Kolummne, Deutschland

Börse Frankfurt-News: Anleger bleiben entspannt

25.09.2017 - 11:26:24

Börse Frankfurt-News: Anleger bleiben entspannt. FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 25. September 2017. Auch die voraussichtlich zähen schwarz-gelb-grünen Koalitionsverhandlungen kann die Sorglosigkeit von Investoren kaum erschüttern. Für technisch orientierte Analysten hat der DAX Luft nach oben.

Ein Plus von knapp 0,6 Prozent schaffte der DAX in der vergangenen Woche, seit Anfang September gewann der hiesige Bluechip-Index 4,45 Prozent hinzu. Die drohende Eskalation des Nordkorea-Konflikts beunruhigte nach Beobachtung von Markus Reinwand nur kurzzeitig. Mittlerweile seien Marktteilnehmer wieder zur Tagesordnung übergegangen. Der Helaba-Analyst macht dies an der Bewegung der impliziten Aktienmarktvolatilität fest, die sich bereits wieder nahe historischer Tiefs bewege. Geopolitische Risiken ließen Anleger bislang offensichtlich ebenso kalt wie der allmählich aufkommende geldpolitische Gegenwind, in die Spitze laufende Frühindikatoren und eine hohe Bewertung. Selbst eine schwierige Regierungsbildung hierzulande scheint Anleger kaum zu erschüttern.

Montagmorgen steht der DAX nach leichten Anlaufschwierigkeiten mit 12.608 Punkten knapp 1 Prozent im Plus.

Homöopathischer Entzug

Einen Grund für die Gelassenheit sieht Robert Halver in der geplanten Umsetzung des geldpolitischen Strukturwandels in den USA. Im Rahmen des schrittweisen Abbaus ihrer 4,5 Billionen US-Dollar schweren Bilanz werde die Federal Reserve zunächst auf die Wiederanlage fällig werdender Anleihen in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar verzichten. Quartalsweise werde diese Summe bis Oktober 2018 dann um jeweils 10 Milliarden US-Dollar gesteigert. Danach gehe es in Schritten von 50 Milliarden US-Dollar weiter. "Was sich zunächst epochal anhört, führt bei genauerer Betrachtung auf Jahressicht lediglich zu einer Verringerung der Bilanzsumme um 7 Prozent.", berechnet der Analyst der Baader Bank. Das sei nicht wirklich eine kompromisslos falkenhafte Geldpolitik. Zudem halte sich die US-Zentralbank ein Hintertürchen offen, da sie den Zeitraum und Zielwert ihrer Bilanzverkleinerung offenlasse.

Aktien bleiben attraktiv

Sicherlich werde durch den Abbau der Bilanz über die graduelle Erhöhung von Anleiherenditen am langen Ende - bei Vernachlässigung von Leitzinserhöhungen - eine steilere US-Zinsstrukturkurve geschaffen. Diese werde US-amerikanischen Banken verstärkte Anreize schaffen, Geld zu günstigen Notenbankzinsen auszuleihen und zu höheren Kreditzinsen weiterzugeben. Das stabilisiert Halver zufolge eine schuldentrunkene Volkswirtschaft wie die der USA und stütze sogar die US-Aktienmärkte fundamental.

Andere Schleusen weit geöffnet

Auch international bleibe das Argument pro Aktien bestehen. Immerhin sorgten die Bank of Japan und EZB nach wie vor für üppige Liquidität. Zumindest die europäischen Währungshüter werden nach Ansicht von Helaba-Analystin Claudia Windt ihre Deckung nicht so schnell aufgeben. Nach der gestrigen Bundestagswahl werde sich zeigen, ob und wie Europa umgebaut werden könne und in welchem Ausmaß die Pläne des französischen Präsidenten Macron dabei zum Tragen kämen.

