Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Das neue Trump-Risiko

18.01.2017 - 15:53:25

Börse Frankfurt-News: Das neue Trump-Risiko. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 18. Januar 2017. Die fehlenden Anreize haben sich in Beunruhigung der Investoren gewandelt, dennoch stehen die Ampeln für den DAX eher auf Grün denn auf Gelb.

Zusammenfassung

Professionelle Investoren sind noch bearisher mit -7 Punkten als in der Vorwoche. 2 Prozent sind nicht mehr long und 4 Prozent zusätzlich jetzt short. Immerhin 43 Prozent der Anleger stehen auf der Bärenseite. Aber auch die privaten Anleger haben eine pessimistischere Haltung eingenommen. 9 Prozent sind aus DAX-Aktien raus und 3 Prozent short gegangen. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht mit 1 Punkt fast auf der Nulllinie. Der DAX hat sich im gleichen Zeitraum mit -10 Punkten eher seitwärts bewegt, ohne große Ausreißer.

Waren es vergangene Woche noch die fehlenden Impulse, die Joachim Goldberg vermisst hat, so sieht er jetzt ein klares Ende der Trump-Rallye. Investoren würden allmählich beunruhigt, welche Auswirkungen die neue US-amerikanische Regierung auf die Börse haben könnte. Gleichzeit gibt es nach Ansicht des Verhaltensökonoms erste Anzeichen, dass sich internationale Investoren wieder in europäische Aktien investieren würden.

Allerdings schätzt Goldberg, dass angesichts der engen Handelsbandbreite und der geringen Stimmungsveränderungen seit Jahresbeginn die Positionen der hiesigen Anleger eher klein seien. Unterm Strich "stehen die Zeichen für den DAX immer noch günstig", sei bereits ein Niveau von etwa 11.400 Punkten für potentielle Käufer attraktiv.

Bearishe Engagements scheinen sich derzeit nur für Marktteilnehmer mit einem ausgesprochen geschickten Timing auszuzahlen. Diesen Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man sich die Kursentwicklung des DAX seit unserer vergangenen Stimmungserhebung vor Augen führt. Trotz der Markierung eines neuen Jahreshochs bei 11.692 Punkten vor einer Woche und eines späteren Angriffsversuchs auf die untere Begrenzungslinie unmittelbar vor der Brexit-Rede der britischen Premierministerin May blieb der DAX am Ende in einer seit dem 20. Dezember vergangenen Jahres erkennbaren Konsolidierungsentwicklung oberhalb von rund 11.400 Punkten.

Obgleich sich der DAX im Wochenvergleich gerade einmal um 0,1 Prozent ermäßigt hatte, hat sich die Stimmung der befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren abermals verschlechtert. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist dabei um weitere 6 Punkte tiefer in negatives Terrain vorgedrungen und liegt nun bei einem Stand von -7 Punkten.

Dieser Pessimismus ist durchaus verständlich, da mittlerweile auch internationale Investoren für die Zukunft Handelskriege, Protektionismus und allgemein Fehler der US-Politik befürchten. Diese im Dezember noch nicht in dieser Schärfe wahrgenommenen Risiken treten in der jüngsten BofA Merrill Lynch Umfrage bei Fondsmanagern, die gestern publiziert wurde, deutlich zu Tage.

Mit anderen Worten: Das Vertrauen in die Trump-Rallye scheint seit Jahresanfang zunehmend zu schwinden. Stattdessen scheinen die Investoren zunehmend beunruhigt zu sein, wie sich die Politik der neuen US-Regierung tatsächlich auf den Welthandel und auf die Finanzmärkte auswirken wird. Dennoch gaben immerhin netto 39 Prozent der Investoren an, dass sie - und dies ist der höchste Stand seit 13 Monaten - in Aktien übergewichtet seien. Interessanterweise waren zuletzt jedoch nicht US-Werte am beliebtesten. Vielmehr zeigten sich netto immerhin 17 Prozent der Fondsmanager zuletzt in Euroland-Aktien übergewichtet, im Dezember waren noch netto 1 Prozent der Befragten untergewichtet.

Kapitalzuflüsse scheinen zu stützen

Die Privatanleger scheinen sich dem negativen Trend ihrer institutionellen Pendants nicht entziehen zu können. Auch dort hat sich der Börse Frankfurt Sentiment-Index zurück gebildet. Der Rückgang fiel hier mit 12 Punkten sogar noch deutlicher aus, so dass der Index mit einem Stand von +1 gerade noch einen Hauch von Optimismus aufweist. Auffallend hierbei: Das Bullenlager musste einen Abfluss von 9 Prozentpunkten hinnehmen.

Am Ende bleibt festzustellen, dass die Stimmung vor allem der institutionellen Anlegern seit nunmehr vier Wochen eher düster ist. Und dies, obwohl der DAX gerade einmal eine Handelsspanne von knapp 2,5 Prozent durchschritten hat. Auch fällt auf, dass sich das Börsenbarometer zu den Erhebungszeitpunkten unserer Stimmungsumfrage tendenziell eher verbessert hat. Zumindest haben die Abgaben der Investoren dem DAX nicht wirklich schaden können. Dies mag auch mit frischen Kapitalzuflüssen aus dem Ausland (vergleiche obige Fondsmanager-Umfrage) zusammenhängen, die zwar bislang nicht marktbewegend, aber zumindest stabilisierend gewirkt haben.

Privatanleger reagieren gelassen auf kleine Ausschläge

Im Ergebnis stehen damit die Zeichen für den DAX weiterhin günstig, zumal das Gros der heimischen Akteure im Falle einer deutlichen Korrektur dem DAX mit Rückkäufen der bestehenden Absicherungsengagements stützend zur Seite stehen könnte. Der Referenzpunkt für einen Einstieg liegt nach wie vor bei 11.400 Punkten - ein als attraktiv geltendes Kaufniveau dürfte etwa 1 bis 1,5 Prozent niedriger liegen.

Umfrage bei Twitter

Höher: 54% (+12)

Tiefer: 38% (-5)

Neutral: 8% (-7)

Die heutige Erhebung zeigt per Saldo, dass dem hiesigen Aktienmarkt nicht nur neue fundamentale Impulse, sondern auch große Kapitalströme zu fehlen scheinen. Angesichts der bislang engen Handelsbandbreite und der überschaubaren Stimmungsveränderungen der ersten beiden Wochen dieses Jahres ist davon auszugehen, dass die Engagements der mittelfristig orientierten Marktteilnehmer keine allzu großen Volumina aufweisen. Dafür spricht auch die typischerweise vorsichtige Herangehensweise der Akteure zum Jahresbeginn. Im Ergebnis stehen die Zeichen für den DAX immer noch günstig, wobei für etwaige Käufer nach wie vor das Niveau von etwa 11.400 Zählern als recht attraktiv gelten dürfte.

von: Joachim Goldberg

18. Januar 2017.

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