Bislang kaum bekanntes Jugend-KZ Uckermark soll Gedenkstätte werden: 'Dann hinein ins Bad, unter die Dusche … Die Hände hab ich am Kopf gehalten, ich hab gedacht, wenn ich kein Haar hab, tut mir das weh auf der Glatze. Im Bad sind zwei SS-Männer gestanden, links einer, rechts einer, und wir mussten nackt, in Reih und Glied zu denen hingehen.'
Vergrößern Bislang kaum bekanntes Jugend-KZ Uckermark soll Gedenkstätte werden | Bild: © dapd

Ravensbrück (dapd-lbg). 'Dann hinein ins Bad, unter die Dusche … Die Hände hab ich am Kopf gehalten, ich hab gedacht, wenn ich kein Haar hab, tut mir das weh auf der Glatze. Im Bad sind zwei SS-Männer gestanden, links einer, rechts einer, und wir mussten nackt, in Reih und Glied zu denen hingehen.' So gibt der Historiker Bernhard Strebel in seinem 2003 erschienen Buch über das KZ Ravensbrück den überlieferten Bericht der Wienerin Käthe Anders über deren Ankunft im Sommer 1942 im Konzentrationslager für Mädchen in der Uckermark wieder.

18 Jahre war sie jung, als sie in das 'Jugendschutzlager' kam, in das die Nationalsozialisten sogenannte 'asoziale' Mädchen zwischen 14 und 21 Jahren brachten. Verglichen mit den ehemaligen Konzentrationslagern in Sachsenhausen und Ravensbrück spielt das ehemalige Jugend-KZ Uckermark in der öffentlichen Darstellung der Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit des Landes Brandenburg bisher eine eher untergeordnete Rolle.

'Bis heute ist wenig über die Geschichte dieses Konzentrationslagers bekannt. Die dort Inhaftierten zählten lange Zeit zu den 'vergessenen Verfolgten' des Nationalsozialismus und haben keine öffentliche Anerkennung erfahren', heißt es auf der Internetseite der 'Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark'. Lediglich ein 2009 aufgestellter Gedenkstein weist auf die Geschichte des Barackenlagers hin. 'Es ist Anliegen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen und Verbände, eine würdige Gedenkstätte zu errichten', sagt die Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, Insa Eschebach.

Sie verweist auf eine Arbeitsgruppe, die seit 2010 in regelmäßigen Arbeitstreffen konzeptionelle Ideen entwickelt. Zu den Überlegungen gehören laut Hans-Georg Moek, Sprecher des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums, das nach 1945 von der russischen Armee genutzte und von den späteren GUS-Streitkräften übernommene Gelände zugänglich zu machen und in das Besucherleitsystem der Brandenburgischen Gedenkstätten zu integrieren.

Zudem sollen Informationstafeln die Geschichte des Geländes dokumentieren. Voraussetzung sei jedoch eine Übertragung des Areals vom Bund als derzeitigem Eigentümer an das Land Brandenburg. Laut Moek fehlen dazu nur noch die Unterschriften. Noch in diesem Jahr soll mit den Konversionsarbeiten begonnen werden, erklärt zudem Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Von Juni 1942 bis Anfang 1945 waren in dem Lager etwa 1.180 weibliche Jugendliche inhaftiert, wie aus Unterlagen des Bundesarchivs hervorgeht.

Das Lager, auch Jugend-KZ genannt, diente laut der im Bundesarchiv zugänglich gemachten Dienstordnung für den Komplex dazu, 'Minderjährige auf ihre Erziehbarkeit zu sichten, noch gemeinschaftsfähig Erscheinende zu fördern (…) und die Unerziehbaren bis zur endgültigen Überführung in das Konzentrationslager zu verwahren und ihre Arbeitskraft zu nutzen.'

Aus einem Report der ehemaligen Lageraufseherin Lotte Toberentz, deren Aufzeichnungen und Berichte der Historiker Strebel eine wichtige Quelle nennt, geht zudem hervor, dass Mädchen allein aus 'rassischen Gründen' eingewiesen wurden. So finden sich Einweisungsvermerke wie 'Halbjüdin', 'Judenmischling' oder 'Zigeunerin'.

Im Rahmen der jährlichen Sommer-Workcamps, in denen Jugendliche aus der ganzen Welt die Gedenkstättenarbeit unter anderem durch Recherchen oder Zeitzeugen-Interviews in Ravensbrück unterstützen, fanden in den vergangenen Jahren Baucamps auf dem ehemaligen Lagergelände statt. Dabei legten die jungen Leute auch das Fundament einer der Lagerbaracken frei. Das diesjährige Bau- und Begegnungscamp fand im August statt.

dapd