Produktion, Absatz

BERLIN / HANNOVER - Die Geflügelbranche will sich gleich zum Start am geplanten staatlichen Tierwohl-Label beteiligen.

14.11.2016 - 16:38:24

Geflügelbranche will beim Tierwohl-Label mitmachen. "Wir müssen dabei sein, es geht gar nicht ohne uns", sagte der neue Präsident des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, der Deutschen Presse-Agentur.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) will das Siegel Anfang 2017 bei der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche in Berlin vorstellen. Damit soll Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden können, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen. Geplant ist ein Start mit Schweinefleisch, möglicherweise auch mit Geflügelfleisch.

"Ein nationales Label sollte die Verbraucher in der Breite und nicht nur in Nischen ansprechen", sagte Ripke. "In der ersten Stufe müssen messbare, reproduzierbare Kriterien als Grundlage dienen, die der Tierhalter auch dokumentieren muss." Ein Indikator für die Gesundheit von Geflügel sei zum Beispiel der Zustand der Fußballen. Der Verband fordert, bei dem Label das Herkunftsland zu kennzeichnen. "Der Verbraucher muss erkennen können, wo das Fleisch herkommt."

Zu Vorschlägen, bei Fleisch wie bereits bei Eiern generell die Art der Haltung zu kennzeichnen, äußerte sich Ripke zurückhaltend: "Es ist nicht so einfach wie beim Ei. Es geht um mehrere Tierarten mit sehr unterschiedlichen Haltungsformen."

Der Bauernverband forderte zur Fachmesse "EuroTier", die bis Freitag in Hannover läuft, das vom Ministerium geplante Label müsse eng mit der privatwirtschaftlichen Initiative Tierwohl verzahnt werden. "Ein Parallelsystem würde enorme Kosten verursachen", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Initiative Tierwohl wird vom Handel mitgetragen: Pro Kilogramm verkauftem Schweine- oder Geflügelfleisch zahlen die Märkte einen bestimmten Betrag in einen Fonds. Daraus erhalten teilnehmende Landwirte Geld, wenn sie in ihren Ställen bessere Haltungsbedingungen schaffen als vom Gesetzgeber gefordert. Mehrere Tierschutzorganisationen haben sich bereits aus der Initiative zurückgezogen. Sie halten sie für wenig wirksam.

Geflügelverbands-Präsident Ripke sagte, generell sei der Tierschutz in der Geflügelhaltung schon weit: "Der Verzicht aufs Schnabelkürzen bei Legehennen läuft in den Ställen schon." Ab 1. Januar 2017 soll laut einer Selbstverpflichtung der Branche komplett darauf verzichtet werden. Junghennen werden die Schnäbel gekürzt, um Federpicken und Kannibalismus unter den Tieren zu verhindern. Antibiotika kämen seltener zum Einsatz.

Um das Massentöten männlicher Küken zu beenden, unterstützt die Geflügelwirtschaft die angestrebte Forschungslösung. "Ich bin dafür, dass wir die Geschlechtsbestimmung im Ei so schnell wie möglich anwenden", sagte Ripke. Damit soll erreicht werden, dass männliche Küken gar nicht erst schlüpfen. "Da die Geräte recht teuer sind, ist eine staatliche Förderung erforderlich, insbesondere auch für kleinere Brütereien."

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 48 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen und zu wenig Fleisch ansetzen. Kritiker wollen einen gesetzlichen Stopp. Nur auf sogenannte Zweinutzungshühner zu setzen, die sowohl für ihre Eier als auch für ihr Fleisch gehalten werden, sei nicht nachhaltig, sagte Ripke: Deren Futterverwertung sei schlecht, die Eier seien unregelmäßig und hätten keine glatte Schale.

Die Branche fordert auch, den Verkauf von Stopfleber zu verbieten. "Tierschutzwidrige Praktiken dürfen nicht über den Umweg der Vermarktung Akzeptanz erfahren", heißt es in einem Positionspapier des Verbands, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Gänse- und Entenfleisch aus Stopfleberproduktion im Ausland müsse zudem gekennzeichnet werden. In Deutschland dürfen Enten und Gänse nach dem Tierschutzgesetz nicht "gestopft" - also zwangsernährt - werden. Der Verkauf von importierten Stopfleberprodukten ist aber erlaubt.

Derzeit hat die Geflügelbranche mit dem Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland zu kämpfen. Bislang ist das Virus H5N8 in einem Massenbetrieb in Schleswig-Holstein nachgewiesen, 30 000 Hühner wurden gekeult. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in der Bodenseeregion gab es Fälle von Vogelgrippe. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel. Der Verband der Geflügelwirtschaft hatte sich vor einigen Tagen für eine bundesweite Stallpflicht ausgesprochen.

@ dpa.de

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