BAYER AG, DE000BAY0017

FRANKFURT - Die in der Vorwoche nach einer Gewinnwarnung ins Trudeln geratenen Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer um 0,97 Prozent auf 112,10 Euro.

03.07.2017 - 11:29:25

AKTIE IM FOKUS: Bayer bleiben nach Gewinnwarnung unter Druck. Damit konnten sie zunächst aber den Rutsch unter das Tagestief vom Freitag bei 111,55 Euro verhindern, als die Leverkusener für Umsatz- und Gewinn niedrigere Prognosen angekündigt hatten.

Gründe sind unerwartet hohe Warenbestände im brasilianischen Pflanzenschutzgeschäft sowie ein schwächeres Abschneiden der Sparte Consumer Health. Die Jahresprognosen sollen bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal Ende Juli angepasst werden. Das operative Jahresergebnis (Ebitda vor Sondereinflüssen) im Agrarchemie-Bereich wird laut Bayer im Gesamtjahr einmalig mit 300 bis 400 Millionen Euro belastet.

Analyst Alistair Campbell von der Berenberg Bank rechnet damit, dass die Aktie nach dem starken ersten Halbjahr nun bis zum Abschluss der Monsanto-Übernahme erst einmal weniger gut laufen wird. So zählten die Aktien in den ersten sechs Monaten des Jahres mit einem Plus von mehr als 14 Prozent zu den Favoriten im Dax, der um rund die Hälfte zulegte. Die Papiere hätten von Anzeichen einer Erholung des Agrarchemie-Sektors profitiert, erklärte Campbell. Angesichts der nun offenkundig gewordenen Probleme in Brasilien nehme die Unsicherheit aber zu.

Der Deal mit Monsanto soll bis Ende des Jahres in trockenen Tüchern sein. Dabei machten die Leverkusener jüngst einen weiteren Schritt nach vorne: Das Vorhaben wurde nun auch zur Genehmigung bei der EU-Wettbewerbsbehörde eingereicht. Brüssel wird sich zwar vermutlich Zeit nehmen, dennoch halten Kartellexperten eine Entscheidung bis zum Jahresende nach wie vor für möglich. Die Übernahme des US-Saatgutherstellers berücksichtigt Analyst Campbell zwar bei seinem leicht auf 121 angehobenen Kursziel. Das Potenzial der Aktien reiche aber nicht mehr für eine Kaufempfehlung aus, erklärte er und stufte sie auf "Hold" ab.

Analyst Michael Leuchten von der schweizerischen Großbank UBS hält den Kursrutsch infolge der Gewinnwarnung für überzogen, aber auch ein Stück weit nachvollziehbar. Auch er habe seine Gewinnerwartungen für das laufende Jahr reduziert. Allerdings sei eine Einmalbelastung wie in diesem Fall bei Bayer keine allzu große Sache. Zudem stehe der wohl anstehenden Senkung der Unternehmensprognosen im Bereich Consumer Health eine offenbar starke Entwicklung des Pharmageschäfts gegenüber, für das der Unternehmensausblick zulegen könnte. Der Experte rechnet zudem mit Blick auf den Gesamtkonzern mit einer langfristig positiven Geschäftsentwicklung und behielt sein Kursziel von 125 Euro bei.

Trotz dieser optimistischen Einschätzung traut der UBS-Analyst den Papieren damit aber zumindest vorerst nicht den Sprung auf ein Rekordhoch zu. Das hatten die Bayer-Anteilsscheine im April 2015 bei 146,45 Euro erreicht. Zwischenzeitlich war es dann bis Mai 2016 um mehr als 40 Prozent nach unten gegangen. Die seither laufende Erholung wurde nun jäh durch die Gewinnwarnung ausgebremst.

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