Toyota Motors, JP3633400001

BERLIN - Neue Abgas-Software in rund 5,3 Millionen Dieselautos soll den Ausstoß des Atemgiftes Stickoxid zurückdrängen und drohende Fahrverbote in Städten verhindern.

02.08.2017 - 18:59:24

Neue Software für 5,3 Millionen Diesel - Kritik an Gipfelbeschluss. Das ist das Kernergebnis des Dieselgipfels von Politik und Autobranche am Mittwoch in Berlin. Es gab aber auch massive Kritik daran. Die Autokonzerne versprachen bei dem Spitzentreffen Updates der Abgasreinigung, aber keine Umbauten am Motor.

will den Umstieg auf Hybridfahrzeuge mit einem Zuschuss erleichtern. Ford hatte ebenfalls einen "Umweltbonus" zwischen 2000 und 8000 Euro bei der Verschrottung alter Diesel-Fahrzeuge bis zum Baujahr 2006 angekündigt. Auch Daimler kündigte einen "vierstelligen" Umweltbonus für Euro 4-Fahrzeuge an.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagierte enttäuscht auf die Gipfelbeschlüsse. "Mit der Entscheidung für reine Software-Updates, die nicht einmal verpflichtend sind, werden Fahrverbote unausweichlich", erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Erneut haben sich die Autohersteller gegen die Interessen von Verbrauchern und Umweltschützern durchgesetzt." Auch Greenpeace kritisierte die Ergebnisse scharf: "Saubere Diesel sind den Konzernen zu teuer, und die Politik lässt es ihnen durchgehen." Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kommentierte, der Dieselgipfel sei "grandios gescheitert". Daher würden die von der DUH in 16 Städten betriebenen Klagen unverändert fortgesetzt und die in mehreren Städten beschlossenen Diesel-Fahrverbote durchgesetzt.

'ERHEBLICH AN VERTRAUEN VERLOREN'

Vor dem Treffen in Berlin hatte die Politik mehr Bewegung bei den Herstellern gefordert. "Die Automobilindustrie ist sich bewusst, dass sie erheblich an Vertrauen verloren hat", räumte der VDA ein. Daimler-Chef Dieter Zetsche räumte ein, es sei Vertrauen in die Autoindustrie verloren gegangen. VW-Konzernchef Matthias Müller sprach von "berechtigter Kritik". BMW-Chef Harald Krüger sagte: "Wir sind uns dem Ernst der Lage, in der die Automobilbranche ist, bewusst."

Der Marktanteil von Diesel-Neuzulassungen ist seit Monaten auf Talfahrt. Immer neue Berichte über mögliche Abgas-Manipulationen, Differenzen zwischen Abgaswerten auf dem Prüfstand und im realen Verkehr sowie eine breite Debatte um Fahrverbote für ältere Diesel-Modelle haben offensichtlich für Verunsicherung gesorgt. Viele Städte haben mit zu hohen Stickoxid-Werten durch Diesel-Abgase zu kämpfen.

ADAC: ERSTER SCHRITT IN RICHTIGE RICHTUNG

Der ADAC sprach mit Blick auf den Gipfel von einem "ersten Schritt in die richtige Richtung, sieht aber erhebliche Lücken. Der Deutsche Städtetag hält Fahrverbote für Diesel in Innenstädten für noch nicht ausgeschlossen. "Falls die Grenzwerte weiterhin nicht eingehalten werden, ist zu befürchten, dass Gerichte für einzelne Städte Fahrverbote verlangen", erklärte Präsidentin Eva Lohse (CDU), zugleich Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen.

@ dpa.de