Börse Frankfurt-News:
Vergrößern Börse Frankfurt-News: "Auf dem Parkett geht eine schrille Party ab" | Bild: © uschools

Nur noch eine Woche und die diesjährige Karnevals-Saison steuert auf ihren Höhepunkt zu. Alaaf und Helau heißt es jedoch schon jetzt auf dem Börsenparkett. Denn seit dem Jahreswechsel steigt die Stimmung unter den Anlegern nahezu täglich. Der fulminante Jahresstart mit einem Plus von rund 800 Punkten etwa beim DAX hat wohl die allermeisten Anleger überrascht und Investoren euphorisiert. Eine gewisse Nähe zum Karneval liegt also nicht nur zeitlich vor.

Doch während beim "Närrischen Treiben" das Ende zum Aschermittwoch genau so klar benannt ist wie der Startzeitpunkt am 11.11. um 11 Uhr 11, ist es an der Börse höchst ungewiss, wie lange die Party anhält bzw. wie weit der Aufstieg noch reicht, gemessen in Indexpunkten.

Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen, ist es wichtig, die Antriebsfedern der Hausse zu identifizieren. Sicherlich kommt die vielfach besser als befürchtete Konjunktur ebenso zum Tragen wie eine generelle erhöhte Investitionsbereitschaft zu Jahresbeginn. Auch wirken verschiedene positive Unternehmensdaten sowie Hoffnungen auf Lösungen in der Schuldenthematik. Doch der wichtigste Treiber ist sicherlich die als "Medizin" für das Schuldenproblem gedachte umfangreiche Liquidität, die in die Märkte strömt und auf die Investoren einen gewissen Investitionsdruck ausübt. Vor dem Hintergrund der niedrigen Leitzinsen und der großen Unsicherheit bei einigen Staatsanleihen steigt somit die relative Attraktivität der Aktien.

Die anziehenden Kurse wiederum lösen weitere positive Signale in den Chartbildern aus und das ist ein weiteres Argument für die "Bullen" auf dem Parkett. Der eben genannte Anlagedruck erhöht sich ebenso. Denn all diejenigen, die im Auftrag Dritter Gelder verwalten (und diese Klientel macht nun mal einen großen Teil der Anlegerschaft aus), sind mit jedem Punktanstieg im DAX bei einer Unterinvestition mit mehr Fragen aus der eigenen Kundschaft konfrontiert, warum denn bitte diese Performance nicht vollumfänglich mitgenommen wird, oder um es im eingangs genannten Bild auszudrücken, warum die "Party verpasst" wird.

Somit erleben wir dieser Tage ein Musterbeispiel einer Hausse, welche die Hausse nährt. Dabei sein macht Sinn, doch ist die Frage nach dem Ende der Fahnenstange durchaus berechtigt.

Jede Näherung an die Antwort auf diese Frage über die reinen Indexstände respektive die korrespondierenden Bewertungsrelationen hilft nur bedingt weiter. Denn es ist nun mal keine Aufschwungsphase, die primär von Unternehmensdaten geprägt ist, sondern eine Liquiditätshausse, die von Geld und Stimmung getragen ist. Geld wird weiter massiv zur Verfügung gestellt werden, aus diesem Kreislauf kommen die Notenbanken so schnell nicht raus. Aber die Stimmung kann sich schnell drehen, wenn ein externer Schock die Märkte trifft.

Ein großer Rückschlag in der Staatsschuldenkrise mit einer oder gar mehrerer ungeordneter Insolvenzen von "Problemstaaten" wäre so ein Anlass. Ebenso eine kriegerische Auseinandersetzung in Nahost, was kein abwegiges Szenario ist, aber auch vielen Anlegern kaum präsent scheint. Überraschend und wirkungsvoll wäre auch eine Abkehr der Notenbanken von der Politik des billigen Gelds, wenn sich zuvor die Inflation stark erhöht.

Was auch immer passiert: Es spricht einiges dafür, dass der momentane Trend nicht seicht, sondern eher abrupt gestoppt wird. Dies jedoch scheint kein Szenario für die ganz nahe Zukunft sein. Das wiederum eröffnet die Chance, dass zumindest Börsianer über den Aschermittwoch hinaus von berauschten Gefühlen ergriffen sind

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© 9. Februar 2012/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der 'Platow Börse' und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)