereich. Tatsächlich sei auch schon vor der US-Wahl eine steigende Inflationsrate bei den Verbraucherpreisen zu beobachten gewesen. Für den Oktober erwartet die Bank 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das sei die höchste Inflationsrate seit Oktober 2014.

16.00 Uhr. USA: Anhörung von US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Kongress.

Freitag, Samstag, 18./19. November

World of Trading, Deutschlands größte Trading-Messe, Frankfurt

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von: Anna-Maria Borse

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