Öl, Gas

AMHERST / LINCOLN - Nur wenige Tage nach einem aufsehenerregenden Pipeline-Leck fällt im Streit um den Bau einer neuen 1900 Kilometer langen Ölrohrleitung in den USA eine wichtige Entscheidung.

19.11.2017 - 16:56:24

Wichtige Entscheidung im Streit um neue Pipeline in USA. Als letzter betroffener Bundesstaat wird Nebraska bekanntgeben, ob er der Betreiberfirma TransCanada grünes Licht für die Umsetzung des Projektes, der Keystone XL, gibt.

Sie soll die bisherige Keystone-Pipeline erweitern, aus der am vergangenen Donnerstag fast 800 000 Liter Öl ausgetreten waren. Gegner des Vorhabens, darunter Umweltschutzgruppen, örtliche Farmer und indigene Stämme, sehen sich durch das Unglück in ihrem Widerstand bestätigt.

Die Keystone-Pipeline ist Teil eines etwa 4300 Kilometer langen Systems, durch das aus Teersand gewonnenes Öl aus der kanadischen Provinz Alberta nach Oklahoma und Illinois in den USA transportiert wird. Die geplante Keystone XL soll zwei Punkte auf der bisherigen Keystone-Route verbinden und damit das System ergänzen. Ein weiterer südlicher XL-Abschnitt von Oklahoma bis zur texanischen Küste am Golf von Mexiko ist bereits in Betrieb.

In Nebraska gingen auch am Wochenende Aktivisten von Tür zu Tür, um Einwohner auf die anstehende Entscheidung und mögliche Folgen aufmerksam zu machen. Allerdings darf die zuständige Behörde nach Medienberichten bei ihrem Votum keine Umweltbedenken ins Kalkül ziehen, da das Projekt bereits unter diesem Gesichtspunkt freigegeben worden ist. Bei der anstehenden Entscheidung gehe es lediglich um die Frage, ob die neue Pipeline wirtschaftlich im öffentlichen Interesse liege. Gibt die Behörde grünes Licht, hat TransCanada die letzte Regulierungshürde genommen, aber gerichtliche Verfahren könnten das Projekt weiter verzögern.

Auch gilt es als nicht völlig ausgeschlossen, dass das Unternehmen am Ende selber auf den Bau verzichtet. In den USA ist die Ölförderung in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass TransCanada möglicherweise nicht mehr genügend Abnehmer für ihr Produkt finden könnte.

Derweil arbeitet die Firma mit Hochdruck an der Reparatur des Lecks, das am Donnerstagmorgen (Ortszeit) nahe Amherst in South Dakota aufgetreten war. Die Firma entsandte nach eigenen Angaben 75 Arbeiter an die Unglücksstelle. Die Ursache für das Leck wird weiter untersucht, TransCanada sprach zunächst nur vage von einem "Ausrüstungsversagen". Hinweise, dass Trinkwasser verseucht wurde, gab es bislang nicht. Das betroffene Gebiet ist spärlich bevölkert, und es gibt dort auch nur wenig Viehhaltung.

Um das Leck bei Amherst zu reparieren, muss der betroffene Teil der Röhre in South Dakota ausgegraben werden. Die Arbeiten könnten Wochen dauern. TransCanada hatte am Donnerstagmorgen den Pipeline-Betrieb zwischen Kanada und Oklahoma sowie Illinois gestoppt, um den Ölaustritt unter Kontrolle zu bringen. Der südliche Teil bis zum Golf von Mexiko ist nicht betroffen.

Das Pipeline-Projekt ist unter anderem deshalb stark umstritten, weil das Rohr zum Teil durch ein Wasserreservoir-Gebiet führen würde. So hatte der seinerzeitige US-Präsident Barack Obama den Bau wegen Umweltbedenken untersagt. Sein Nachfolger Donald Trump hob diese Entscheidung auf.

@ dpa.de

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