Regierungen, Deutschland

(Ausgefallenes Wort ergänzt.

29.12.2016 - 12:20:25

WDH/ROUNDUP: Gewerkschaften und Wirtschaft machen bei Rente Druck

BERLIN - Mit Warnungen vor steigender Altersarmut machen die Gewerkschaften weiter Front für ein radikales Umsteuern in der Rentenpolitik. Sie begrüßten die Pläne von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) gegen einen Verfall des Rentenniveaus, sehen sie aber als ungenügend an. Die Arbeitgeber warnten hingegen vor einem Angriff auf Beitrags- und Steuerzahler.

"Was wir brauchen, das ist ein echter Kurswechsel", sagte der Chef der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Rund elf Millionen Arbeitnehmern drohten künftig Minirenten. "Das bedroht den Zusammenhalt der Gesellschaft."

Nahles hatte im November ein Konzept vorgelegt, nach dem das Rentenniveau bis 2045 nicht unter 46 Prozent, möglichst sogar nicht unter 48 Prozent sinken soll.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wertete das auch als Ergebnis seines Eintretens für höhere Renten. "Unsere Rentenkampagne hat schon Wirkung gezeigt", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der dpa. Nötig sei aber ein Rentenniveau von 48, in einem weiteren Schritt von etwa 50 Prozent. Das Rentenniveau beschreibt den Abstand der Rente zu den Löhnen.

Bsirske begrüßte, "dass Frau Nahles im Grundsatz vom alleinigen Paradigma der Beitragssatzstabilität abkehrt". Das herrschende Rentenparadigma besage, die Beiträge dürften nicht steigen, das Rentenniveau aber dürfe sinken. Nötig seien deutlich mehr Steuergeld für die Rente und eine Anhebung des Beitragssatzes über die bisher festgeschriebene Grenze. Sie liegt bis 2030 bei 22 Prozent.

Die Arbeitgeber warfen Nahles und der SPD dagegen geplante massive Beitragslasten vor. "Erwirtschaften geht vor Verteilen", mahnte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Nötig seien gute Bedingungen für mehr Beschäftigung. "Das bedeutet eine höhere Erwerbstätigkeit der Frauen, eine flexible Altersgrenze und Zuwanderung dort, wo wir Fachkräftemangel haben", sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warf Nahles vor, keinen fairen Ausgleich zwischen den Generationen schaffen zu wollen. Präsident Rainer Dulger sprach von "Angriffen auf die Beitrags- und die Steuerzahler". Dulger sagte der dpa, man dürfe "nicht immer noch mehr Beiträge von den aktiv Beschäftigten abrufen und an eine Rentnergeneration bezahlen, die die bestversorgte aller Zeiten" sei. Das Renteneintrittsalter müsse an die Lebenserwartung angepasst werden.

Auch der CDU-Wirtschaftsrat forderte diesen Schritt. Um das Rentensystem abzusichern, müsse das steigende Lebensalter mit der Lebensarbeitszeit gekoppelt werden, sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger der dpa. Das würde bedeuten, dass die Menschen in der Regel länger arbeiten müssen. Die Linken forderten einen verstärkten Kampf gegen Altersarmut.

Die Verbraucherzentralen traten für ein neues Angebot der privaten Altersvorsorge für alle Arbeitnehmer ein. Die von Banken und Sparkassen angebotenen Produkte der Riester-Rente seien häufig zu teuer, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der dpa. Stattdessen solle der Staat den Rahmen für "ein einfaches, klares, kostengünstiges Standardprodukt" setzen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Demonstrationen gegen Arbeitsmarktreform in Frankreich. Sie versammelten sich im ganzen Land zu Demonstrationen und Blockaden, berichteten französische Medien am Donnerstag. Die Ende August vorgestellte Reform soll am Freitag von der Regierung verabschiedet werden. Sie ist eine Feuerprobe für den im Mai gewählten Macron. PARIS - In Frankreich protestieren wieder viele Menschen gegen die geplante Arbeitsmarktreform von Präsident Emmanuel Macron. (Wirtschaft, 21.09.2017 - 14:14) weiterlesen...

WDH/ROUNDUP: Puerto Rico ohne Strom - Hurrikan 'Maria' verwüstet Karibikinsel (Im dritten Absatz wurde der zweite Satz umformuliert. (Boerse, 21.09.2017 - 13:25) weiterlesen...

Europa-SPD mahnt britische Regierungschefin May zu Finanzzusagen. "Wir verhandeln den Brexit, eine der aufwendigsten Trennungen der Moderne, kein Basar-Geschäft", sagte ihr Chef Jens Geier am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. BRÜSSEL - Die SPD im Europaparlament zeigt sich zunehmend verärgert über die britische Linie bei den Verhandlungen über den EU-Austritt. (Wirtschaft, 21.09.2017 - 12:56) weiterlesen...

Wirtschaft: EU-Kanada-Handelspakt Ceta ist 'starkes Signal'. "Es ist wichtig, dass die EU gerade jetzt bei der Frage weltweit offener Märkte mit Partnern vorangeht", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur. BERLIN/BRÜSSEL - Die deutsche Wirtschaft hofft nach dem vorläufigen Inkrafttreten des europäisch-kanadischen Handelspaktes Ceta auf weitere Freihandelsabkommen. (Boerse, 21.09.2017 - 11:54) weiterlesen...

Puerto Rico ohne Strom - Hurrikan 'Maria' verwüstet Karibikinsel SAN JUAN - Überflutungen, zerstörte Häuser, ein landesweiter Stromausfall: Die Karibikinsel Puerto Rico ist von einem der stärksten Stürme seiner jüngsten Geschichte getroffen worden. (Boerse, 21.09.2017 - 10:14) weiterlesen...

US-Börsenaufsicht: Hacker machten möglicherweise Insidergeschäfte. Die Schwachstelle, die das ermöglicht habe, sei schnell gestopft worden, betonte die SEC in der Nacht zum Donnerstag. WASHINGTON - Unbekannte Hacker sind im vergangenen Jahr in Systeme der US-Börsenaufsicht SEC eingedrungen und haben erbeutete Informationen möglicherweise für verbotene Insidergeschäfte benutzt. (Boerse, 21.09.2017 - 09:11) weiterlesen...