DAX, IWF

Für Chinas Volkswirtschaft galt bislang das olympische Motto „Schneller, Höher, Stärker".

Geht dem chinesischen Drachen das Feuer aus?. Das Land der Mitte erfüllte das Klischee einer Weltkonjunktur-Lokomotive, die immer mehr an die Stelle der USA trat.

Geht dem chinesischen Drachen das Feuer aus?

Für Chinas Volkswirtschaft galt bislang das olympische Motto „Schneller, Höher, Stärker". Das Land der Mitte erfüllte das Klischee einer Weltkonjunktur-Lokomotive, die immer mehr an die Stelle der USA trat.

Doch Anfang 2015 blieben die wirtschaftlichen Frühlingsgefühle aus: Das Wachstum hat sich im I. Quartal 2015 im Vorjahresvergleich auf 7 nach zuvor 7,3 Prozent verlangsamt. Insbesondere ernüchternd ist, dass sowohl Aus- als auch Einfuhren eingebrochen sind.

Die Importe als Spiegelbild der binnenkonjunkturellen Stimmung liegen auf einem Niveau wie zuletzt zu Zeiten der Finanzkrise. Die chinesische Binnenkonjunktur leidet unter staatlichen Kreditbeschränkungen und einem selbst für chinesische Verhältnisse nicht mehr so robusten Arbeitsmarkt. Vor diesem Hintergrund setzt auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor seinen zwar langsamen, aber stetigen Abwärtstrend fort.

Ebenso hat sich die Exportstimmung verschlechtert: Der Subindex „Exportneuaufträge“ des chinesischen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe ist mit einem Wert von zuletzt 48,3 den sechsten Monat in Folge gefallen.

Kein hard landing Chinas, da…

Ein Wirtschaftseinbruch Chinas ist aber nicht zu befürchten. Laut Projektionen des IWF wird das Wachstum 2015 mit 6,8 Prozent und 2016 mit 6,3 Prozent immer noch robust sein.

…die Regierung weiter auf Binnenwirtschaft setzt…

Die Pekinger Regierung nimmt die konjunkturellen Warnsignale ernst. Die Genehmigung von Investitionsprojekten hat sie bereits beschleunigt. Zudem plant sie neue Konjunkturpakete. Grundsätzlich genießt die Stärkung der Binnennachfrage zum wirtschaftlichen Risikoausgleich oberste Priorität im Fünfjahresplan Pekings.

…die Energiepreise günstig sind…

Diese volkswirtschaftliche Umbauphase erfährt Unterstützung von günstigen Rohstoffpreisen. Die Ölpreisschwäche erhöht die Kaufkraft der Konsumenten und die Unternehmensmargen. Diesen Entlastungsfaktor spiegelt auch die Wertentwicklung der Aktienmärkte der Schwellenländer wider, die zwischen Ländern unterscheidet, die als Industriestandorte von gesunkenen Rohstoffpreisen profitieren und denen, die als Förderländer darunter leiden: Neben Indien zeigt auch China gegenüber dem Energieförderland Russland und Brasilien als Produzent von Industriemetallen relative Stärke.

…und die People’s Bank of China in den Währungsabwertungswettlauf eintritt

Der chinesische Renminbi ist der exportseitig „Leidtragende“ der Währungsabwertungspolitik der EZB und der Bank of Japan. Gegenüber den wichtigsten Exportkonkurrenzwährungen aus Japan, Südkorea, Indien, den USA und der Eurozone hat der Renminbi seit 2011 im Trend und seit Mitte 2014 rasant an Wert gewonnen.

Da die chinesische Regierung ihre immer noch bedeutende Exportindustrie stützen will, wird sie es anderen Zentralbanken gleichtun und noch stärker auf einen geldpolitischen Lockerungspfad einschwenken. Während sie den Zinssenkungspfad schon beschreitet, wird sie zukünftig ihre Liquiditätsausstattung noch deutlicher ausweiten. Absolut betrachtet mutet diese zwar schon gewaltig an. Doch signalisiert die deutliche Erholung des chinesischen Aktienmarkts bereits die „Vorfreude“ auf zukünftige noch höhere Liquiditätszuführungen.

Mit China geht die Liquiditätshausse auf Welt-Tournee

Sollte die Liquiditätsoffensive der People’s Bank of China tatsächlich japanische oder eurozonale Züge annehmen, spricht dies für eine weitere Beschleunigung der chinesischen Aktienhausse.

Dieser Effekt ist ohnehin zu erwarten, da die chinesische Regierung ihrer Bevölkerung, die auf Vermögensverluste im mittlerweile zur Schwäche neigenden Immobilienmarkt mit Unmut reagiert, mit Aktiensparen eine Alternative zur Vermögensanlage bieten will. In diese Richtung wirken auch die gelockerten Finanzmarktregulierungen, wonach Kleinanleger nun u.a. eine Vielzahl von Aktiendepots unterhalten können.

