Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Mit Optimismus in die Schwäche

02.08.2017 - 16:50:23

Börse Frankfurt-News: Marktstimmung: Mit Optimismus in die Schwäche. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 2. August 2017. Trotz schlechter Nachrichten und Preisdruck kaufen mittelfristig orientierte heimische Anleger weiter nach. Und bringen den Markt nach Ansicht von Joachim Goldberg stimmungstechnisch in eine zunehmend ungemütliche Lage.

Es hat fast so etwas wie das Läuten eines Weckers, wenn dem Dow Jones Index wie gestern geschehen knapp vor einer runden Zahl wie der 22.000 und auch noch am Allzeithoch die Luft ausgeht. Abgesehen davon, dass im Gegensatz zum beliebten Dow der breiter gefasste US-Aktienindex S&P 500 zuletzt nur in der vergangenen Woche ein neues historisches Maximum erklommen hat, darf man nicht vergessen, dass Investments in US-Aktien sich nur dann gelohnt haben, wenn man sich aus ausländischer Sicht gegen das Währungsrisiko abgesichert hat. Wer das hingegen nicht getan hat, hat seit Jahresbeginn sogar ein wenig Geld verloren.

Dieser schwache Dollar ist es aber auch, der hiesigen Börsianern angeblich zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Zumal sich auch noch gleichzeitig der Euro nicht nur gegenüber dem US-Dollar in so prächtiger Verfassung präsentiert, dass viele Akteure derzeit kein Ende des Euro-Aufwärtstrends absehen können.

Dabei muss man gar nicht nur an eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit für europäische Exporteure denken. In den Hinterköpfen der Investoren geistert auch noch ein mögliches Ende der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank herum - eine Aussicht, die für das letzte Drittel des seit Jahresanfang begonnenen Aufwärtstrends der Gemeinschaftswährung vielfach verantwortlich gemacht wird.

Dass der DAX seit unserer vergangenen Erhebung temporär nicht einmal 1,4 Prozent an Wert verloren hat, dürfte indes zu großen Teilen auch den Kaufaktivitäten der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren zu verdanken sein. Denn entgegen allen Unkenrufen und trotz der aktuellen Dieselkrise hat sich der bereits in der Vorwoche erkennbare leichte Optimismus nunmehr deutlich verstärkt.

Ob dabei fundamentale Erwägungen - etwa die gute Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone im zweiten Quartal - eine Rolle gespielt haben, oder aber das optisch günstig aussehende Einstiegsniveau beim DAX ausschlaggebend war, sei dahingestellt. Letztlich ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index um 11 Punkte auf einen Stand von +12 gestiegen Punkte. Dies ist das höchste Niveau seit Mitte Februar dieses Jahres, wobei abermals mehrheitlich zuvor neutral eingestellte Marktteilnehmer zur jüngsten Stimmungsverbesserung beigetragen haben.

Privatanleger ziehen nach

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei den Privatanlegern, bei denen sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index um 9 Punkte auf einen Stand von +3 Punkte befestigt hat. Damit ist die Stimmung in diesem Panel zum ersten Mal seit Anfang Mai wieder positiv. Ähnlich wie bei den institutionellen Pendants dürfte für die Privatanleger das als günstig empfundene Einstiegsniveau beim DAX eine entscheidende Rolle gespielt haben.

In der stichtagsbezogenen Betrachtung hat sich die Stimmung der Börsianer gegenüber der Vorwoche deutlich befestigt, während der DAX 0,2 Prozent an Wert verloren hat. Zwar ist der Optimismus absolut betrachtet noch nicht in den Gefahrenbereich vorgedrungen. Bei der Einordnung des heutigen Stimmungsergebnisses im Vergleich zum Gesamtjahr fällt bei den institutionellen Investoren jedoch auf, dass sich deren Börse Frankfurt Sentiment-Index nicht nur deutlich über dem negativen Jahresmittel bewegt. Das bisherige Stimmungshoch liegt für dieses Jahr überdies nur bei +18 Punkte, so dass sich die sentimenttechnische Verfassung des Börsenbarometers gegenüber der Vorwoche sogar verschlechtert hat.

Denn nach wie vor müssen wir bereits bei einem Anstieg des DAX auf ca. 12.450/500 Zähler mit Gewinnmitnahmen durch die Optimisten bzw. durch die Aktienkäufer der vergangenen beiden Wochen rechnen. Da sich gleichzeitig die Nachfragesituation an der Unterseite zwangsläufig verschlechtert hat, bedeutet dies, dass der DAX einer stärkeren Abgabewelle - ausgelöst etwa durch Gewinnmitnahmen ausländischer Investoren - nicht viel entgegenzusetzen hätte.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

@ dpa.de