«Es ging uns bei der Blockade des Films gar nicht um den Film selbst», sagt Hauke Hoffmann von der Sozialistischen Linken (SOL), die sich im B5 trifft. Kritikmaximierung habe mit ihrer Präsenz im B-Movie im Stadtteil St. Pauli, das direkt an das B5 angrenzt, «einen Gegenpol zu unseren politischen Positionen» setzen wollen, ergänzt Werner Hoppe, der ebenfalls dem B5 angehört. Das habe man nicht akzeptieren können. Medienberichte, nach denen bei der Blockade antisemitische Äußerungen wie «Ihr Judenschweine» gefallen seien, wies Hoppe zurück. «Das ist für mich eigentlich nicht kommentierungswürdig. Menschen, die solche Ausdrücke verwenden, hätten bei uns Hausverbot.»

Tatsächlich scheint es bei den Auseinandersetzungen weniger um den Film selbst zu gehen, als um einen Machtkampf zwischen rivalisierenden Gruppen innerhalb des linken Spektrums. «Bei den Leuten vom B5 handelt es sich um Antiimperialisten, bei denen von Kritikmaximierung um Antinationale», sagt Hamburgs Verfassungsschutzchef Heino Vahldieck auf ddp-Anfrage. «Überspitzt gesagt, identifizieren sich Erstere zu 100 Prozent mit den Palästinensern und Letztere zu 100 Prozent mit den Israelis.» Gleichwohl seien beide Gruppen als linksextremistisch einzustufen. Dass es im Oktober bei der geplanten Filmvorführung zu Ausschreitungen kam, ist Vahldieck zufolge «nichts Überraschendes».

Als das Programmkino B-Movie den Film am 25. Oktober gemeinsam mit Kritikmaximierung zeigen wollte, hatten Mitglieder des B5 den Eingang mit einem symbolischen Nachbau eines israelischen Checkpoints blockiert. Den etwa 30 bis 40 gewalttätigen Demonstranten wird vorgeworfen, die Kinobesucher als «Ihr Judenschweine» beschimpft sowie sie bespuckt und geschlagen haben. Die Veranstalter hatten die Filmvorführung daraufhin abgesagt. Lanzmann sowie jüdische Organisationen in Hamburg hatten sich schockiert gezeigt.

«Den Checkpoint aufzubauen war vielleicht nicht so gelungen», sagte ein Teilnehmer der Filmvorführung am Mittwochabend im B5 in der anschließenden Diskussion. Dadurch sei damals die Situation vor dem Kino eskaliert. «Es war falsch, etwas zu verhindern, man hätte darüber diskutieren müssen.» Die Idee, den Film nun selbst zu zeigen, sei «genau richtig», um eine Debatte darüber anzustoßen.

Andere sind da weniger gesprächsbereit. «Mit diesen Leuten kann man nicht diskutieren», heißt es da. Mitglieder von Kritikmaximierung hätten im B5 «Hausverbot». Den Film, der nach allgemeiner Einschätzung der Teilnehmer an diesem Abend pro-israelisch ist, in unmittelbarer Nähe des B5 vorführen zu wollen, sei eine Provokation gewesen. Dass er nun vom B5 selbst gezeigt werde, sei dennoch richtig, um innerhalb der Gruppe darüber reden zu können. «Der Film ist kritikwürdig, das heißt aber nicht, dass er hier nicht gezeigt werden kann», sagt ein weiteres B5-Mitglied.

Antisemitische Äußerungen fallen an dem Abend nicht. Umso polemischer fällt dagegen die Kritik an der israelischen Politik aus. «Die Gruppen im B5 werden im Verfassungsschutzbericht aufgeführt, das heißt, dass wir sie als extremistisch einstufen und beobachten», sagt Vahldieck. Obwohl auch Kritikmaximierung als linksextremistisch eingestuft wird, werde diese Gruppe aufgrund mangelnder Bedeutung im Verfassungsschutzbericht nicht ausdrücklich erwähnt. Beide Gruppen stünden sich in «fundamentaler Opposition» gegenüber.

Der Hamburger Polizei seien darüber hinaus «bis heute keine Personen bekannt, die am 25. Oktober durch Nötigungen, Körperverletzungen oder ähnliches geschädigt worden sind», sagt Vahldieck. «Es hat sich schlichtweg niemand als Opfer einer Straftat zu erkennen gegeben.» Derweil führt die Staatsanwaltschaft Ermittlungen im Zusammenhang mit den Krawallen. Bei der für Sonntag angekündigten Demonstration und der Wiederholung des Films im B-Movie wird die Polizei präsent sein. Einem Polizeisprecher zufolge sei aber davon auszugehen, «dass es ruhig bleibt».

Um den Film «Warum Israel» aus dem Jahr 1972 hingegen wird es so schnell wohl nicht ruhig in Hamburg werden. So kündigte unterdessen auch der Club «Uebel & Gefährlich» an, die Dokumentation am 18. Januar in Anwesenheit von Regisseur Lanzmann präsentieren zu wollen.

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