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PARIS - Nach dem Wahlsieg gegen die EU-feindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen will Frankreichs kĂŒnftiger PrĂ€sident Emmanuel Macron das zerrissene Land wieder zusammenfĂŒhren.

08.05.2017 - 08:34:24

Wahlsieger Macron will gespaltenes Frankreich einen. "Ich werde mit allen KrĂ€ften gegen die Spaltung kĂ€mpfen, die uns zermĂŒrbt und entmutigt", sagte der Mitte-Links-Politiker nach seiner historischen Wahl. Macron will am Montagvormittag an der Seite des scheidenden Amtsinhabers François Hollande an der traditionellen Gedenkzeremonie zum Sieg ĂŒber Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg teilnehmen.

rechnen Experten mit ZuwÀchsen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird aktuell 0,6 Prozent fester erwartet.

Der Euro konnte kurzzeitig von dem deutlichen Wahlsieg Emmanuel Macrons profitieren und kletterte ĂŒber die Marke von 1,10 US-Dollar. Am Morgen fiel die GemeinschaftswĂ€hrung wieder auf 1,0990 Dollar zurĂŒck. "Die Wahl in Frankreich ist entschieden, ein Ende der politischen Verunsicherung ist aber noch immer nicht absehbar", schreibt Ralf Umlauf, Devisenexperte von der Landesbank Hessen-ThĂŒringen (Helaba).

MACRON ÜBERNIMMT BEREITS AM SAMSTAG

Der 39-jĂ€hrige Macron wird spĂ€testens am kommenden Sonntag (14. Mai) als jĂŒngster französischer PrĂ€sident aller Zeiten die Macht im ÉlysĂ©epalast ĂŒbernehmen. Es ist ĂŒblich, dass der amtierende Premierminister seinen RĂŒcktritt einreicht, damit der neue PrĂ€sident auch eine neue Regierung bilden kann - wen Macron zum Premier machen will, ist noch nicht bekannt. Der Wahlsieger steht nun vor der Herausforderung, bei den Parlamentswahlen im Juni eine Mehrheit fĂŒr seine Politik zu bekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die EU-Spitze begrĂŒĂŸten das Ergebnis. Denn die Front-National-AnfĂŒhrerin Le Pen wollte den Euro als normales Zahlungsmittel abschaffen und die Franzosen ĂŒber die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Das hĂ€tte die krisengeschĂŒttelte EuropĂ€ische Union tief ins Mark treffen können. Auch die Achse Berlin-Paris wĂ€re gebrochen gewesen.

MACRON ERREICHT GUT 66 PROZENT DER STIMMEN

Macron war am spĂ€ten Sonntagabend zum Klang der Europahymne vor Tausende jubelnde AnhĂ€nger am Pariser Louvre getreten. Frankreich habe ein neues Kapitel seiner Geschichte aufgeschlagen, sagte er: "Die Aufgabe ist gewaltig." Am Ende kamen seine Frau Brigitte und Wahlkampfmitarbeiter zu ihm auf die BĂŒhne, um die französische Nationalhymne Marseillaise zu singen.

Nach fast vollstĂ€ndiger AuszĂ€hlung der Stimmen erreichte Macron in der Stichwahl gut 66 Prozent, Le Pen knapp 34 Prozent. Le Pen holte damit nach Anzahl der Stimmen das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer rechtsextremen Partei Front National - obwohl die politische Mitte sich nach dem ersten Wahlgang hinter Macron gestellt hatte, um Le Pen zu verhindern. Gut 10,6 Millionen Franzosen votierten fĂŒr die 48 Jahre alte Kandidatin.

WAHLBETEILIGUNG BEI 75 PROZENT

Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 75 Prozent, rund drei Prozentpunkte niedriger als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Etwa vier Millionen Franzosen entschieden sich in der zweiten Runde dafĂŒr, entweder einen leeren Wahlumschlag abzugeben ("weiße Stimme") oder ungĂŒltig zu stimmen - das ist laut dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos ein Rekord. Politische Kommentatoren in Frankreich werteten dies als Zeichen, dass viele Franzosen auch Macrons Programm kritisch sehen. Der kĂŒnftige PrĂ€sident rĂ€umte ein, dass sein Sieg keine Blankovollmacht sei.

Der frĂŒhere Wirtschaftsminister und Investmentbanker steht nun vor gewaltigen Herausforderungen. Frankreichs Wirtschaft hinkt in Europa hinterher, die Arbeitslosigkeit liegt mit rund 10 Prozent viel höher als in Deutschland. Als wichtige Aufgabe nannte Macron auch den Antiterrorkampf. Frankreich wurde seit 2015 von einer islamistischen Anschlagsserie erschĂŒttert, fast 240 Menschen wurden ermordet.

TRUMP GRATULIERTE

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert teilte mit, die Kanzlerin freue sich darauf, "im Geist der traditionell engen deutsch-französischen Freundschaft vertrauensvoll mit dem neuen PrĂ€sidenten zusammenzuarbeiten". EU-KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker twitterte: "Gemeinsam fĂŒr ein stĂ€rkeres und gerechteres Europa." Auch US-PrĂ€sident Donald Trump gratulierte dem Pariser Amtskollegen in spe, nachdem er im Wahlkampf auf Le Pen gesetzt hatte.

Macron will noch am Montag den Vorsitz der von ihm vor gut einem Jahr gegrĂŒndeten Bewegung "En Marche!" niederlegen, wie aus seinem Umfeld verlautete. "En Marche!" will Kandidaten fĂŒr die Parlamentswahlen in rund sechs Wochen aufstellen. Ohne Mehrheit in der Nationalversammlung wĂ€re Macron gezwungen, eine Regierung zu ernennen, der auch Politiker eines anderen politischen Lagers angehören - das könnte seinen Handlungsspielraum stark einschrĂ€nken.

LE PEN WIRD IHRE PARTEI WOHL IN NÄCHSTE WAHL FÜHREN

Eine derartige "Kohabitation" gab es zuletzt von 1997 bis 2002 mit dem Konservativen Jacques Chirac als PrÀsidenten und dem Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister.

Le Pen ließ durchblicken, dass sie ihre Partei im Juni in die Parlamentswahlen fĂŒhren werde. Sie kĂŒndigte einen "tiefgreifenden Umbau" der Front National an. FN-Vize Florian Philippot sagte, seine Partei werde sich in eine neue politische Kraft verwandeln und dann auch nicht mehr denselben Namen tragen. Le Pen verfolgt seit Jahren die Strategie, der rechtsextremen Partei ein gemĂ€ĂŸigteres Auftreten zu verschaffen und damit neue WĂ€hlerschichten zu erschließen.

Bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Kriegsendes wird Hollande der Tradition gemĂ€ĂŸ zunĂ€chst einen Kranz an der Statue von Charles de Gaulle an der Pariser Prachtstraße Champs-ÉlysĂ©es niederlegen, danach ist eine Zeremonie am Triumphbogen geplant.

@ dpa.de