Neben der weiteren Aufblähung der Kreditblase im chinesischen Schattenbankensystem nimmt Peking über eine zentral geplante Liquiditätshausse die Entstehung einer Aktienblase billigend in Kauf. Bereits aktuell sind Parallelen zur früheren Dotcom-Blase, konkret zum Neuen Markt, unverkennbar.

Aktuelle Marktlage und Anlegerstimmung

Immerhin wächst die Weltwirtschaft laut IWF-Schätzungen mit 3,5 Prozent in diesem und 3,8 im nächsten Jahr stärker als 2014 mit 3,4 Prozent. Eine gewisse fundamentale Unterfütterung der geldpolitischen Aktienhausse ist damit bereits gegeben. Grundsätzlich richtet sich der Anlegerfokus immer mehr auf die sich bessernde Konjunkturstimmung in Deutschland und der Eurozone.

Die bisherigen Krisenthemen Griechenland und Ukraine werden von den Märkten weitgehend ignoriert. Ohnehin gestalten sich die Verhandlungen in der Griechenland-Frage zäh. Laut EU-Kommission ist erst am 11. Mai eine Lösung zu erwarten. Der GREXIT bleibt Marktthema.

Die Zahlungsunfähigkeit der „Bad Bank“ der Hypo Alpe Adria namens Heta sorgt bei Banken und Versicherungen zwar für Abschreibungen, diese beschwören aber keine Systemrisiken herauf.

Darüber hinaus bleiben die erwarteten Negativimpulse für die Aktienmärkte von der US-Berichtsaison für das zurückliegende I. Quartal 2015 bislang aus. Unter anderem konnten JPMorgan, Wells Fargo und Intel die Erwartungen der Analysten übertreffen.

Nicht zuletzt bleibt die Risikoaversion an den Aktienmärkten im Vergleich sehr gering: Auf Basis des Volatilitätsindex VDAX für die nächsten 30 Handelstage liegt die theoretische DAX-Handelsspanne zwischen 11.509 und 12.812 Punkten.

Charttechnik: Für DAX und Euro Stoxx 50 freundlich

Im DAX verläuft der erste Widerstand bei 12.219 und schließlich an der oberen Begrenzung des langfristigen Aufwärtstrendkanals bei derzeit 12.712 Punkten. Im Fall einer Kaufpanik könnte der Index sogar die obere Begrenzung des seit Januar 2015 bestehenden Aufwärtstrendkanals bei zurzeit 13.264 Punkten ansteuern. Im Fall einer technischen Gegenreaktion trifft der Index schon an der unteren Begrenzung des seit Januar etablierten Aufwärtstrendkanals bei zurzeit 12.095 Punkten auf eine Unterstützung. Wird diese unterschritten, warten weitere Unterstützungen bei 11.600 und 11.400 Punkten.

Der Euro Stoxx 50 hat seinen seit 15 Jahren bestehenden langfristigen Abwärtstrend deutlich überwunden. Nach einer bald möglichen Verschnaufpause dürfte der Index die nächsten Barrieren bei 3.914 und 4.130 Punkten ansteuern. Darüber eröffnet sich Kurspotenzial bis zu einem massiven Widerstand bei rund 4.582 Punkten. Im Fall einer Konsolidierung findet der Index an seiner Unterstützung bei 3.740 Punkten den ersten Halt. Knapp darunter dürfte der seit März bestehende kurzfristige Aufwärtstrend bei derzeit 3.685 Punkten für Aktienneukäufe sorgen.

Und was passiert in der KW 17?

Auf Unternehmensebene geht in den USA die Berichtsaison für das I. Quartal 2015 in die nächste Runde. Während Morgan Stanley von einem starken Handelsgeschäft profitiert, dürfte IBM im Rahmen der Konzernumstrukturierung weiteren Gegenwind verspüren. Yahoo kann sich nicht von dem Preisdruck bei Online-Werbung befreien. Coca-Cola und McDonald’s bekommen die Nachfrageschwäche auf dem Heimatmarkt zu spüren. Das Ergebnis von Microsoft dürfte keine negativen Überraschungen bereithalten. Bei den exportsensitiven Unternehmen Caterpillar, General Motors und Procter & Gamble wird mit Spannung erwartet, inwieweit sich die US-Dollar-Stärke niedergeschlagen hat.

Makroseitig zeigt sich in Asien die Konjunkturstimmung laut Einkaufsmanagerindices in Japan und China verhaltener. In den USA deutet der vom Datenanbieter Markit veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe auf eine konjunkturelle Stabilisierung hin, während die Auftragseingänge für langlebige Güter im März Dollar-Stärke bedingt erneut Enttäuschungspotenzial bieten. Die im Trend rückläufigen wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe signalisieren, dass die US-Arbeitsmarktschwäche nur temporär war.

In der Eurozone hellt sich die Konjunkturstimmung gemäß den Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe weiter auf. In Deutschland bestätigen erneut ein weiter steigender ifo Geschäftsklimaindex den konjunkturellen Erholungspfad ebenso wie die ZEW Konjunkturerwartungen.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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