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22.11.2016 - 12:47:01

Nordea Asset Management: Zwei Prozent sind Gold wert

Witold Bahrke, Macro Strategist bei Nordea Asset Management:

Denken Sie voraus und passen Sie Ihre Renditeerwartungen an

Hand aufs Herz: Ist eine jährliche Rendite von zwei Prozent für ein Rentenportfolio attraktiv? Viele Anleger dürften mit dem Kopf schütteln, mögen sie doch an die durchschnittlichen 7,4 Prozent denken, die sie mit US-Staatsanleihen zwischen 1990 und 2008 erzielen konnten. Aber fragen Sie sich selbst einmal, wie viele Investoren vor ein paar Jahren erwartet hätten, mit Staatsanleihen negative Renditen einzufahren. Wer hätte gedacht, dass Staaten auch noch Geld dafür bekommen, sich zu verschulden? Was damals unverschämt erschien, ist heute Realität. Angesichts der aktuellen Nullzinsen erscheint eine Rendite von zwei Prozent doch gar nicht so schlecht, oder?

Die grundsätzliche Frage ist, ob zwei Prozent in Verbindung mit geringer Volatilität nicht nur kurzfristig, sondern auch über einen ganzen Investitionszyklus eine ordentliche Rendite sind. Wir glauben schon. Die Gründe für unsere Meinung sind tief im aktuellen Makro-Umfeld verwurzelt.

Wachstum, Zinssätze, Renditen: Tendenz abwärts Denken Sie daran: Das Wirtschaftswachstum gehört beim Investment langfristig zu den wichtigsten Renditetreibern. Wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben, bedeuten schwache Wachstumserwartungen zugleich schwache erwartete Renditen und allgemein niedrige Zinssätze. Das globale Wachstum hat sich von 4,8 Prozent im Jahr 2005 auf (erwartete) 2,9 Prozent für 2016 verringert. Bei 2,5 Prozent wäre die Rezessionsschwelle erreicht - dies entspräche einem niedrigen Wachstum, was aber soweit noch stabil wäre. Im gleichen Zeitraum sind die Zinssätze für zehnjährige US-Staatsanleihen von 4,4 auf derzeit 1,8 Prozent kurz vor der US-Wahl gesunken. All dies scheint nicht zu überraschen, wenn man die übliche Beziehung zwischen Wachstum, Renditen und Wertentwicklung der Investments berücksichtigt. Mit anderen Worten: Die Frage, ob eine erwartete Rendite von zwei Prozent aus Ihrem Rentenportfolio attraktiv ist, ist eine Frage des Wirtschaftswachstums. Um dies zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, wie es zur aktuellen Wachstumsmalaise gekommen ist.

Demografie und geringe Produktivität sind zwei Hauptfaktoren für den globalen Trend in Richtung niedrigeren Wachstums. Zum einen fällt die Anzahl derer, die Jahr für Jahr in den Arbeitsmarkt eintreten. Zum anderen sind diese potentiellen Arbeitskräfte nicht mehr im Stande, die Produktion im gleichen Maße zu steigern wie noch vor wenigen Jahren - der Produktivitätszuwachs zeigt somit nach unten. Die Gründe dafür sind zum Teil bekannt, teilweise aber auch eine Blackbox. Der demografische Faktor ist einfach zu erklären: Die Babyboomer verabschieden sich Schritt für Schritt vom Arbeitsmarkt. Das schwache Produktionswachstum hat jedoch verschiedene Gründe. Einer ist, dass die Dynamik der IT-getriebenen Produktivitätszuwächse von 1995 bis 2005 heute größtenteils nachgelassen hat. Bisher gibt es noch keine Nachfolger für ähnliche Wachstumstreiber. Ungenügende Investitionen in Infrastruktur und Bildung könnten ein weiterer Grund für den Produktionsengpass sein.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Hauptfaktoren für das geringe Wachstum - sowohl Demografie als auch Produktivität - sich mittelfristig nicht verbessern werden. Dies bedeutet einen Rückgang des gesamten BIP- Wachstums. Die demografische Entwicklung ist für die kommenden Jahre relativ klar vorauszusehen und die schwache Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre lässt für die Produktivität der kommenden Jahre nichts Gutes ahnen. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist die aktuelle Generation, die in die US-amerikanische Erwerbsbevölkerung eintritt, schlechter ausgebildet als die vorherige - eine wirklich beunruhigende Entwicklung.

Die Quintessenz: Zwei Prozent Rendite sind gar nicht so schlecht Lassen Sie uns im Hinblick auf die Wachstumserwartungen und Renditen der US-Wirtschaft als größte Volkswirtschaft der Welt konkreter werden. Das Bevölkerungswachstum an sich wird in den kommenden Jahren nur ein BIP- Wachstum von 0,5 Prozent erzeugen. Wenn wir die Auswirkungen der IT- Revolution einmal auslassen und davon ausgehen, dass der Zeitraum vor 1995 für die Erwartungen für die Zukunft repräsentativer ist, sollte die Produktivität etwa 1,25 Prozent zum US-BIP-Wachstum beitragen. Weiterhin müssen wir die geringere Arbeitsqualität und das gesunkene Bildungsniveau der Erwerbsbevölkerung berücksichtigen. Das Ergebnis ist ein mittelfristiges BIP-Wachstumspotenzial in den USA von rund 1,5 Prozent - das ist deutlich geringer als die 3 bis 3,5 Prozent, die wir bis 2005 genossen haben.

Bei diesen Renditen im Rentenbereich bedeutet dieser makroökonomische Hintergrund für US-Staatsanleihen eine Erwartung von jährlichen Renditen von 0,2 Prozent. Wenn wir das Risiko vergrößern, erwarten wir bei US- Investmentgrade-Unternehmensanleihen mittelfristig eine Rendite von 0,8 Prozent und im Hochzinsanleihen-Segment von 2,2 Prozent. Für europäische fest verzinsliche Anlagen sind die Renditeerwartungen sogar noch ernüchternder. Mit anderen Worten: Die Fondsindustrie wird kämpfen müssen, um historische Renditen in ihren Portfolios zu erzielen. Es sei denn die Fondsmanager geben ihre risikoarmen Strategien auf.

Fazit: Wir stecken in einem schwachen Wachstumsumfeld fest. Die Trends der oben beschriebenen Wachstumstreiber sind ein globales Phänomen. Dieses Dilemma beschränkt sich nicht auf die USA und wird sich auch nicht so schnell verbessern. Angesichts der schlechten Wachstums- und Renditeerwartungen, die aus dieser Analyse hervorgehen, ist es nicht selbstverständlich, positive Renditen in einem volatilitätsschwachen Umfeld zu generieren.

Auch sei daran erinnert, dass ein schwaches Wachstum immer ein permanent höheres Risiko darstellt, in eine Rezession - und damit eine höhere Ungewissheit - zu geraten. Dies macht es noch schwieriger, die Renditeziele gepaart mit einer geringen Risikobereitschaft zu erreichen.

Übrigens: Da die oben beschriebenen Wachstumstreiber die meisten Investmentrenditen beeinflussen, gibt es kaum eine Möglichkeit, dem Trend zu entkommen. Das Makro-Umfeld hat sich den zugrunde liegenden strukturellen Problemen angepasst. Anleger sollten das Gleiche tun, indem sie ihre Renditeerwartungen den wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen. Alles in allem erscheint eine jährliche Rendite von zwei Prozent mit begrenztem Risiko für uns also sehr attraktiv.

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*30.09.2016

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