Rekord in greifbarer Nähe

Aus technischer Perspektive könnte der DAX nach Auffassung von Karen Szola Einbußen der vergangenen Monate durchaus wieder wettmachen. Der deutsche Aktienindex habe eine entwickelte Konsolidierungsflagge Anfang September trendkonform nach oben verlassen und seit Juni rund 500 Zähler hinzugewonnen. Doch während die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 aktuell mit neuen Bestmarken glänzten, bewege sich das deutsche Börsenbarometer seit zwei Wochen recht zaghaft und schwankungsarm nur leicht gen Norden. Bis zum Juni-Rekord bei 12.951 Punkten trennten den DAX noch 2,4 Prozent - für die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online ist dies ein durchaus erreichbares Kursziel. "Ob sich in den nächsten Wochen dann auch noch die unter psychologischen Gesichtspunkten massive 13.000er-Hürde nachhaltig überwinden lässt, ist derzeit noch zu bezweifeln."

Um jetzt nicht noch den Gipfelsturm bis zum Allzeithoch-Niveau zu gefährden, solle der DAX tunlichst nicht mehr unter die Unterstützung um 12.300 Zähler zurück rutschen. In diesem Bereich lägen eine Horizontale sowie die 55-Tage-Linie. "Brenzlig würde es, sofern der Index unter die bei 12.158 Punkten notierende 200er-Durchschnittslinie abgleitet." Dem würde ein Test der nachfolgenden Unterstützungen um 11.900 und später um 11.500 DAX-Zähler folgen. Auf letzterem Niveau wären Szola zufolge aus Fibonacci-Sicht 50 Prozent der Aufwärtswelle zwischen November 2016 und Juni 2017 korrigiert.

Kaum Störfaktoren

Nachdem der DAX vor der Wahl in seinem Widerstandsbereich zwischen 12.460 und 12.650 Punkten festgeklebt habe, sieht auch Gregor Bauer Chancen für eine Aufwärtsbewegung. "Aus fundamentaler Sicht ist der Markt nicht überbewertet, so dass die Seitwärtskonsolidierung abgeschlossen sein sollte", begründet der unabhängige technische Analyst. Auch aus den USA blieben negative Konjunktur-Impulse aus, so dass einzig der Nordkorea Konflikt Verunsicherungspotenzial beinhalte.

Das charttechnische Kursziel liegt für Bauer im Bereich des DAX-Allzeithochs. Sollte der Index indes nach unten ausbrechen und den Bereich um 12.400 Punkte durchbrechen, liege die nächste massive Unterstützung um 12.000 Zähler. "Diese würde dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch angesteuert." Der nächste Halt folge um 11.400 bis 11.500 Punkte.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Donnerstag, 28. September

14.00 Uhr. Deutschland: Konsumentenpreise September. Trotz überzeugender Lage am Arbeitsmarkt bleibt der zugrundeliegende Preisdruck nach Meinung der HSBC gering. Im zweiten Quartal seien die Tariflöhne mit 2,1 Prozent im Vorjahresvergleich laut Bundesbank sogar wieder langsamer als in den drei Monaten zuvor gestiegen. Das Lohnniveau zumindest moderat beschleunigen könnten die zentralen Tarifverhandlungen im öffentlichen Sektor sowie der Metall- und Elektroindustrie, die allerdings erst um den Jahreswechsel stattfänden. Bis dahin rechnen die Analysten der Bank temporär mit einem erneuten Anstieg der Inflation auf 1,9 Prozent, bevor Basiseffekte bereits am Jahresende wieder für niedrigere Teuerungsraten sorgen würden.

Freitag, 29. September

11.00 Uhr. Euroraum: Konsumentenpreise September. Ähnlich gestalte sich die Preisentwicklung in der gesamten Eurozone. Den erwarteten Anstieg von 1,5 auf 1,6 Prozent im Vorjahresvergleich führt die HSBC vor allem auf höhere Energiepreise zurück. Die Kernrate der Inflation aufs Jahr gerechnet werde im Betrachtungszeitraum gar von 1,2 auf 1,1 Prozent gefallen sein. Das untermauere einmal mehr den niedrigen Preisdruck. Die Aufwertung des Euro werde für zusätzlichen Gegenwind bei der Preisentwicklung sorgen und der Europäischen Zentralbank das Leben erschweren. EZB-Präsident Mario Draghi habe jüngst betont, die Entwicklung der Einheitswährung genauestens zu beoachten.

von: Iris Merker 25. September 2017, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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