Während das deutsche Aktienbarometer weiter nach oben klettert und zur Wochenmitte ein neues Sechs-Monats-Hoch erreichte, mahnen viele Charttechniker zur Vorsicht. Zwar habe der DAX wichtige Marken übersprungen, gebannt sei die Gefahr eines abermaligen Einbruchs aber keineswegs. Über dessen Ausmaß gehen die Meinungen auseinander. Anleger sind ohnehin ganz anderer Ansicht, wie die aktuelle Umfrage der Börse Frankfurt zeigt: Nach einem Stimmungstief in der Vorwoche ist der Optimismus deutlich gestiegen, die Bullen haben das Zepter wieder fest in der Hand.
Zwei Schritte vor, einer zurück
Für Sophia Wurm von der Commerzbank ist das technische Bild für den DAX zwar durchaus gut, kurzfristig sollte aber mit Rückschlägen gerechnet werden. Der Index befindet sich seit September 2011 in einer mittelfristigen Aufwärtsbewegung, wie Wurm erläutert. "Seit Mitte Dezember hat sich, ausgehend von einem Kursniveau von 5.640 Punkten, ein beschleunigter Aufwärtstrend ergeben, dessen Aufwärtstrendlinie derzeit bei etwa 6.550 liegt", erläutert die Analystin.
Einerseits habe sich durch die Bewegung der vergangenen Wochen ein mittelfristig positives Gesamtbild herausgebildet, andererseits sei durch Kursgewinne von sieben Wochen in Folge eine kurzfristig überkaufte Lage entstanden. "Als Konsequenz sollte mit Blick auf die kommenden Handelstage eine kurzfristige Konsolidierung nicht überraschen." Aus mittelfristiger technischer Sicht deute sich weiterhin ein Test der nächsten Widerstandszone bei 6.800 bis 7.000 Punkten an. "Hierbei sollte eine Abschwächung des zuletzt sehr hohen Aufwärtsmomentums einkalkuliert werden."
Keine neue Hausse
Christian Henke von der WestLB ist pessimistischer: Zwar habe der DAX zuletzt entscheidende Marken übersprungen und sogar die wichtige Trendgerade bei 6.200 Punkten und die Widerstandslinie bei 6.500 überwunden. Dennoch steht das Aktienbarometer Henke zufolge nicht am Beginn einer Hausse. "Erst wenn der DAX Ende Februar nachhaltig über der genannten Widerstandslinie schließt, liegen auf allen Zeitebenen Kaufsignale vor."
Fall auf Septembertief möglich
Im Moment spreche aber einiges gegen einen weiteren Vormarsch, etwa seien die neuen DAX-Höchststände nicht durch neue Hochs beim Momentum bestätigt worden. "Auf Wochenbasis ist der heimische Leitindex deutlich überkauft." Auch sei der gleitende Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage bei aktuell 6.329 Punkten zwar überwunden worden, die Glättungslinie falle allerdings noch. "Erst wenn die Durchschnittslinie signifikant nach oben dreht, wäre dies ein mittelfristiges Kaufsignal. Die Gefahr einer klassischen Bullenfalle ist noch nicht gebannt."
Henke rechnet daher mit einer technischen Konsolidierung in Richtung der Widerstandszone bei 6.200 Zählern. Darunter warteten Haltelinien bei 6.026/6.024 sowie bei 6.040/6.090 Punkten. Doch es könnte noch schlimmer kommen: "Anschließend könnte der DAX in den kommenden Monaten das Jahrestief 2011 bei 4.965 Zählern vom 12. September ansteuern."
Anlegerstimmung wieder viel besser
Anleger, die besonders für Bluechips vor einer Woche noch ziemlich schwarz gesehen haben, sind mittlerweile wieder klar optimistisch, wie die Umfrage der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren zeigt. Der Bull/Bear-Index macht einen großen Sprung von 44,4 auf 55 Punkte und liegt damit wieder oberhalb der Trennlinie von 50 Punkten. 11 Prozent der Befragten haben ihre Short-Positionen verkauft, 8 Prozent sind zum Bullenlager übergelaufen, das nun 45 Prozent der Anleger ausmacht. Das Bärenlager schrumpft auf 36 Prozent. Für Technologiewerte verbessert sich die Stimmung ebenfalls, wenn auch nicht ganz so deutlich: Hier kletterte der Bull/Bear-Index von 52,1 auf 58,6 Punkte.
Der Index misst das Maß an Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkten zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Ob das Sentiment in diesem Fall als Kontraindikator funktioniert, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.
© 8. Februar 2012 / Anna-Maria Borse
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


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