Unterstützung erhielten die Studenten vonseiten der Hochschulen, aber auch von der Politik. Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) räumte ein, dass es den Bologna-Prozess zur Vereinheitlichung der europäischen Studieninhalte zu optimieren gelte. Der Rektor der TU Dresden, Hermann Kokenge, nannte die Proteste in einigen Punkten nachvollziehbar. Die SPD-Bildungspolitikerin Eva-Maria Stange appellierte an den Bund, sich stärker in der Bildung zu engagieren.
Die jungen Frauen und Männer hatten sich am frühen Nachmittag in den Dresdner Einkaufszentren Centrums-Galerie und Altmarktgalerie sowie auf dem Theaterplatz und vor dem sächsischen Landtag versammelt. Aus Protest gegen die Bildungspolitik ließen sich die Studenten dabei für eine Minute wie tot zu Boden fallen oder veranstalteten ein Tanz-Happening auf dem Theaterplatz.
Seit der vergangenen Woche halten auch rund hundert Studenten einen Hörsaal in der TU Dresden besetzt. Auch in zahlreichen anderen Städten, darunter Berlin, München und Jena, gingen Zehntausende auf die Straßen, um für bessere Studienbedingungen zu demonstrieren. In Leipzig ist für den 24. November eine Demonstration gegen die an dem Tag in der Stadt tagende Hochschulrektorenkonferenz geplant.
Schorlemer warnte aber vor pauschaler Kritik. So sei das Betreuungsverhältnis in den Ingenieurwissenschaften an sächsischen Hochschulen besser als in anderen Bundesländern. Zudem habe sich Sachsen klar gegen Studiengebühren ausgesprochen. In Sachsen werde es auch weiter «ein kostenfreies Studium geben».
TU-Rektor Kokenge sagte, in der Tat gebe es Nachbesserungsbedarf bei den Bachelor- und Masterstudiengängen. «Da müsste man genauer darüber sprechen, was die Universitäten leisten können und was von der Politik geleistet werden muss.» Kokenge ergänzte, problematisch seien auch «die zum Teil schwierigen Betreuungsverhältnisse». Es gebe überfüllte Hörsäle und überfüllte Seminarräume.
Die ehemalige sächsische Wissenschaftsministerin Stange sagte zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Dezember angekündigten Bildungsgipfel, solange der Bund nicht bereit sei, gemeinsam mit den Ländern eine solide Studienfinanzierung zu organisieren, brauche man auch solch einen Gipfel nicht. Den Verweis der CDU auf Studiengebühren zur Hochschulfinanzierung nannte sie «zynisch». Um ihr Studium zu bezahlen, müssten die Studenten dann mehr arbeiten und hätten weniger Zeit für ihre Ausbildung.
Dresden (ddp-lsc)


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