Dreierwalde (dapd-nrd).
«Autofahren für Blinde und Sehbehinderte» ist der Name der außergewöhnlichen Aktion des Fahrtechnik und Ausbildungszentrums (FAZ) Salzbergen, bei der 60 blinde oder stark sehbehinderte Menschen erstmals das Gefühl erleben können, selber ein Auto zu lenken. Nicht nur für die behinderten Menschen ist dieser Tag ein besonderes Erlebnis.
Auch für Ewald Rühlmann, Leiter des FAZ, das mit Unterstützung des örtlichen Lions-Clubs die Veranstaltung organisiert und durchführt, ist der Tag unvergesslich. Er freut sich vor allem über die Begeisterung der Blinden, die normalerweise die Autos nur vom Beifahrersitz kennen. «Es war einfach nur ergreifend, wie sich diese Menschen gefreut haben», sagte Rühlmann, «es flossen bei vielen der Teilnehmer Tränen der Freude.»
Gemeinsam mit ihren Betreuern hatten sich die Sehbehinderten auf Anzeigen beworben, mit denen das FAZ und der Lions-Club in Blindenzeitschriften eingeladen hatte, einmal die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, ein Fahrzeug zu steuern.
Insgesamt zehn Fahrschulwagen mit Schaltgetriebe oder Automatik stehen den Teilnehmern zur Verfügung, um unter der sachkundigen Anleitung von ehrenamtlich mitarbeitenden Fahrlehrern das volle Programm eines Fahrsicherheitstrainings zu absolvieren. Nach der Fahrt ist Claus Maier vom Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen, der als einer der ersten Fahrer auf dem Parcours war, überwältigt von dem Erlebten: «Es ist ein Supergefühl und hat richtig Spaß gemacht', sagt Meier, der unter dem Beifall der Zuschauer problemlos zwei Vollbremsungen hinlegte.
Begeistert war auch der älteste Teilnehmer in der Fahrerriege: «Unser ältester Teilnehmer wird in diesem Jahr 82 Jahre alt», erzählt Ewald Rühlmann. «Das war ein Mann, wie ein Baum. Der Mann freute sich so, dass er am liebsten jedem, den er habhaft werden konnte, um den Hals gefallen wäre.»
Schon jetzt ist sich FAZ-Chef Rühlmann sicher, dass es nicht das letzte Mal war, dass er und sein Team Blinden und Sehbehinderten die Möglichkeit zum Autofahren gegeben haben. So gibt es bereits erste Anfragen aus den Niederlanden, ob eine ähnliche Veranstaltung auch dort zu organisieren wäre.
Für Rühlmann, der sich mit seinem Fahrtechnik und Ausbildungszentrum der Prävention in der Verkehrssicherheit verschrieben hat, ist das Fahrerleben für Blinde und Sehbehinderte mehr als nur ein Freizeitabenteuer. Es sei auch ein Schritt zu mehr Verständnis füreinander, betont er. Sehbehinderte, die sich auf ihr feines Gehör und Gefühl verließen, hätten es immer schwerer im Straßenverkehr, da die Autos immer leiser würden.
Da könne das Wissen der Autofahrer um die Probleme der Blinden und Sehbehinderten schon sehr viel helfen. Und auf der anderen Seite könnten Blinde durch das Training die Reaktionen von Autofahrern vielleicht besser einschätzen. «Menschen, die nicht sehen können, werden vermutlich zu keiner Zeit einen Führerschein erwerben. Doch mit der Aktion »Autofahren für Blinde und Sehbehinderte« erleben wir das Gefühl von Freiheit am Steuer eines Autos», sagt Meier.
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